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Bank of Japan: Der FED die Vorfahrt lassen


20.09.24 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat heute erwartungsgemäß entschieden, zunächst keine weitere Zinsanhebung zu verkünden, so die Analysten der Nord LB.

Bei der Abstimmung über den geldpolitischen Kurs in Tokio habe ein einstimmiges Ergebnis erzielt werden können. Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, welche maßgeblich durch den inzwischen wieder stärkeren Yen ausgelöst worden seien, wäre jedes andere Votum wohl auch eine große Überraschung gewesen!

Die Notenbanker in Tokio hätten direkt nach der kräftigen Zinssenkung durch das FOMC in Washington natürlich kein Interesse, die japanische Währung durch eine erneute Erhöhung des Leitzinsniveaus im Land der aufgehenden Sonne weiter gegen den US-Dollar aufwerten zu lassen. Anders ausgedrückt lasse die Bank of Japan der FED zunächst also die Vorfahrt. Perspektivisch dürften vorsichtige Zinsanhebungen aber auf der Agenda der Zentralbanker in Tokio bleiben.

Dafür sprächen beispielsweise auch die aktuellen Inflationsdaten aus Japan. So seien die Konsumentenpreise im August klar angestiegen. In konkreten Zahlen gesprochen habe sich eine Veränderungsrate von 3,0% Y/Y gezeigt. Die Kernrate sei auf 2,8% Y/Y angestiegen. Diese Zahlen ließen eine baldige Zinsanhebung auf jeden Fall zu. Je nach Datenlage könnte der Dezember ein guter Termin für eine entsprechende Anpassung sein. Auch eine Erhöhung des Leitzinsniveaus im Oktober könne aber wohl nicht völlig ausgeschlossen werden.

Anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung habe Zentralbankchef Kazuo Ueda sehr klar betont, dass die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten eine hohe Relevanz für die weitere geldpolitische Strategie in Japan haben würden. In einem durch große Unsicherheit geprägten Umfeld könne eine eher abwartende Vorgehensweise in der Tat sinnvoll sein. In diesem Kontext habe Ueda unmissverständlich betont, dass die Notenbank in Tokio keinen direkten Einfluss auf Wechselkurse nehmen wolle. Er habe aber auch zu Protokoll gegeben, dass man den Devisenmarkt natürlich genau im Auge habe. Besonders interessant sei nach Auffassung der Beobachter, dass Ueda die Bedeutung der Inflationsentwicklung bei den Dienstleistungen im Monat Oktober explizit hervorgehoben habe. In der Summe scheinen seine Kommentare für eine auch weiterhin recht zögerliche Bank of Japan zu sprechen, so die Analysten der Nord LB. Folglich dürfte das Leitzinsniveau in Tokio wohl eher im Dezember weiter zulegen.

Die Bank of Japan lasse der FED zunächst die Vorfahrt. Die Notenbanker in Tokio hätten am aktuellen Rand also offensichtlich keine weiteren Impulse liefern wollen, die dem Yen zusätzlichen Auftrieb hätten geben können. Die jüngsten Finanzmarktturbulenzen hätten die japanischen Geldpolitiker scheinbar noch vorsichtiger werden lassen. In diese Richtung würden auch die aktuellen Kommentare Kazuo Uedas anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung deuten. Ohne große neue Impulse werde die Bank of Japan wohl noch etwas zögerlicher agieren wollen, was eher für eine Leitzinsanhebung im Dezember sprechen dürfte. (20.09.2024/alc/a/a)