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"Brexit" - LGIM-Experten erwarten Rezession für zweite Jahreshälfte
24.06.16 15:45
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Das "Nein" der Bürger Großbritanniens zu einem Verbleib in der Europäischen Union (EU) hat am Morgen danach einen Schock auf den Finanzmärkten ausgelöst, so die Experten von Legal & General Investment Management (LGIM).
"Wir erwarten einen spürbaren Rückgang der Unternehmensinvestitionen und der privaten Konsumausgaben", sage Chris Jeffery, Stratege bei LGIM. "Vor diesem Hintergrund würde Großbritannien bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 in die Rezession rutschen." In diesem Szenario würde eine Zinswende der Bank of England in weite Ferne rücken. Zwar würde die britische Nationalbank ihren Leitzins - anderes als die EZB - höchstwahrscheinlich nicht unter null Prozent senken, allerdings wären umfangreiche Programme zur geldpolitischen Lockerung eine wahrscheinliche Maßnahme, wie etwa Quantitative Easing, Kreditlockerungen und Liquiditätsvorlagen.
"Das Ergebnis des Referendums ist ein politisches, und für die UK-Regierung nicht rechtlich bindend. Zwar lässt sich ein Austritt nicht mehr vermeiden, allerdings sind derzeit noch viele Punkte offen", erkläre Hetal Mehta, Senior European Economist. Mit der Ankündigung, bis Oktober zurücktreten zu wollen, habe Premierminister David Cameron gleichzeitig klar gemacht, dass er die Verantwortung über den formalen Antrag zum EU-Austritt an seinen Nachfolger übergeben werde.
Darüber hinaus stelle sich die Frage, ob die Entscheidung zum EU-Austritt in den kommenden Wochen auch vom britischen Parlament bestätigt werden müsse. Allerdings: Da etwa zwei Drittel aller Parlamentsmitglieder die "Remain"-Kampagne unterstützt hätten, würde dieser Prozess alles andere als harmonisch ablaufen. Und mit Camerons Rücktritt könnten auch neue Parlamentswahlen nicht ausgeschlossen werden. Allerdings werde dieser Prozess durch ein Gesetz erschwert, das Parlamentswahlen im festen Tonus von fünf Jahren vorsehe.
Sobald diese Fragen geklärt seien und der formale Antrag zum EU-Austritt gestellt worden sei, müsse Großbritannien dafür die Bedingungen gemäß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon (EU-Vertrag) über bis zu zwei Jahre lang aushandeln. "Von diesen Verhandlungen, insbesondere von Handels- und Einwanderungsabkommen, hängen auch die weiteren Marktprognosen ab", erkläre Mehta. "Unerlässlich für die britische Wirtschaft ist vor allem der Erhalt des Marktzugangs für Dienstleistungen und Investitionen sowie die Freizügigkeit für Arbeitskräfte."
In den kommenden Monaten werde Europa vor allem diese politische Debatte rund um den Brexit beschäftigen. Insbesondere die schottische Unabhängigkeitsbewegung könnte erneut an Fahrt gewinnen. Auch wenn kurzfristig ein wiederholtes Schottland-Referendum unwahrscheinlich sei, da die Scottish National Party nicht länger die Mehrheit im schottischen Parlament bilde, stehe dieser Punkt wieder auf der politischen Tagesordnung. "Am Morgen nach dem Referendum gibt es eigentlich mehr Fragen als Antworten", kommentiere Mehta. "Der Brexit könnte die verbleibenden EU-Mitglieder noch stärker zusammenschweißen - oder aber antieuropäische, nationalistische Bewegungen verstärken." (24.06.2016/alc/a/a)
"Wir erwarten einen spürbaren Rückgang der Unternehmensinvestitionen und der privaten Konsumausgaben", sage Chris Jeffery, Stratege bei LGIM. "Vor diesem Hintergrund würde Großbritannien bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 in die Rezession rutschen." In diesem Szenario würde eine Zinswende der Bank of England in weite Ferne rücken. Zwar würde die britische Nationalbank ihren Leitzins - anderes als die EZB - höchstwahrscheinlich nicht unter null Prozent senken, allerdings wären umfangreiche Programme zur geldpolitischen Lockerung eine wahrscheinliche Maßnahme, wie etwa Quantitative Easing, Kreditlockerungen und Liquiditätsvorlagen.
Darüber hinaus stelle sich die Frage, ob die Entscheidung zum EU-Austritt in den kommenden Wochen auch vom britischen Parlament bestätigt werden müsse. Allerdings: Da etwa zwei Drittel aller Parlamentsmitglieder die "Remain"-Kampagne unterstützt hätten, würde dieser Prozess alles andere als harmonisch ablaufen. Und mit Camerons Rücktritt könnten auch neue Parlamentswahlen nicht ausgeschlossen werden. Allerdings werde dieser Prozess durch ein Gesetz erschwert, das Parlamentswahlen im festen Tonus von fünf Jahren vorsehe.
Sobald diese Fragen geklärt seien und der formale Antrag zum EU-Austritt gestellt worden sei, müsse Großbritannien dafür die Bedingungen gemäß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon (EU-Vertrag) über bis zu zwei Jahre lang aushandeln. "Von diesen Verhandlungen, insbesondere von Handels- und Einwanderungsabkommen, hängen auch die weiteren Marktprognosen ab", erkläre Mehta. "Unerlässlich für die britische Wirtschaft ist vor allem der Erhalt des Marktzugangs für Dienstleistungen und Investitionen sowie die Freizügigkeit für Arbeitskräfte."
In den kommenden Monaten werde Europa vor allem diese politische Debatte rund um den Brexit beschäftigen. Insbesondere die schottische Unabhängigkeitsbewegung könnte erneut an Fahrt gewinnen. Auch wenn kurzfristig ein wiederholtes Schottland-Referendum unwahrscheinlich sei, da die Scottish National Party nicht länger die Mehrheit im schottischen Parlament bilde, stehe dieser Punkt wieder auf der politischen Tagesordnung. "Am Morgen nach dem Referendum gibt es eigentlich mehr Fragen als Antworten", kommentiere Mehta. "Der Brexit könnte die verbleibenden EU-Mitglieder noch stärker zusammenschweißen - oder aber antieuropäische, nationalistische Bewegungen verstärken." (24.06.2016/alc/a/a)


