Anleihenmarkt: Griechenland sorgt für Kursbewegung


07.12.12 14:49
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Griechische Tragödie nächster Teil, kommentiert die Baader Bank das Geschehen am Anleihemarkt der vergangenen Handelstage, so die Deutsche Börse AG.

Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft sehe das hochverschuldete Euroland in dieser Woche einmal wieder im Fokus der Märkte: "Griechenland hat mit seinem Rückkaufangebot für eigene Staatsanleihen Bewegung in den Markt gebracht und die Anleger nutzten dies klar zum Verkauf", berichte der Market Maker. Arthur Brunner von ICF Kursmakler bestätige: "Hier wollen alle raus."

Im Rahmen eines 10 Milliarden Euro schweren Rückkaufprogramms habe Griechenland den Investoren in dieser Woche für die Bonds mit Laufzeiten von 2023 bis 2042 im Schnitt 34 Prozent des Nominalwertes geboten. "Die Ankündigung dieses Angebots hat erst einmal für Kurssteigerungen gesorgt, die dann einsetzende Verkaufswelle drückte die Kurse dann aber zeitweise unter den Angebotspreis", berichte Brunner.

Aus Sicht der Händler hätten unter anderem Warnungen von Anlegerschutzvereinigungen, die ihren Mitgliedern empfohlen hätten, nicht auf das Angebot einzugehen, für den Verkaufsdruck in den griechischen Staatspapieren gesorgt. "Nachdem etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, DSW, vor einer Beteiligung an dem Rückkaufangebot gewarnt hat, zogen viele die Reißleine", wisse Daniel. Unter anderem habe die DSW davor gewarnt, dass Anleger die Klageberechtigung gegen den - teilweise unfreiwilligen - Schuldenschnitt Griechenlands im Falle eines Verkaufs verlieren könnten.

"Das Angebot mag ja mit Blick auf die aktuellen Kurse attraktiv erscheinen, aber es dürfte vielen Anlegern wie der blanke Hohn vorkommen, hatten sie doch bereits im März auf 70 Prozent ihres angelegten Kapitals verzichtet. Man stelle sich mal vor, dass ein Schuldner zu seiner Hausbank geht und vorschlägt: Ich zahle 35 Prozent meiner Schulden zurück und dann sind wir quitt", merke Klaus Stopp von der Baader Bank zu dem Angebot der Griechen an und ergänze, dass es zudem ein Irrtum sei zu glauben, dass dem Anleger bei Annahme des Rückkaufangebots sein Geld zurücküberwiesen werde. "Stattdessen werden ihm Zerobonds mit sechsmonatiger Laufzeit vom EFSF ins Depot eingebucht. Die Banken werden sich sicherlich mit entsprechenden Gebühren bei den Privatinvestoren 'bedanken'", erkläre Stopp.

Neben Griechenland habe in dieser Woche mit Spanien noch ein weiteres Euro-Sorgenkind im Rampenlicht gestanden: "Bei einer Auktion von drei- bis zehnjährigen Staatsanleihen musste Spanien am Mittwoch zwar niedrigere Zinsen zahlen als bei der vorangegangenen Auktion. Das Land konnte statt dem anvisierten Volumen von 4,5 Milliarden Euro jedoch nur 4,25 Milliarden am Markt unterbringen. Das hat einige Anleger verstört", erläutere Brunner. Der Markt frage sich nun vor allem, ob es Spanien ohne Hilfsantrag bei der EU gelingen werde, den Finanzierungsbedarf im kommenden Jahr von rund 110 Milliarden Euro zu decken.

Für die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen sei es vom Jahrestief bei 5,21 Prozent am Montag im Gefolge der Auktion auf aktuell 5,5 Prozent aufwärts gegangen. "Die in diesem Jahr erreichten Höchststände von um die 7,5 Prozent sind dank der Beruhigung von Seiten der EZB damit zwar noch in weiter Ferne, die Probleme sind damit aber noch lange nicht gelöst", zeige sich Brunner skeptisch. So hätten die zahlreichen Sparmaßnahmen in den Euro-Krisenländern die Arbeitslosigkeit in "auf Dauer nicht tragbare" Höhen getrieben. "Das Schiff der Wirtschaft muss wieder in Gang gesetzt werden - nur Sparen ist auf Dauer keine Lösung", meine der Händler.

Der vermeintlich sichere deutsche Anleihehafen profitiere nach Auskunft der Händler indes von den erneuten Verwerfungen in der Euro-Peripherie und dem anhaltenden Fiskalstreit in den USA. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen hätten in dieser Woche ein Allzeittief bei 1,287 Prozent markiert. Aktuell liege die Rendite noch bei 1,299 Prozent. Das Rentenbarometer Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag bei 1,56 Prozent, verglichen mit knapp 1,43 Prozent am vergangenen Freitag.

"Hier zeigt sich ganz deutlich, dass der Markt aktuell zweigeteilt ist: Auf der Aktienseite herrscht angesichts günstiger Notierungen und der Geldschwemmen der Notenbanken Optimismus, während man auf der Rentenseite ganz klar sieht, dass die Krise weiter läuft", kommentiere Brunner.

Von den Corporate Bonds sorge laut Brunner die Erstnotiz einer Anleihe der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft - die so genannte "Traumschiff-Anleihe" - für Aufsehen am Markt. "Die Zeichnung ist eigentlich ganz gut gelaufen. Nach einem Ausgabepreis von 100 lag die Erstnotiz heute Morgen bei 96 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 94 - kein besonders erfolgreiches Geschäft für die Anleger", fasse der Market Maker zusammen.

Daniel mache in erster Linie Spekulanten für den Ausverkauf verantwortlich: "Nachdem zuletzt einige Zeichnungen im Mittelstandsegment überzeichnet waren, hatte hier wohl so mancher auf einen Zeichnungsgewinn gehofft. Da MS Deutschland statt der geplanten 60 Millionen Euro aber nur 50 Millionen an den Mann gebracht hat, haben schwache Hände wohl die Reißleine gezogen." Die Anleihe habe eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Kupon betrage 6,875 Prozent. (07.12.2012/alc/a/a)






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