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Bank of England: Das große Zögern vor dem nächsten Zinsschritt
20.09.24 10:15
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat beschlossen, das Leitzinsniveau im Vereinigten Königreich zunächst nicht anzupassen, berichten die Analysten der NORD/LB.
Damit verharre die Bank Rate vorerst bei einem Wert von 5,00%. Diese Nachricht sei keine größere Überraschung. Die Entscheidung habe allerdings nicht einstimmig getroffen werden können. Swati Dhingra, als fast schon notorische geldpolitische "Taube", habe dafür votiert, beim Leitzinsniveau bereits am aktuellen Rand eine weitere Verringerung um 25 Bp vorzunehmen. Diese Auffassung habe jedoch keine zusätzlichen Anhänger gefunden. Für die Verhältnisse in Britannien sei damit also fast schon so etwas wie Einstimmigkeit bei der Wahl der angemessenen geldpolitischen Strategie erzielt worden. Die Entscheidung für ein Quantitative Tightening im vom Markt erwarteten Umfang habe aber immerhin im Konsens gefällt werden können.
Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Konsumentenpreise hätten gestern keine größeren neuen Impulse für die Geldpolitiker in London bringen können. Der Headline-Index habe im Berichtsmonat August um 2,2% Y/Y zugelegt und notiere damit nahezu beim Zielwert der Bank of England. Im Dienstleistungsbereich sei der Preisauftrieb aber weiterhin unerfreulich hoch. Diese Tatsache sollte einige Offizielle der Notenbank sicherlich stören; perspektivisch würden die Zinsen im Vereinigten Königreich aber wohl dennoch weiter sinken müssen - zumal die Bank of England im August sogar eine noch etwas unfreundlichere Entwicklung der Konsumentenpreise im Service-Segment der britischen Wirtschaft erwartet habe. Aus dieser Perspektive betrachtet hätten die Zahlen also nicht einmal unbedingt einen Grund zum Zögern dargestellt. Eine Abkühlung des Preisauftriebs im Segment Dienstleistungen würde vielen Entscheidungsträgern im Monetary Policy Committee aber wohl doch dabei helfen, dem Vorbild von Swati Dhingra auch ohne schlechtes Gewissen zufolgen.
Spürbare Abkühlungstendenzen am britischen Arbeitsmarkt würden eine große Sorge der Geldpolitiker in London bleiben. Dieses regelrechte "Horrorszenario" dürfte in der näheren Zukunft noch für Handlungsdruck bei der Bank of England sorgen. Allerdings scheine das Monetary Policy Committee bei der Implementierung von Zinssenkungen nicht in großer Eile zu sein.
Für das Pfund sei diese Nachricht grundsätzlich stützend. Mit Blick auf den US-Dollar sei inzwischen die Marke von 1,33 ins Blickfeld der Marktteilnehmer gerückt. Die Kombination von kräftig sinkenden Zinsen in Washington und zögerlichen Notenbankern in London habe fast schon zwangsläufig Implikationen für den Devisenmarkt.
Fazit: Die Bank of England habe sich am aktuellen Rand fast einstimmig zu einem zögerlichen Verhalten bei der Neuausrichtung ihrer Geldpolitik entschieden. Diese Nachricht sei keine große Überraschung. Die Notenbanker in London dürften vor allem auf freundlichere Zahlen zur Entwicklung der Inflation im Dienstleistungssektor hoffen. Solche Meldungen würden eine Entscheidung für zusätzliche Zinssenkungen durch das Monetary Policy Committee sicherlich deutlich einfacher machen. Grundsätzlich scheine die Bank of England aber weiterhin unter Handlungsdruck zu stehen.(Ausgabe vom 19.09.2024) (20.09.2024/alc/a/a)
Damit verharre die Bank Rate vorerst bei einem Wert von 5,00%. Diese Nachricht sei keine größere Überraschung. Die Entscheidung habe allerdings nicht einstimmig getroffen werden können. Swati Dhingra, als fast schon notorische geldpolitische "Taube", habe dafür votiert, beim Leitzinsniveau bereits am aktuellen Rand eine weitere Verringerung um 25 Bp vorzunehmen. Diese Auffassung habe jedoch keine zusätzlichen Anhänger gefunden. Für die Verhältnisse in Britannien sei damit also fast schon so etwas wie Einstimmigkeit bei der Wahl der angemessenen geldpolitischen Strategie erzielt worden. Die Entscheidung für ein Quantitative Tightening im vom Markt erwarteten Umfang habe aber immerhin im Konsens gefällt werden können.
Spürbare Abkühlungstendenzen am britischen Arbeitsmarkt würden eine große Sorge der Geldpolitiker in London bleiben. Dieses regelrechte "Horrorszenario" dürfte in der näheren Zukunft noch für Handlungsdruck bei der Bank of England sorgen. Allerdings scheine das Monetary Policy Committee bei der Implementierung von Zinssenkungen nicht in großer Eile zu sein.
Für das Pfund sei diese Nachricht grundsätzlich stützend. Mit Blick auf den US-Dollar sei inzwischen die Marke von 1,33 ins Blickfeld der Marktteilnehmer gerückt. Die Kombination von kräftig sinkenden Zinsen in Washington und zögerlichen Notenbankern in London habe fast schon zwangsläufig Implikationen für den Devisenmarkt.
Fazit: Die Bank of England habe sich am aktuellen Rand fast einstimmig zu einem zögerlichen Verhalten bei der Neuausrichtung ihrer Geldpolitik entschieden. Diese Nachricht sei keine große Überraschung. Die Notenbanker in London dürften vor allem auf freundlichere Zahlen zur Entwicklung der Inflation im Dienstleistungssektor hoffen. Solche Meldungen würden eine Entscheidung für zusätzliche Zinssenkungen durch das Monetary Policy Committee sicherlich deutlich einfacher machen. Grundsätzlich scheine die Bank of England aber weiterhin unter Handlungsdruck zu stehen.(Ausgabe vom 19.09.2024) (20.09.2024/alc/a/a)


