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"Die Anleihenblase wird 2018 wohl nicht platzen"
21.12.17 12:30
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Investoren haben sich an die expansive Geldpolitik gewöhnt, so Nicolas Forest, Head of Fixed Income Management bei Candriam.
Nach Jahren der Nullzinsen und Wertpapierkäufe bleibe abzuwarten, ob die Anleihemärkte einbrechen würden, wenn sich die Geldpolitik normalisiere. "Früher litten Anleihen vor allem unter zwei Entwicklungen: Einem plötzlichen Inflationsanstieg oder einer Straffung der Geldpolitik", sage Nicolas Forest. So sei es 1995, 1999, 2004 und 2010 gewesen, als mindestens eine der beiden Bedingungen erfüllt gewesen sei. "2013, als sich die Inflation in Grenzen hielt, hat zweifellos eine Straffung der Geldpolitik den Kurseinbruch ausgelöst."
Momentan komme die Inflation kaum an das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbanken heran. Das Problem scheint strukturell, da trotz fallender Arbeitslosigkeit die Löhne kaum steigen und die Notenbanken entschlossen scheinen, ihre expansive Geldpolitik allmählich zurückzufahren, so die Experten von Candriam. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibe allerdings vorsichtig und setze ihr Quantitative Easing fort.
Jerome Powell, der designierte neue Vorsitzende der FED, mahne bei Zinserhöhungen zur Zurückhaltung. "Eine maßvolle Straffung der Geldpolitik bei niedriger Inflation dürfte nicht zu einem Einbruch der Anleihemärkte führen, doch die Notenbanken werden die Liquidität zweifellos verringern", füge Nicolas Forest hinzu. 2018 werde es auf die Fundamentalanalyse ankommen - und darauf, ob man emittentenspezifische Risiken erkenne. In den nächsten Jahren werde ein flexibles und selektives Anleihemanagement unverzichtbar sein.
Der aktuelle Aufschwung sei einer der drei längsten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und er dürfte nach der Abstimmung über Trumps Steuerplan weitergehen. Die Märkte würden für 2018 aber nicht mit mehr als zwei Zinserhöhungen rechnen, während Candriam mindestens drei Zinsschritte erwarte. Die amerikanische Zinsstrukturkurve dürfte daher noch flacher werden. Mit der Zustimmung zum Steuerreformprojekt könnten sich auch die Inflations- und Wachstumsdynamik ändern. Inflationsindexierte Anleihen könnten dann attraktiver werden.
In Europa hätten sich die politischen Risiken 2017 in Grenzen gehalten, nachdem in den Niederlanden und Frankreich europafreundliche Parteien gewählt worden seien. Gerade erst habe sich der Euroraum gegenüber den katalanischen Separatisten einig gezeigt, und die künftige Regierung in Deutschland dürfte Stabilität garantieren. Aus ökonomischer Sicht sollte die Inflation bei einem Wachstum von mehr als zwei Prozent allmählich zulegen. In diesem Zusammenhang werde die EZB ihre Wertpapierkäufe im Januar (bis September) auf 30 Milliarden Euro monatlich halbieren und sie Ende 2018 ganz beenden. Die erste Leitzinserhöhung sei für die zweite Jahreshälfte 2019 zu erwarten. Die deutschen Zehnjahresrenditen könnten im kommenden Jahr dann auf 0,9 Prozent steigen, sodass die Experten diese Titel untergewichten würden. Peripherieländerstaatsanleihen dürften hingegen von besseren Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen profitieren. Hier würden die Experten 2018 interessante Ertragschancen sehen.
Der Wachstumsunterschied zwischen den USA und dem Euroraum sowie das geringere Leistungsbilanzdefizit veranlasse Candriam, den Euro gegenüber dem US-Dollar zu bevorzugen; der faire Wechselkurs sollte demnach 1,25 betragen. Außerdem könnten die politischen Risiken in den USA zunehmen und den US-Dollar verlustanfälliger machen. Die Allianz zwischen Macron und Merkel könnte hingegen das Vertrauen in Europa stärken, sodass der Euro bei höherer Marktvolatilität zu einer attraktiven Währung werden könne.
Nach zwei Jahren mit sehr guter Wertentwicklung würden die Emerging Markets noch immer von den sich bessernden Fundamentaldaten profitieren. In vielen Ländern habe das Wachstum angezogen, sodass die Leistungsbilanzdefizite geschrumpft seien. Mit Renditen von fünf Prozent für Fremdwährungsanleihen und sechs Prozent für Lokalwährungstitel würden Emerging-Market-Anleihen attraktiv bewertet bleiben.
Trotz des guten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes würden für Emerging-Market-Anleihen 2018 einige Risiken bleiben. In vielen Ländern stünden Wahlen an, unter anderem in Südafrika und vielen lateinamerikanischen Staaten. "Die Fundamentaldaten sind gut, doch es gibt externe Risiken. 2018 sollten Anleger wählerisch sein. Wer in die Emerging-Market-Anleihen investiert, benötigt einen aktiven Ansatz. Um Performance zu erzielen, muss man Risiken kontrollieren und auf Bewertungsdifferenzen setzen", füge Nicolas Forest hinzu. Wichtig sei, dass das Emerging-Market-Anleiheuniversum überwiegend in US-Dollar denominiert sei, die Investoren aber meist in Europa leben würden. Sie müssten daher Währungsrisiken absichern.
Die Spätphase des Kreditzyklus, die fallenden Risikoprämien und die geringere Liquiditätszufuhr der Notenbanken hätten Candriam schon zum Jahresende zu einer konservativen Positionierung in Unternehmensanleihen veranlasst. Amerikanische Investmentgrade-Emittenten seien hoch verschuldet, höher noch als die europäischen - und das erstmals seit zehn Jahren. Außerdem werde sich die durchschnittliche Kreditqualität in den USA verschlechtern, während die Ratings in Europa angehoben würden. Die Experten würden daher weiter den Bankensektor bevorzugen, wegen seiner attraktiven Bewertungen und der besseren Fundamentaldaten. Die steigende Qualität der Aktiva, ihre bessere Liquidität und die steilere Zinsstrukturkurve im Euroraum würden den Gewinnen der Banken nützen. Angesichts der hervorragenden Wertentwicklung nachrangiger Anleihen in den letzten Jahren halte Candriam eine gründliche und strenge Analyse nach Kapitalklassen für entscheidend, um aus dem Anlageuniversum die attraktivsten Titel auszuwählen und Fallstricke zu vermeiden. (21.12.2017/alc/a/a)
Nach Jahren der Nullzinsen und Wertpapierkäufe bleibe abzuwarten, ob die Anleihemärkte einbrechen würden, wenn sich die Geldpolitik normalisiere. "Früher litten Anleihen vor allem unter zwei Entwicklungen: Einem plötzlichen Inflationsanstieg oder einer Straffung der Geldpolitik", sage Nicolas Forest. So sei es 1995, 1999, 2004 und 2010 gewesen, als mindestens eine der beiden Bedingungen erfüllt gewesen sei. "2013, als sich die Inflation in Grenzen hielt, hat zweifellos eine Straffung der Geldpolitik den Kurseinbruch ausgelöst."
Momentan komme die Inflation kaum an das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbanken heran. Das Problem scheint strukturell, da trotz fallender Arbeitslosigkeit die Löhne kaum steigen und die Notenbanken entschlossen scheinen, ihre expansive Geldpolitik allmählich zurückzufahren, so die Experten von Candriam. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibe allerdings vorsichtig und setze ihr Quantitative Easing fort.
Jerome Powell, der designierte neue Vorsitzende der FED, mahne bei Zinserhöhungen zur Zurückhaltung. "Eine maßvolle Straffung der Geldpolitik bei niedriger Inflation dürfte nicht zu einem Einbruch der Anleihemärkte führen, doch die Notenbanken werden die Liquidität zweifellos verringern", füge Nicolas Forest hinzu. 2018 werde es auf die Fundamentalanalyse ankommen - und darauf, ob man emittentenspezifische Risiken erkenne. In den nächsten Jahren werde ein flexibles und selektives Anleihemanagement unverzichtbar sein.
In Europa hätten sich die politischen Risiken 2017 in Grenzen gehalten, nachdem in den Niederlanden und Frankreich europafreundliche Parteien gewählt worden seien. Gerade erst habe sich der Euroraum gegenüber den katalanischen Separatisten einig gezeigt, und die künftige Regierung in Deutschland dürfte Stabilität garantieren. Aus ökonomischer Sicht sollte die Inflation bei einem Wachstum von mehr als zwei Prozent allmählich zulegen. In diesem Zusammenhang werde die EZB ihre Wertpapierkäufe im Januar (bis September) auf 30 Milliarden Euro monatlich halbieren und sie Ende 2018 ganz beenden. Die erste Leitzinserhöhung sei für die zweite Jahreshälfte 2019 zu erwarten. Die deutschen Zehnjahresrenditen könnten im kommenden Jahr dann auf 0,9 Prozent steigen, sodass die Experten diese Titel untergewichten würden. Peripherieländerstaatsanleihen dürften hingegen von besseren Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen profitieren. Hier würden die Experten 2018 interessante Ertragschancen sehen.
Der Wachstumsunterschied zwischen den USA und dem Euroraum sowie das geringere Leistungsbilanzdefizit veranlasse Candriam, den Euro gegenüber dem US-Dollar zu bevorzugen; der faire Wechselkurs sollte demnach 1,25 betragen. Außerdem könnten die politischen Risiken in den USA zunehmen und den US-Dollar verlustanfälliger machen. Die Allianz zwischen Macron und Merkel könnte hingegen das Vertrauen in Europa stärken, sodass der Euro bei höherer Marktvolatilität zu einer attraktiven Währung werden könne.
Nach zwei Jahren mit sehr guter Wertentwicklung würden die Emerging Markets noch immer von den sich bessernden Fundamentaldaten profitieren. In vielen Ländern habe das Wachstum angezogen, sodass die Leistungsbilanzdefizite geschrumpft seien. Mit Renditen von fünf Prozent für Fremdwährungsanleihen und sechs Prozent für Lokalwährungstitel würden Emerging-Market-Anleihen attraktiv bewertet bleiben.
Trotz des guten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes würden für Emerging-Market-Anleihen 2018 einige Risiken bleiben. In vielen Ländern stünden Wahlen an, unter anderem in Südafrika und vielen lateinamerikanischen Staaten. "Die Fundamentaldaten sind gut, doch es gibt externe Risiken. 2018 sollten Anleger wählerisch sein. Wer in die Emerging-Market-Anleihen investiert, benötigt einen aktiven Ansatz. Um Performance zu erzielen, muss man Risiken kontrollieren und auf Bewertungsdifferenzen setzen", füge Nicolas Forest hinzu. Wichtig sei, dass das Emerging-Market-Anleiheuniversum überwiegend in US-Dollar denominiert sei, die Investoren aber meist in Europa leben würden. Sie müssten daher Währungsrisiken absichern.
Die Spätphase des Kreditzyklus, die fallenden Risikoprämien und die geringere Liquiditätszufuhr der Notenbanken hätten Candriam schon zum Jahresende zu einer konservativen Positionierung in Unternehmensanleihen veranlasst. Amerikanische Investmentgrade-Emittenten seien hoch verschuldet, höher noch als die europäischen - und das erstmals seit zehn Jahren. Außerdem werde sich die durchschnittliche Kreditqualität in den USA verschlechtern, während die Ratings in Europa angehoben würden. Die Experten würden daher weiter den Bankensektor bevorzugen, wegen seiner attraktiven Bewertungen und der besseren Fundamentaldaten. Die steigende Qualität der Aktiva, ihre bessere Liquidität und die steilere Zinsstrukturkurve im Euroraum würden den Gewinnen der Banken nützen. Angesichts der hervorragenden Wertentwicklung nachrangiger Anleihen in den letzten Jahren halte Candriam eine gründliche und strenge Analyse nach Kapitalklassen für entscheidend, um aus dem Anlageuniversum die attraktivsten Titel auszuwählen und Fallstricke zu vermeiden. (21.12.2017/alc/a/a)


