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Attraktive Renditen in Emerging Markets High Yield


26.04.21 12:00
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen des JP Morgan EMBI Global Diversified Total Return Index (Schwellenländer-Staatsanleihen) liegen derzeit bei 5,2 Prozent, die Renditen JP Morgan CEMBI Diversified Total Return Index (Unternehmensanleihen) bei 4,4 Prozent, so Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt, und Volker Kurr, Head of Europe Institutional bei Legal & General Investment Management.

Damit böten sie weiterhin einen deutlichen Aufschlag gegenüber den Renditen in den Industrieländern: Zehnjährige US-Renditen würden unter 1,7 Prozent notieren, japanische knapp über 0,10 Prozent. Die zehnjährigen europäischen Renditen lägen sogar im negativen Bereich, bei rund -0,30 Prozent.

Statt mit anderen Weltregionen würden sich Schwellenländer-Anleihen auch mit anderen festverzinslichen Anlageklassen vergleichen lassen. Beispiele: US High Yield: 5,3 Prozent; US Investmentgrade Corporates: um die drei Prozent; Euro Credit/Investmentgrade: unter 0,5 Prozent Rendite. Inzwischen belaufe sich der Gesamtbestand an Schuldtiteln mit negativer Rendite auf 13,5 Billionen US-Dollar.

Die Frage, ob die aktuellen Renditen in der festverzinslichen Anlageklasse die Anleger für das zugrunde liegende Risiko entschädigen oder ob sie der quantitativen Lockerung Rechnung tragen würden, betreffe also nicht spezifisch die Schwellenländer. Vielmehr böten sie aktuell das beste Risiko-Rendite-Verhältnis, da die Rating-Agenturen die oben genannten Indices für Staats- und Unternehmensanleihen der Schwellenländer, die man als Benchmark heranziehe, als Investmentgrade einstufen würden. Dies gelte umso mehr, als ihre Volkswirtschaften dieses Jahr und in absehbarer Zukunft schneller wachsen dürften als die Industrieländer - bei gerade einmal halb so hohem Schuldenstand. Damit hätten sie bessere Aussichten, den jüngsten Schuldenanstieg wieder in den Griff zu bekommen.

In der aktuellen Marktdynamik würden die Experten Schwellenländer-Hochzinsanleihen bevorzugen, weil sie einen noch größeren Puffer gegen starke Schwankungen böten. Sie würden profitieren, wenn sich das Wachstum erholt und Rohstoffpreise steigen würden. In der Zwischenzeit gebe es reichlich multilaterale Unterstützung, unter anderem durch den IWF und die G20. Es komme also darauf an, die richtigen Titel auszuwählen. Die Experten würden Länder bevorzugen, die ihre Wirtschaft nachdrücklich reformieren oder auf dem Weg zu einem IWF-Engagement sind und gleichzeitig von Reflation, Rohstoffpreisen und globalem Handel profitieren würden (Ukraine, Ägypten). Auch in Gabun und El Salvador würden die Aussichten auf ein IWF-Programm steigen, und damit könnte sich auch die Schuldnerqualität verbessern. Oman profitiere von einem Reformfokus und fiskalischen Konsolidierungsbemühungen unter einem neuen Sultan.

In Brasilien würden die Experten angesichts der hohen Schuldenlast, des wachsenden sozialen Drucks und der bevorstehenden Wahlen eher mit Sorge auf die fiskalische Dynamik schauen. In der Türkei könnten die jüngsten institutionellen Veränderungen einer verlässlichen Politik im Wege stehen, auf die es für makroökonomische Stabilität und Schuldentragfähigkeit ankomme. Russland schließlich punkte zwar mit politischer Stabilität, niedrigem Schuldenstand und hoher Schuldnerqualität bei Staatsanleihen, doch geopolitische Erwägungen und insbesondere das Risiko von Sanktionen würden den Experten weiterhin Sorgen machen. (26.04.2021/alc/a/a)