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Anleiherenditen im Aufwärtstrend - Wie lange kann der Trend noch anhalten?
08.04.22 10:15
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Renditen für Anleihen steigen, so Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam.
Sie seien seit Mitte 2020 im Aufwärtstrend. Dies sei mit dem Inflationsdruck infolge der Probleme in der CORONA-Lieferkette zusammengefallen. Danach habe sich der Anstieg allmählich beschleunigt, als sich die Wirtschaft und die Arbeitsmärkte erholt hätten. Wie lange werde dieser Trend anhalten? Würden die Anleihemärkte in naher Zukunft ein neues Gleichgewicht finden?
Anfänglich hätten die Zentralbanken den Inflationsdruck als vorübergehendes Problem heruntergespielt. Darin seien sich alle einig gewesen. In der Tat würden die Experten immer noch glauben, dass die Inflation von ihrem derzeitigen Höchststand aus zurückgehen werde. Das Problem sei, dass die Inflationsdynamik in der Aufschwung Phase nach der Corona-Pandemie sehr komplex geworden sei. Die große wirtschaftliche Volatilität in Verbindung mit noch nie dagewesenen geld- und fiskalpolitischen Impulsen habe eine genaue kurzfristige Vorhersage erschwert. Der ursprüngliche Plan der Zentralbanken habe darin bestanden, die Inflation durch die allmähliche Beseitigung von Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage zu normalisieren, anstatt eine aggressive Straffung vorzunehmen und die wirtschaftliche Erholung und den Arbeitsmarkt zu gefährden. Die Folgen des Ukraine-Krieges würden die Situation zusätzlich erschweren. Der Inflationsdruck sei gestiegen. Das Risiko größerer Zweitrundeneffekte und höherer Inflationserwartungen sei real geworden.
In den USA habe Jerome Powell nach seiner Wiederernennung zum FED-Vorsitzenden am 22. November 2021 einen Kurswechsel eingeleitet. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes habe die FED die Steuerung der Inflation zur einzigen wichtigen Priorität gemacht. Die EZB und andere Zentralbanken hätten eine ähnliche Haltung verfolgt.
In der Vergangenheit hätten die Märkte schnell auf Zinserhöhungen der FED gesetzt. Doch jedes Mal seien sie von einer FED überrascht worden, die sich letztlich eher zurückhaltend gezeigt habe. Dies sei mit Sicherheit in der Amtszeit von Janet Yellen der Fall gewesen. Der Markt habe sich darauf eingestellt, dass sich die FED zurückhaltender verhalten werde als erwartet.
Diesmal sei Powell vor dem Hintergrund der höheren Inflation fast noch aggressiver als der Markt. Der Markt hole auf. Wir befänden uns in einem Umfeld hoher Inflation, in dem die Zentralbanken darum kämpfen würden, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Eine solche Situation hätten wir seit 40 Jahren nicht mehr erlebt. Und damals seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Zentralbanken noch vollkommen anders gewesen. Daher habe der Markt keinen Referenzrahmen für die Preisbildung. Der Anleihemarkt befinde sich im Preisfindungsmodus.
Infolgedessen würden die Renditen steigen, und viele Renditekurven würden immer flacher.
Wie lange könne der Trend noch anhalten? Ein Sprichwort warne davor, ein fallendes Messer zu fangen. Aber zugegebenermaßen würden die höheren Renditen zu einer immer attraktiveren Investmentmöglichkeit.
Die Experten von Degroof Petercam sehen zwei Auslöser, die diesen Trend stoppen oder umkehren könnten:
- Der erste sei eine Änderung der Inflationsaussichten. Wie bereits gesagt, würden die Experten eine Normalisierung der Inflation auf ein niedrigeres Niveau aus rein technischen Gründen antizipieren. Die höheren Preissteigerungen im März und April letzten Jahres würden bald aus den Vorjahreszahlen verschwinden, was bald zu einem niedrigeren Inflationsdruck führen werde. Es sei denn, es gebe neue "einmalige" Ereignisse, die die Inflation wieder in die Höhe treiben würden. Man solle daran denken, dass die wahre Gefahr in einer wiederkehrenden Inflation bestehe, Jahr für Jahr. Im Moment würden die Experten diese Gefahr jedoch nicht sehen. Sobald sie mehr Gewissheit über den Inflationsverlauf hätten, würden sie auch den Zentralbankkurs und die Leitzinssätze klarer erkennen können. Dies setze voraus, dass es keine weiteren einmaligen Inflationsschübe gebe, die Zweitrundeneffekte begrenzt seien und die Inflationserwartungen stabil bleiben würden.
- Ein zweiter Auslöser, der einen Anstieg der Zinssätze verhindern könnte, seien eher technische Faktoren, da Käufer auftauchen würden, um diese Staatsanleihen auf einem attraktiveren Niveau zu erwerben. Die US-Renditen scheinen jedoch vorerst alle technischen Unterstützungsniveaus durchbrochen zu haben, was bestätigt, dass es dem Anleihemarkt derzeit an einem klaren Preisbildungsrahmen mangelt, so die Experten von Degroof Petercam. Es sei, als würde man ein fallendes Messer fangen.
In der Zwischenzeit ziehe man Sicherheitshandschuhe an. (08.04.2022/alc/a/a)
Sie seien seit Mitte 2020 im Aufwärtstrend. Dies sei mit dem Inflationsdruck infolge der Probleme in der CORONA-Lieferkette zusammengefallen. Danach habe sich der Anstieg allmählich beschleunigt, als sich die Wirtschaft und die Arbeitsmärkte erholt hätten. Wie lange werde dieser Trend anhalten? Würden die Anleihemärkte in naher Zukunft ein neues Gleichgewicht finden?
Anfänglich hätten die Zentralbanken den Inflationsdruck als vorübergehendes Problem heruntergespielt. Darin seien sich alle einig gewesen. In der Tat würden die Experten immer noch glauben, dass die Inflation von ihrem derzeitigen Höchststand aus zurückgehen werde. Das Problem sei, dass die Inflationsdynamik in der Aufschwung Phase nach der Corona-Pandemie sehr komplex geworden sei. Die große wirtschaftliche Volatilität in Verbindung mit noch nie dagewesenen geld- und fiskalpolitischen Impulsen habe eine genaue kurzfristige Vorhersage erschwert. Der ursprüngliche Plan der Zentralbanken habe darin bestanden, die Inflation durch die allmähliche Beseitigung von Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage zu normalisieren, anstatt eine aggressive Straffung vorzunehmen und die wirtschaftliche Erholung und den Arbeitsmarkt zu gefährden. Die Folgen des Ukraine-Krieges würden die Situation zusätzlich erschweren. Der Inflationsdruck sei gestiegen. Das Risiko größerer Zweitrundeneffekte und höherer Inflationserwartungen sei real geworden.
In den USA habe Jerome Powell nach seiner Wiederernennung zum FED-Vorsitzenden am 22. November 2021 einen Kurswechsel eingeleitet. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes habe die FED die Steuerung der Inflation zur einzigen wichtigen Priorität gemacht. Die EZB und andere Zentralbanken hätten eine ähnliche Haltung verfolgt.
In der Vergangenheit hätten die Märkte schnell auf Zinserhöhungen der FED gesetzt. Doch jedes Mal seien sie von einer FED überrascht worden, die sich letztlich eher zurückhaltend gezeigt habe. Dies sei mit Sicherheit in der Amtszeit von Janet Yellen der Fall gewesen. Der Markt habe sich darauf eingestellt, dass sich die FED zurückhaltender verhalten werde als erwartet.
Infolgedessen würden die Renditen steigen, und viele Renditekurven würden immer flacher.
Wie lange könne der Trend noch anhalten? Ein Sprichwort warne davor, ein fallendes Messer zu fangen. Aber zugegebenermaßen würden die höheren Renditen zu einer immer attraktiveren Investmentmöglichkeit.
Die Experten von Degroof Petercam sehen zwei Auslöser, die diesen Trend stoppen oder umkehren könnten:
- Der erste sei eine Änderung der Inflationsaussichten. Wie bereits gesagt, würden die Experten eine Normalisierung der Inflation auf ein niedrigeres Niveau aus rein technischen Gründen antizipieren. Die höheren Preissteigerungen im März und April letzten Jahres würden bald aus den Vorjahreszahlen verschwinden, was bald zu einem niedrigeren Inflationsdruck führen werde. Es sei denn, es gebe neue "einmalige" Ereignisse, die die Inflation wieder in die Höhe treiben würden. Man solle daran denken, dass die wahre Gefahr in einer wiederkehrenden Inflation bestehe, Jahr für Jahr. Im Moment würden die Experten diese Gefahr jedoch nicht sehen. Sobald sie mehr Gewissheit über den Inflationsverlauf hätten, würden sie auch den Zentralbankkurs und die Leitzinssätze klarer erkennen können. Dies setze voraus, dass es keine weiteren einmaligen Inflationsschübe gebe, die Zweitrundeneffekte begrenzt seien und die Inflationserwartungen stabil bleiben würden.
- Ein zweiter Auslöser, der einen Anstieg der Zinssätze verhindern könnte, seien eher technische Faktoren, da Käufer auftauchen würden, um diese Staatsanleihen auf einem attraktiveren Niveau zu erwerben. Die US-Renditen scheinen jedoch vorerst alle technischen Unterstützungsniveaus durchbrochen zu haben, was bestätigt, dass es dem Anleihemarkt derzeit an einem klaren Preisbildungsrahmen mangelt, so die Experten von Degroof Petercam. Es sei, als würde man ein fallendes Messer fangen.
In der Zwischenzeit ziehe man Sicherheitshandschuhe an. (08.04.2022/alc/a/a)


