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Bank of England muss viele Bälle in der Luft halten


13.12.22 11:59
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die Kalibrierung der Zinsentscheidung ist derzeit eine besondere Herausforderung, da die Bank of England viele Bälle in der Luft, bzw. Dinge in Bewegung halten muss, so Howard Cunningham, Fixed Income Portfolio Manager bei Newton IM, einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management.

Sie sei immer noch dabei, die Notkäufe langlaufender und indexgebundenen Staatsanleihen vom September und Oktober rückgängig zu machen und die APF-Bilanz (Asset Purchase Facility) im Rahmen der geldpolitischen Straffung weiter zu reduzieren, während sie mit einer immer noch hohen Inflation und einem angespannten Arbeitsmarkt zu kämpfen habe. Gleichzeitig sei Wohnraum immer weniger erschwinglich und das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen schwinde. Daher sei eine Dreiteilung oder sogar eine Vierteilung der Einschätzungen unter den Mitgliedern des geldpolitischen Komitees (Monetary Policy Committee, MPC) wahrscheinlich.

Die Experten würden die Ansicht des Marktes teilen, dass sich die Mehrheit auf eine Zinserhöhung um 0,5% einigen werde. Auf der vergangenen Sitzung habe sich das MPC noch gegen die Vorstellung gewehrt, dass die Zinssätze einen Höchststand von 5% oder mehr erreichen würden. Die Experten wären jedoch überrascht, wenn das Komitee dieses Mal ähnlich zurückhaltend wäre, da der vom Markt implizierte Höchststand bis Mitte 2023 auf 4,5% zurückgegangen sei. Die Inflationserwartungen für die nächsten zwei und fünf Jahre würden weiter ansteigen, und auch die Lohnzuwachserwartungen seien sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern weiterhin hoch.

Obwohl das Pfund Sterling in diesem Quartal deutlich an Wert gewonnen habe, was den Inflationsdruck etwas verringert habe, könnte es leicht wieder an Boden verlieren, wenn die Zinsdifferenzen infolge einer zurückhaltenden Interpretation der Sitzung ungünstiger würden. Dazu komme ein sehr hohes Netto-Emissionsvolumens von Staatsanleihen in nächster Zeit und der Umstand, dass weniger preissensible Investoren wie die Bank of England eine geringere Rolle spielen würden. Das Vereinigte Königreich werde deshalb seinen Beitrag leisten und zeigen müssen, dass es die Inflation ernsthaft bekämpfen wolle. (13.12.2022/alc/a/a)