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Auf der Suche nach einem Unterschlupf bei Anleihen


27.11.17 12:45
T. Rowe Price

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Weil das weltweite Wachstum auf festeren Füßen steht, bewegen sich mehrere große Zentralbanken in Richtung einer Straffung ihrer Geldpolitik, so die Experten von T. Rowe Price.

Die Auswirkungen einer möglichen zeitlich abgestimmten Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken seien den Anleihenmärkten noch immer relativ wenig bekannt. Das werfe die Frage auf, ob im Halten von Anleihen aktuell irgendein Wert bestehe. "Ein synchronisierter Schritt der Zinsanhebung unter den Zentralbanken dürfte bei den Staatsanleihen der Industrienationen für hohe Volatilität sorgen", sei Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams, überzeugt. "Durch dieses Umfeld zu navigieren, verlangt nach einem smarten Ansatz."

Nach Jahren einer übermäßig entgegenkommenden Geldpolitik scheine sich das Blatt zu wenden. Die Federal Reserve stehe kurz davor, die sich in ihrem Besitz befindenden 4,5 Billionen US-Dollar schweren Anleihen ab Oktober abzubauen. Im Dezember dürfte sie für die dritte von ihr verabschiedete Zinserhöhung dieses Jahres sorgen. Unter den anderen großen Zentralbanken habe die Bank of Canada die Zinsen bereits zweimal seit Juli erhöht, und auch die Bank of England bewege sich erstmals seit einem Jahrzehnt langsam in Richtung einer Erhöhung der Zinsen, um den Inflationsdruck abzukühlen. Darüber hinaus sei es wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank in Kürze ein Tapering ihres Anleihenkaufprogramms bestätigen werde, das im kommenden Jahr beginnen dürfte.

"Bei der Portfoliokonstruktion wird wahrscheinlich die genaue Positionierung auf der Zinskurve in den Mittelpunkt rücken", sage Quentin Fitzsimmons. "US-Anleihen mit langen Laufzeiten werden trotz des zunehmenden Drucks am kurzen Ende der Zinskurve stabil bleiben." Während die FED auf ihrem letzten Meeting für Klarheit über ihren Zinserhöhungszyklus gesorgt habe, habe sie ebenfalls ihren Ausblick auf die Terminal Rate - die Rate, bei der die Wirtschaft weder expandiert noch abflaut - von 3 Prozent auf 2,75 Prozent gesenkt.

Das Gegenteil könnte dem Experten zufolge auf Japan zutreffen, wo darüber spekuliert werde, dass die Bank of Japan ihre Käufe von Anleihen mit längeren Laufzeiten reduzieren könnte. Das könnte in einer steileren Kurve resultieren. In anderen Märkten dürften auch technische Faktoren, wie die Nachfrage heimischer Investoren, eine Rolle spielen. "Während Ende und Bauch der Zinskurve Großbritanniens im aktuellen Umfeld verletzlich ausschauen, gibt es für 50-jährige britische Staatsanleihen Unterstützung durch technische Faktoren", sage Fitzsimmons und füge an, dass die mögliche Nachfrage nach diesem Teil der Zinskurve den Zahlungsverpflichtungen von britischen Versicherungs- und Rentenanstalt nachkommen müsse.

Neben der Positionierung auf der Zinskurve bestehe ein weiterer Weg, um durch das gegenwärtige Umfeld zu navigieren, in der Auswahl von Ländern, die weniger anfällig für ein Umfeld der Zinserhöhung seien. In dieser Hinsicht rage Australien heraus. Denn obwohl dessen heimischer Anleihenmarkt nach Ansicht von Quentin Fitzsimmons wahrscheinlich eine Reaktion auf einen Abverkauf von US-Staatspapieren zeigen dürfte, sollte er schnell dazu zurückkehren, von den heimischen Fundamentaldaten getrieben zu werden, wenn sich der Markt beruhige. "Die in der Warteschleife stehende Reserve Bank of Australia wird die heimische Zinskurve gleich belassen", meine der Portfoliomanager.

Auch Israel sei Fitzsimmons zufolge ein mögliches Refugium für Zinsvolatilität. Weil es weniger Signale für eine Inflation der dortigen Wirtschaft gebe, dürfte die Israelische Zentralbank in absehbarer Zeit unverändert bleiben. Dennoch sehe es auch hier danach aus, als würde die Zinskurve hier einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie er von den Vereinigten Staaten verfolgt werde.

"Hieraus ergibt sich, dass die implizierte Steilheit der Zinskurve im gegenwärtigen Klima eine verlockende Gelegenheit schafft", erkläre Fitzsimmons. Ein anderer Markt, der das Potenzial be weniger mit den Hauptmärkten zu korrellieren, sei dem Experten zufolge Malaysia. "Die starke Investorenbasis in Malaysia sollte dabei helfen, die steigenden Gewinne nach oben zu begrenzen", so Fitzsimmons. Er füge hinzu, dass die Zinsvolatilität bei malaysischen Staatsanleihen im Allgemeinen niedriger sei.

Nichtsdestotrotz: Sollten Länder mit niedrigen Zinsen einfach abgetan werden? Nach Meinung des Portfoliomanagers könne das Investieren in niedrig rentierenden Märkten, in denen die Finanzierung günstig sei, trotz der Geldpolitik der dortigen Zentralbanken einen vergleichsweise attraktiven relativen Wert auf einer währungsbesicherten Basis bieten. "Schweden ist das perfekte Beispiel für ein Land, in dem wir weiterhin Werte finden, auch wenn Anleihen sehr hoch gehandelt werden", so Fitzsimmons. "Der positive Effekt, der sich aus der Währungssicherung ergibt, macht dies für US-Dollar-, Sterling- und Euro-Investoren attraktiv", füge er hinzu.

Weil die Zentralbanken versuchen würden, über den kniffligen Pfad einer wohl überlegten geldpolitischen Straffung zu schreiten, verlagere sich das Umfeld insgesamt weg von einer reinen Betrachtung der Laufzeit hin zu einer relativen Positionierung von Ländern sowie einer Zinskurven-Positionierung. Das Suchen nach einem Unterschlupf bei festverzinslichen Wertpapieren fühle sich gegenwärtig sehr wie eine aktive Position an. (27.11.2017/alc/a/a)