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Brasilien: Notenbank senkt Zinsen abermals kräftig
14.08.17 12:15
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - In Brasilien kann Präsident Temer vorerst aufatmen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM).
Trotz substantieller und ziemlich überzeugender Korruptionsindizien - so die Aussage der Ermittlungsbehörden - habe eine Mehrheit des Unterhauses Anfang August gegen ein Korruptionsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof gestimmt. Das Parlament habe sich damit gegen den Willen von - laut Umfragen - rund 80% der Brasilianer gestellt. Temers Zustimmungsrate liege sogar nur bei 5%. Doch Apathie und Resignation hätten sich in der Bevölkerung breitgemacht, und so werde der aktuelle Präsident jetzt wohl bis Ende 2018 im Amt bleiben können.
Der Ausgang der Abstimmung sei keine Überraschung mehr gewesen, habe es der politisch erfahrene und gut vernetzte Temer doch bereits im Vorfeld geschafft, eine ausreichend große Allianz von Unterstützern zu schmieden. Rund 1,3 Mrd. Dollar seien ganz gewiss nicht zufällig allein im Juni und Juli aus der klammen Staatskasse in Projekte einzelner Parlamentarier in ihren jeweiligen Regionen geflossen. Hinzu komme, dass ein Großteil der Abgeordneten ebenfalls Korruptionsvorwürfen ausgesetzt sei. Allein in der laufenden "Autowäsche" (lava jato) Korruptionsermittlung, der größten in der Geschichte Brasiliens, stünden mehr als die Hälfte aller Senatoren sowie jeweils rund ein Drittel des Unterhauses und der aktuellen Regierung unter konkretem Korruptionsverdacht.
Volkswirtschaftlich habe es wenig Positives gegeben. Die Industrieproduktion habe leicht angezogen, dafür seien die Einzelhandelsumsätze gefallen. Die Arbeitslosenquote sei offiziell leicht gesunken, doch dürfte dies fast gänzlich darauf zurückzuführen sein, dass der informelle Sektor wieder expandiere. Prekäre, schlecht bezahlte Beschäftigungen, verborgen vor dem Blick der Steuerbehörden, würden rasant zunehmen. Immerhin ein kurzfristiger Ausweg für die Betroffenen, aber alles andere als gut für die extrem angespannten Staatsfinanzen.
Die Temer-Regierung dürfte die Defizit-Obergrenze wohl ebenso verfehlen, wie ihre Vorgänger. Die Notenbank senke unterdessen weiterhin mit Volldampf die Zinsen - im Juli abermals um einen vollen Prozentpunkt auf nunmehr 9,25%. Der Bovespa-Index sei im Juli im Einklang mit dem globalen Schwellenländer-Trend um knapp 5% nach oben geklettert. (Ausgabe August 2017) (14.08.2017/alc/a/a)
Trotz substantieller und ziemlich überzeugender Korruptionsindizien - so die Aussage der Ermittlungsbehörden - habe eine Mehrheit des Unterhauses Anfang August gegen ein Korruptionsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof gestimmt. Das Parlament habe sich damit gegen den Willen von - laut Umfragen - rund 80% der Brasilianer gestellt. Temers Zustimmungsrate liege sogar nur bei 5%. Doch Apathie und Resignation hätten sich in der Bevölkerung breitgemacht, und so werde der aktuelle Präsident jetzt wohl bis Ende 2018 im Amt bleiben können.
Volkswirtschaftlich habe es wenig Positives gegeben. Die Industrieproduktion habe leicht angezogen, dafür seien die Einzelhandelsumsätze gefallen. Die Arbeitslosenquote sei offiziell leicht gesunken, doch dürfte dies fast gänzlich darauf zurückzuführen sein, dass der informelle Sektor wieder expandiere. Prekäre, schlecht bezahlte Beschäftigungen, verborgen vor dem Blick der Steuerbehörden, würden rasant zunehmen. Immerhin ein kurzfristiger Ausweg für die Betroffenen, aber alles andere als gut für die extrem angespannten Staatsfinanzen.
Die Temer-Regierung dürfte die Defizit-Obergrenze wohl ebenso verfehlen, wie ihre Vorgänger. Die Notenbank senke unterdessen weiterhin mit Volldampf die Zinsen - im Juli abermals um einen vollen Prozentpunkt auf nunmehr 9,25%. Der Bovespa-Index sei im Juli im Einklang mit dem globalen Schwellenländer-Trend um knapp 5% nach oben geklettert. (Ausgabe August 2017) (14.08.2017/alc/a/a)


