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Anleihen: Das wirkliche Risiko an den globalen Märkten von heute


18.02.19 12:15
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch wenn sich einige Beobachter womöglich sorgen, dass der aktuelle weltweite Konjunkturzyklus auf sein Ende zusteuern könnte, sieht Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro von Franklin Templeton, die momentan zu beobachtende Verlangsamung des Wachstums als zyklische konjunkturelle Abschwächung - und nicht als das Ende des Zyklus.

Was Michael Hasenstab größere Sorgen bereite, sei die politische Anfälligkeit, die er in der heutigen Weltwirtschaft erkenne. Hasenstab zufolge stelle die zunehmende Fragmentierung der Welt aufgrund populistischer politischer Tendenzen ein ernsthaftes Problem dar.

Michael Hasenstab werde häufig gefragt, wo er die größten Risiken innerhalb der Weltwirtschaft sehe. Heute würde er sagen, dass dies die extreme politische Landschaft sei, die in vielen Teilen der Welt vorherrsche. Zunehmende Frustration aufgrund von Faktoren wie etwa Immigration und Einkommensungleichheit habe dem Populismus Auftrieb verliehen - sowohl am linken als auch am rechten Ende des Spektrums. Dies könne eine äußerst gefährliche und fiskalpolitisch unhaltbare Wirtschaftspolitik nach sich ziehen. Diese populistische Politik verspreche kurzfristig sehr viel, sei auf lange Sicht jedoch nicht tragbar. Stattdessen könne sie Regierungen eine enorme Schuldenlast aufbürden.

Man habe eine solche Dynamik immer wieder beobachten können. In den USA haben wir Handelsspannungen mit China und die Unfähigkeit des Kongresses, einen Haushalt zu verabschieden, so die Experten von Franklin Templeton. Die Streitigkeiten im Vereinigten Königreich im Zusammenhang mit dem Brexit und dem Umgang mit diesem Thema würden ein weiteres Beispiel liefern. Und dann sei da noch die zunehmende Beliebtheit von Parteien, die gegen die Europäische Union und das Establishment ankämpfen würden, sei es in Deutschland, Italien oder Belgien, oder auch die Ablehnung der von Präsident Emmanuel Macron vorgestellte Vision eines integrierten Europas durch die Franzosen.

Was Michael Hasenstab Sorgen bereite, sei die Tatsache, dass es in einer zunehmend fragmentierten Welt, in der sich zahlreiche Länder nach innen orientieren würden, schwierig sein werde, einen potenziellen weltweiten Schock in den Griff zu bekommen. Es werde immer schwieriger werden, eine koordinierte politische Reaktion zu erzielen, wie sie beispielsweise unter den weltweiten Zentralbanken stattgefunden habe, um die globale Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 hinter uns zu lassen.

Das globale Wachstum und die US-Wirtschaft scheinen sich in einem zyklischen Abschwung zu befinden, so die Experten von Franklin Templeton. Die Experten würden jedoch nicht davon ausgehen, dass dies das Ende des Zyklus sein werde. China habe in den vorangegangenen Quartalen seine Produktionspläne beschleunigt, um potenziellen Zollerhöhungen, die ursprünglich für den 1. Januar angesetzt gewesen seien, zuvor zu kommen. Inzwischen sei dieses Tempo wieder gedrosselt worden, sodass das Land auf ein niedrigeres Produktionsvolumen zurückgekehrt sei - ein Effekt, der sich auch in anderen Ländern bemerkbar mache.

Die Experten von Franklin Templeton würden nicht glauben, dass den USA oder der Weltwirtschaft eine Rezession unmittelbar bevorstehe. Nachdem zahlreiche Anreizmaßnahmen umgesetzt worden seien, insbesondere in den USA, lasse sich bei der Investitionsdynamik teilweise eine Abkühlung beobachten. Aber im Hinblick auf die US-Wirtschaft kann nicht von einer starken Überhitzung die Rede sein: Wir haben keine Überinvestitionen und keinen Aufbau von Überkapazitäten beobachtet, die durch eine Rezession bereinigt werden müssten, so die Experten von Franklin Templeton. Alles in allem sähen die Experten keine wirtschaftlichen Bedingungen, die auf eine massive Rezession hindeuten würden, sofern es nicht zu gravierenden Schocks an den Finanzmärkten komme.

Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir uns 2019 von dem synchronisierten globalen Wachstum der jüngsten Jahre hin zu einem von den USA angeführten Wachstum verlagern werden, so die Experten von Franklin Templeton. Die US-Wirtschaft zeichne sich derzeit auch weiterhin vor allem durch einen außerordentlich straffen Arbeitsmarkt aus. Die USA hätten das Niveau der Vollbeschäftigung überschritten, während gleichzeitig sowohl die legale als auch die illegale Einwanderung durch die aktuelle Regierung eingeschränkt worden seien. Dies sollte üblicherweise zur Folge haben, dass die Löhne aufwärts tendieren würden - und genau das habe man auch beobachten können. Höhere Löhne würden wiederum den Konsum stützen, der die treibende Kraft für die US-Konjunktur darstelle. Die Experten würden davon ausgehen, dass starke Arbeitsmärkte, steigende Löhne und ein robuster Konsum der US-Wirtschaft 2019 weiteres Wachstum bescheren würden.

Chinas Rolle in der Welt verändere sich nach Einschätzung der Experten von Franklin Templeton derzeit grundlegend, wobei die nach innen gerichtete Außenpolitik der USA dazu beitrage, diesen Wandel voranzutreiben. Auch wenn sich das Wachstum in China verlangsame, seien die Experten der Meinung, dass das Land über die finanzpolitischen Instrumente verfüge, um eine starke Konjunktureintrübung zu verhindern, sofern exogene Finanzschocks ausbleiben würden. In Anbetracht dessen halten wir das Szenario einer unmittelbar bevorstehenden harten Landung in China, vor der sich alle zu fürchten scheinen, für unwahrscheinlich, so die Experten von Franklin Templeton.

Dieses veränderte Umfeld schaffe eine neue Dynamik und ein wirtschaftliches Vakuum für bestimmte Länder in Lateinamerika, Afrika und Asien. China mache sich daran, diese Lücke zu schließen und in Ländern, die von den USA abgeschottet worden seien, eine wichtigere Rolle zu übernehmen. Dies betreffe insbesondere Länder, bei denen die USA nicht gewillt gewesen seien, finanzielle Unterstützung zu bieten. Daher würden die Experten davon ausgehen, dass der wirtschaftliche Einfluss Chinas in der Welt zunehmen werde.

Angesichts dieses komplexen globalen Umfelds würden sich die Experten von Franklin Templeton auf die Fiskal-, Wirtschafts- und Sozialpolitik einzelner Länder konzentrieren, da diese die wirtschaftlichen Aktivitäten unserer Einschätzung nach letztendlich bestimmen werde. Die große Frage, die sich stelle: Gelinge es einem Land, eine kurzsichtige populistische Politik abzulehnen und stattdessen eine längerfristige Vision zu verfolgen? Für Länder, die hierzu in der Lage seien, würden sich aus Sicht der Experten erhebliche Chancen eröffnen. Zwei Beispiele hierfür seien Argentinien und Brasilien, wo die Regierungen trotz des anhaltenden politischen Drucks und der jüngsten Abverkäufe in den Schwellenländern eine verantwortungsbewusste und orthodoxe Politik verfolgen würden. Die Experten seien davon überzeugt, dass ein Engagement in ausgewählten Schwellenländern für die Diversifizierung eines Portfolios sehr wichtig sei, da seine Wertentwicklung stärker vom Alpha eines einzelnen Landes und weniger vom Beta des breiten Marktes abhänge. (Ausgabe vom 12.02.2019) (18.02.2019/alc/a/a)