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Anleihen: Der richtige Krisenindikator?


12.04.16 08:47
Der Anlegerbrief

Krefeld (www.anleihencheck.de) - Die US-Märkte haben sich in den letzten Wochen in einem Ausnahmezustand befunden - Aktien und Anleihen sind gleichzeitig gestiegen, so die Experten von "Der Anlegerbrief".

Das passe eigentlich nicht so recht zu den Rahmenbedingungen, einer der beiden Segmente müsste eigentlich vor einer Korrektur stehen. Die Experten von "Der Anlegerbrief" haben einen klaren Favoriten.

Die Deflationsgefahr sei nicht gebannt, das lasse sich deutlich an der Umlaufrendite in Deutschland ablesen. Diese liege wieder bei 0%, das Anleihen-Crash-Szenario, dass die Anleger im letzten Sommer kurzzeitig umgetrieben habe, sei längst wieder vom Tisch. Stattdessen würden sich die Sorgen eher um die Frage drehen, ob die EZB im Kampf gegen die Deflationstendenzen im Euroraum versagen könnte. Eine Abwärtsspirale à la Japan könnte das wackelige Eurogebilde endgültig zum Kippen bringen. Entsprechend massiv greife die Notenbank in die Märkte ein, was die Hausse bei Anleihen natürlich zusätzlich gestützt habe. Denn die EZB sei ein massiver zusätzlicher Player am Markt. Das angestrebte Ziel einer Reflationierung der Eurozone scheine dennoch nach wie vor in weiter Ferne.

Die USA scheinen einem wirtschaftlichen Normalzustand deutlich näher, so die Experten von "Der Anlegerbrief". Die FED versuche, sich langsam von der Phase der 0-Zinsen zu verabschieden, nachdem die Wirtschaft in den letzten Jahren ein ordentliches Trendwachstum hingelegt habe und die Arbeitslosigkeit dabei spürbar reduziert worden sei. Aktuell stottere allerdings der Motor, das erste Quartal könnte erneut enttäuschend ausfallen. Dementsprechend würden derzeit die zehnjährigen US-Staatsanleihen haussieren, die Marktrendite der Papiere sei seit Jahresbeginn von 2,27% auf aktuell 1,72% gefallen.

Im Jahresausblick der Experten hätten US-Staatsanleihen zu ihren Favoriten für 2016 gezählt, bislang würden sie sich durch die positive Kursentwicklung (und die vice versa fallenden Renditen) bestätigt fühlen. Die starke Entwicklung des US-Aktienmarktes wolle dazu nicht so recht passen. Die Experten würden davon ausgehen, dass zuletzt viele Anleger in den sicheren Hafen Wall Street geflüchtet seien, dass damit aber die überfällige Korrektur nur verzögert worden sei. Anleihen deuten auf eine schwache wirtschaftliche Dynamik hin und scheinen zumindest in Übersee und auf Sicht der nächsten Wochen attraktiver, so die Aktienexperten von "Der Anlegerbrief". (Ausgabe 14 vom 09.04.2016) (12.04.2016/alc/a/a)