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Brexit und seine Folgen


24.06.16 11:00
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Im lang erwarteten Referendum haben die Wähler in Großbritannien entschieden: Ihr Land soll die Europäische Union verlassen, so Rick Lacaille, Global Chief Investment Officer, State Street Global Advisors und Michael Metcalfe, Head of Global Macro Strategy, State Street Global Markets.

Die Entscheidung für den Ausstieg aus der EU werde nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte haben. Auch auf längere Sicht werde man ein wachsames Auge auf die Folgen für andere nationalistische und protektionistische Bewegungen haben, sowohl in Europa als auch anderenorts. In Europa würden nationalistische Parteien bei den anstehenden Wahlen in Deutschland und Frankreich im nächsten Jahr sicherlich eine größere Rolle spielen.

Negative Folgen hinsichtlich marktrelevanter Themen wie Handel, Arbeitskräftemobilität oder Auslandsinvestitionen seien möglich. Dabei werde es besonders darauf ankommen, inwieweit es der EU gelinge, einerseits Großbritannien den raschen Austritt zu ermöglichen und andererseits vergleichbaren Bewegungen in anderen Ländern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In den letzten Wochen vor der Abstimmung hätten zahlreiche internationale Finanzinstitutionen und Handelsorganisationen wie der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, Bank of England und die WTO ihre Besorgnis zu einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU geäußert. Dabei sei es primär um die Risiken in Bezug auf das globale Wachstum, den Handel, Auslandsinvestitionen und die Stabilität der Finanzmärkte gegangen. Mit der Austrittsentscheidung steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Vorhersagen bewahrheiten würden.

In den letzten drei Monaten vor dem Referendum hätten internationale Investoren trotz des ungewissen Ausgangs des Referendums ihre Bestände an britischen Aktien und Staatspapieren weiterhin aufgestockt. Das Anlegerverhalten habe sich lediglich am Devisenmarkt verändert, wo Investoren ihr Währungsrisiko abgesichert hätten. Diese Absicherung habe sich angesichts der nach dem Ausgang zu erwartenden Abwertung des Britischen Pfunds als vorausschauend erwiesen. Jetzt stelle sich die entscheidende Frage, ob internationale Anleger versuchen würden, ihre Bestände an britischen Vermögenswerten abzubauen. Sollte die Ungewissheit nach dem Austrittsvotum anhalten, bestehe bei britischen Aktien und Staatspapieren ein erhöhtes Risiko von Abflüssen, unter anderem auch weil Anleger vor der Entscheidung vermehrt britische Vermögenswerte gekauft statt verkauft hätten.

Aufmerksam würden die Experten auch den Einfluss auf die europäischen Werte, insbesondere den Euro beobachten. Auch wenn die EZB ihre Bilanz offensiv verlängere, würden die Anleger scheinbar weniger auf eine weitere Abschwächung des Euro setzen. Sollte sich durch die Entscheidung für einen Austritt die Aufmerksamkeit des Marktes erneut auf die drohende politische Spaltung Europas richten, scheine derzeit kaum ein politischer Risikozuschlag in der Einheitswährung eingepreist zu sein. Bei einer Geldpolitik, die gleichzeitig den Euro schwäche, würden die Experten davon ausgehen, dass sich der Abwärtstrend des Euro gegenüber des US-Dollars fortsetze. (24.06.2016/alc/a/a)