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Anleihenmarkt der Blick geht nach Norden


05.10.11 14:07
Berenberg Bank

Hamburg (anleihencheck.de) - Viele Staaten in Europa befinden sich am Rande der monetären Belastungsgrenze und können ihre ausufernde Schuldensituation kaum noch aus eigener Kraft bewältigen, so die Analysten der Berenberg Bank.

Völlig gegensätzlich zum südlichen Teil Europas würden unsere nordischen Nachbarstaaten dagegen mit soliden Fundamentaldaten und steigenden Bruttoinlandsprodukten aufwarten. Diese Tatsache werde an den Kapitalmärkten wohlwollend zur Kenntnis genommen. Besonders aussagekräftig sei in diesem Zusammenhang die Bewertung der Ausfallrisiken von Staatsanleihen, gemessen in so genannten 5Y-Credit Default Swaps (CDS).

CDS seien Kreditderivate, denen wiederum die Ausfallwahrscheinlichkeiten zugrunde liegen würden. Je höher der CDS, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass Staatsanleihen nicht zurückgezahlt würden. Während der 5Y-CDS von Griechenland aktuell bei über 5.500 Basispunkten (bps) notiere und der von der Bundesrepublik Deutschland bei knapp über 100 bps, würden die Risiken von norwegischen und schwedischen Anleihen bei einem CDS von 50 bis 60 bps liegen.

Gerade in Norwegen würden eine solide Schuldenpolitik und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum die Basis einer solch positiven Markteinschätzung bilden. Norwegen verfüge weiterhin noch über große Erdöl- und Erdgasvorkommen. Diese Bestände könnten nahezu vollständig exportiert werden, denn die im Land benötigte Energie würden die heimischen Wasserkraftwerke liefern. Für 2011 werde hier mit einem BIP-Wachstum von 2,6% gerechnet.

Die Verschuldung Norwegens belaufe sich auf nur 47,7% des BIP, und die Arbeitslosenquote liege bei 3,4%. In Zeiten schwindenden Vertrauens in etablierte (europäische) Währungen hätten viele Anleger die Norwegische Krone als sicheren Hafen ausgemacht und dort investiert. Entsprechend sei der Wechselkurs in Relation zum Euro kräftig gestiegen. Dennoch bleibe, auch wenn das derzeitige Aufwärtsniveau vorerst begrenzt erscheine, die norwegische Währung durchaus attraktiv.

Nicht zuletzt auch, weil die andere als "sicherer Hafen" geltende europäische angesehene Währung, der Schweizer Franken, durch das kürzlich erfolgte CHF/EUR-Fixing an Strahlkraft verloren habe. Vielmehr sei das Zinsniveau in Norwegen auch deutlich höher als in der Schweiz. Die norwegische Key Policy Rate quotiere bei 2,25%. Die gegenwärtigen Festgeldzinssätze für Anlagen in Norwegischen Kronen würden, je nach Laufzeit, aktuell zwischen 2,5% und 3% liegen.

Zwar sei der gesamte norwegische Anleihenmarkt mit einem Gegenwert von ca. 220 Mrd. EUR vergleichsweise klein, jedoch sei die Liquidität der Anleihen in den meisten Fällen gegeben. Bei Staatsanleihen hätten Investoren allerdings wenig Auswahl. Das Land habe einen zu geringen Bedarf, um sich an den Kapitalmärkten umfangreich refinanzieren zu müssen. Auch Pfandbriefinvestments würden nur wenige Opportunitäten bieten. Das Segment existiere in Norwegen erst seit 2007 und handle nur geringe Volumina. Es gebe jedoch eine Reihe von Unternehmensanleihen erstklassiger Emittenten mit hoher Liquidität und somit guter Handelbarkeit.

Für Anleger empfehle es sich somit, den Blick auf ausgewählte Unternehmensanleihen zu fokussieren und hierbei Emittenten und Laufzeiten zu diversifizieren. Auch hier seien Investments immer mit einem Risiko verbunden, jedoch biete der Markt ausreichend Möglichkeiten, in AAA-Bonitäten zu investieren. Ebenfalls aussichtsreich könnten in diesem Zusammenhang so genannte Norwegian Bond Funds sein, die bereits eine Selektion verschiedener Anleihen darstellen würden. Ein Anleiheninvestment in Norwegischen Kronen stelle sicherlich eine Lösung im Prozess europäischer Portofolio-Diversifikation dar, jedoch müsse neben der Währungschance auch das Emittenten- und Währungsrisiko berücksichtigt werden. (05.10.2011/alc/a/a)