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Ausblick auf das zweite Halbjahr 2017: “Eine unmögliche Kombination“


31.07.17 12:15
Nordea Asset Management

Stockholm (www.anleihencheck.de) - Das Makro-Umfeld wurde in der ersten Jahreshälfte von Reflations-Hoffnungen dominiert, so Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Zuletzt habe sich die Inflation allerdings weiter abgeschwächt. Würden die Reflations-Hoffnungen in der zweiten Jahreshälfte neu belebt oder gebe es ein Zurück zur "Lowflation"-Norm?

Während die erste Hälfte des Jahres 2017 sehr stark von Reflations-Hoffnungen geprägt gewesen sei, also von Erwartungen eines stärkeren Wachstums und einer moderat höheren Inflation, gehe Bahrke für die zweite Jahreshälfte 2017 von einem "Post-Reflations"-Umfeld aus. Zuletzt habe sich die Inflation weiter abgeschwächt, was sich mit der Annahme eines Höhepunkts der Reflation im zweite Quartal decke. In den USA und in Europa dürfte die Teuerungsrate unter der Zielmarke der Zentralbanken von etwa zwei Prozent bleiben.

Gleichzeitig deute der Wachstumsindikator für die zweite Jahreshälfte auf ein nüchternes Szenario hin. Er bewege sich schon seit einiger Zeit nach unten und lasse damit auf einen zyklischen Wendepunkt in der zweiten Jahreshälfte schließen. Darin spiegle sich zum einen eine Verlangsamung des chinesischen Wachstums wider, was nicht zuletzt auf die Bemühungen der Chinesische Volksbank (PBoC) zurückgehe, die Leverage-Risiken einzugrenzen, und zum anderen das enttäuschende Wachstum in den USA, wo die "Trumponomics" bislang für keinerlei Impulse hätten sorgen können.

Ein Lichtblick bleibe Europa. Dort würden sich keine Anzeichen für eine sich verlangsamende Dynamik zeigen. Insgesamt erwarte man für die zweite Jahreshälfte ein enttäuschendes wirtschaftliches Ergebnis, das sich auch in einem schwächer als erwarteten Ertragszuwachs zeigen sollte. Es bleibe dabei: Die Reflation stelle ein kleine Welle dar, aber noch keinen Paradigmenwechsel.

Die Märkte hätten sich zuletzt zunehmend sensibel gegenüber den Signalen der Zentralbanken gezeigt. Sei das bereits ein Vorgeschmack auf die zweite Jahreshälfte?

Die Märkte würden sich zu Recht mit Blick auf die Zentralbanken sorgen. Angesichts eines hohen, aber sich verlangsamenden Wachstums und einer schwachen Inflation würde man nicht erwarten, dass die Zentralbanken die Geldpolitik verschärfen würden. Aber genau das passiere gerade: Die großen Zentralbanken würden restriktive Signale aussenden. Die FED ebne den Weg für einen Bilanzabbau und betrete damit das gänzlich unbekannte Terrain einer quantitativen Verschärfung. Dafür gebe es gute Gründe: Die finanziellen Risiken angesichts der hohen Bewertungen sollten begrenzt werden und ebenso die Risikofreude der Anleger.

Aber der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sei auch ein gigantisches Experiment. Das habe es bisher noch nie gegeben, und keiner wisse, welche Auswirkungen es haben könnte. In jedem Fall bedeute eine restriktivere Gangart der Zentralbanken, dass mit der Verlangsamung des Liquiditätswachstums einer der wichtigsten Treiber für viele Anlageklassen entfalle. Mit anderen Worten: Der Markt müsse sich nach neuen Wachstumstreibern umsehen, die den Platz des billigen Geldes einnehmen würden. Angesichts der eingangs beschriebenen schwachen Makrodaten sei es fraglich, wie erfolgreich diese Suche in den kommenden Monaten sein werde.

Schwache Inflation, sich verlangsamendes Wachstum und eine restriktivere Geldpolitik durch die Zentralbanken - das klinge nach einer Herausforderung. Wie werde sich das auf die Märkte in der zweiten Jahreshälfte auswirken?

Schwächer werdende Wirtschaftsdaten, eine Verschärfung seitens der Zentralbanken und hohe Asset-Preise seien nach Erachten der Experten eine unmögliche Kombination. Von diesen drei Faktoren dürften höchstens zwei bis zum Ende des Jahres bestehen bleiben. Da die wirtschaftlichen Signale durchweg auf eine "Lowflation" hindeuten würden, laute die entscheidende Frage für die zweite Jahreshälfte: Wer gebe zuerst nach? Ein risikobereiter Markt, der risikoscheuer werde, oder restriktiv gestimmte Zentralbanker, die es dann doch etwas lockerer angehen lassen würden? Wahrscheinlicher erscheine den Experten eine Zunahme der Risikoaversion in der zweiten Jahreshälfte, da Zentralbanker ihren Kurs zumeist nur sehr zögerlich anpassen würden.

Ein Hin und Her zwischen Straffung und Lockerung würde die Zentralbanken für die Zukunft weniger glaubwürdig erscheinen lassen, und ihre Glaubwürdigkeit sei für Zentralbanken ein hohes Gut - hart erarbeitet, leicht zu verlieren. Das bedeute, die hohen Bewertungen in vielen Anlageklassen dürften angesichts eines unsicheren Makro-Umfelds und eines weniger deutlichen Zentralbank-Schutzes zunehmend infrage gestellt werden. Die unmögliche Dreierkombination bedürfe einer Auflösung und der wahrscheinlichste Ausgang sei höhere Volatilität und weniger Risikobereitschaft in der zweiten Jahreshälfte.

Letztlich könnte auch den Zentralbanken keine andere Möglichkeit bleiben, als nachzugeben und ihre restriktivere Haltung zumindest für eine Weile abzulegen, da sie die schwache Inflation nicht dauerhaft ignorieren könnten. Dies könnte im dritten Quartal der Fall sein, was die Abwärtstendenz risikoreicherer Anlagen begrenze. (31.07.2017/alc/a/a)