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Bank of Japan: Relaunch von Abenomics?
26.07.16 12:10
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan (BoJ) hat genügend Gründe über einen Relaunch von Abenomics nachzudenken, so Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG
Trotz extrem lockerer Geldpolitik sei der Japanische Yen in diesem Jahr markant angestiegen und habe rund 50% der durch Abenomics initiierten Währungsabwertung wieder wettgemacht. Diese Aufwertung werde der BoJ erschweren, ihr Inflationsziel von 2% zu erreichen. Die große Frage sei, welche Munition die BoJ noch zur Verfügung habe, um die positive Dynamik nach Beginn von Abenomics wiederzubeleben.
Der Besuch des früheren Fed-Chefs Ben Bernanke habe zu Spekulationen über mögliches Helikoptergeld in Japan geführt. BoJ-Chef Kuroda habe diese Erwartungen wiederum am vergangenen Donnerstag mit den Worten gedämpft: "Es gibt keine Notwendigkeit und keine Möglichkeit für Helikoptergeld". Allerdings habe Kuroda noch zwei Wochen vor Einführung der Negativzinsen behauptet, dass die Zinsen in Japan nicht in den negativen Bereich gesenkt würden.
Helikoptergeld sei ein altes Konzept, welches von dem berühmten Ökonomen Milton Friedman im 1969 entwickelt worden sei. Er habe diese Metapher verwendet, um zu illustrieren, dass eine Zentralbank immer Inflation generieren könne, wenn sie wolle. Bernanke habe die Helikopter-Analogie ebenfalls in einer Rede im Jahr 2002 verwendet. Bernanke habe damals betont, dass Helikopter-Geld auch dann funktioniere, wenn die konventionelle Geldpolitik nicht mehr wirke und die Staatsschulden hoch seien. Die Idee sei, dass eine Zentralbank den Konsumenten oder dem Staat Geld transferiere und dabei die Zentralbankbilanz verlängere.
Da die BoJ im Rahmen des bisherigen Programms bereits ein hohes Volumen an japanischen Staatsanleihen aufgekauft habe, ohne die Inflation dauerhaft zu heben, stelle sich die Frage, was bisher falsch gelaufen sei. Das Hauptproblem sei, dass die verantwortlichen japanischen Politiker die Problematik einer Bilanzrezession unterschätzt hätten. Während die Geldpolitik zwar viel Liquidität geschaffen habe, hätten sich die japanischen Behörden auf die Austerität konzentriert. Die Mehrwertsteuern seien im April 2014 erhöht worden mit dem Glauben, dass die Wirtschaft diesem Schock standhalten könne. Doch Japan habe in einer Rezession geendet. Würden die Konsumenten und der Staat ihre Schulden abbauen, steige die Nachfrage nach Krediten trotz günstiger Liquidität nicht genügend an. Dieses Phänomen werde in der ökonomischen Theorie "Liquiditätsfalle" genannt.
Die japanischen Politiker scheinen sich dieser Problematik inzwischen bewusst geworden zu sein, so Ursina Kubli. Die im 2017 angesetzte Mehrwertsteuererhöhung sei verschoben worden und weiterer Fiskalstimulus sei in Aussicht gestellt worden. Früher sei die Bestimmung des richtigen Mix von Fiskal- und Geldpolitik immer eine Entweder-oder-Frage gewesen. In Zukunft würden die Fiskal- und Geldpolitik hingegen besser aufeinander abgestimmt und kombiniert verwendet. Die Analysten würden einen kräftigen Fiskalstimulus von mindestens 10 Billionen JPY erwarten, eine mögliche Aufstockung der Anleihenankäufe, kombiniert mit einer weiteren Zinssenkung von -10 Basispunkten. (26.07.2016/alc/a/a)
Trotz extrem lockerer Geldpolitik sei der Japanische Yen in diesem Jahr markant angestiegen und habe rund 50% der durch Abenomics initiierten Währungsabwertung wieder wettgemacht. Diese Aufwertung werde der BoJ erschweren, ihr Inflationsziel von 2% zu erreichen. Die große Frage sei, welche Munition die BoJ noch zur Verfügung habe, um die positive Dynamik nach Beginn von Abenomics wiederzubeleben.
Helikoptergeld sei ein altes Konzept, welches von dem berühmten Ökonomen Milton Friedman im 1969 entwickelt worden sei. Er habe diese Metapher verwendet, um zu illustrieren, dass eine Zentralbank immer Inflation generieren könne, wenn sie wolle. Bernanke habe die Helikopter-Analogie ebenfalls in einer Rede im Jahr 2002 verwendet. Bernanke habe damals betont, dass Helikopter-Geld auch dann funktioniere, wenn die konventionelle Geldpolitik nicht mehr wirke und die Staatsschulden hoch seien. Die Idee sei, dass eine Zentralbank den Konsumenten oder dem Staat Geld transferiere und dabei die Zentralbankbilanz verlängere.
Da die BoJ im Rahmen des bisherigen Programms bereits ein hohes Volumen an japanischen Staatsanleihen aufgekauft habe, ohne die Inflation dauerhaft zu heben, stelle sich die Frage, was bisher falsch gelaufen sei. Das Hauptproblem sei, dass die verantwortlichen japanischen Politiker die Problematik einer Bilanzrezession unterschätzt hätten. Während die Geldpolitik zwar viel Liquidität geschaffen habe, hätten sich die japanischen Behörden auf die Austerität konzentriert. Die Mehrwertsteuern seien im April 2014 erhöht worden mit dem Glauben, dass die Wirtschaft diesem Schock standhalten könne. Doch Japan habe in einer Rezession geendet. Würden die Konsumenten und der Staat ihre Schulden abbauen, steige die Nachfrage nach Krediten trotz günstiger Liquidität nicht genügend an. Dieses Phänomen werde in der ökonomischen Theorie "Liquiditätsfalle" genannt.
Die japanischen Politiker scheinen sich dieser Problematik inzwischen bewusst geworden zu sein, so Ursina Kubli. Die im 2017 angesetzte Mehrwertsteuererhöhung sei verschoben worden und weiterer Fiskalstimulus sei in Aussicht gestellt worden. Früher sei die Bestimmung des richtigen Mix von Fiskal- und Geldpolitik immer eine Entweder-oder-Frage gewesen. In Zukunft würden die Fiskal- und Geldpolitik hingegen besser aufeinander abgestimmt und kombiniert verwendet. Die Analysten würden einen kräftigen Fiskalstimulus von mindestens 10 Billionen JPY erwarten, eine mögliche Aufstockung der Anleihenankäufe, kombiniert mit einer weiteren Zinssenkung von -10 Basispunkten. (26.07.2016/alc/a/a)


