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Ausblick 2016: Lichtblick in Schwellenmärkten


28.12.15 13:16
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Es geht bergauf, so der Tenor unter den Marktbeobachtern hinsichtlich der Entwicklung in China und anderen großen Schwellenmärkten, so die Experten von "FONDS professionell":

Allzu große Renditehoffnungen sollten sich Anleger 2016 aber nicht machen.

Er sei ein grünes Paradies und berühmt für seine Artenvielfalt gewesen. Heute sei der Rio Doce bloß noch 666 Kilometer totes Fließgewässer. Sein Delta, flächenmäßig so groß wie Portugal, gleiche einer Giftwüste. Seit Ende November, als zwei Rückhaltebecken einer Eisenerzmine geborsten seien, hätten sich schon 62 Millionen Kubikmeter eines hochtoxischen Gemischs aus Arsen, Aluminium, Blei und Quecksilber in den bis dato kristallklaren Fluss ergossen. Die verheerende Umweltkatastrophe erschüttere Brasilien nicht nur im In-, sondern auch im Ausland. Denn ähnlich vergiftet wie der Rio Doce sei seit Monaten auch die Stimmung bei Investoren, die Brasiliens Anlagechancen und die Aussichten anderer Schwellenländer zunehmend skeptisch beurteilen würden.

Nach einem jahrelangen Konjunkturboom würden die Emerging Markets an ihre Grenzen stoßen. Ihre Aufholjagd habe die einstigen Hoffnungsmärkte Kräfte gekostet. Nun würden ihre Volkswirtschaften atemlos wirken. Immense Dollar-Schulden - angesichts niedriger Zinsen lange Zeit verlockend billig zu haben - würden ihnen die Luft abschnüren. Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hätten sich die Dollarschulden der Schwellenländer allein in den vergangenen fünf Jahren auf 3,4 Billionen Dollar verdoppelt.

Fatal wirke in diesem Zusammenhang neben der horrenden Abwertung vieler Emerging-Markets-Währungen und der Aussicht auf weitere Zinsanhebungsschritte in den USA die nie überwundene Rohstoffabhängigkeit vieler Volkswirtschaften in Lateinamerika und Osteuropa. Der massive Ölpreisverfall laste auf den Geschäften der einst mächtigen Rohstoff-Konzerne und den Steuereinnahmen der Staaten.

Offenbar hätten Investoren genug: Schuldtitel aus Emerging Markets wolle zurzeit niemand haben. Die Anleiheemissionen seien im dritten Quartal förmlich kollabiert: Laut BIZ-Daten seien sie gegenüber dem zweiten Quartal 2015 um satte 98 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar zurückgegangen - der schärfste Einbruch seit Beginn der Finanzkrise. Auch die Kurse von bereits begebenen Schwellenländer-Schuldtiteln seien im dritten Quartal unter die Räder gekommen. Die Durchschnittsrenditen von Unternehmensanleihen aus Emerging Markets seien so stark gestiegen wie seit vier Jahren nicht mehr. Investmentfonds, die breit auf Schwellenländer setzen würden, hätten massive Mittelabflüsse verzeichnet - so massiv, dass sich einzelne Anbieter wie Goldman Sachs bereits dazu entschlossen hätten, einst absatzstarke Konzepte wie die BRIC-Idee wieder einzustampfen. (28.12.2015/alc/a/a)