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Anleihen im perfekten Sturm
16.06.15 10:39
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Anleihen sind in den letzten Wochen in den perfekten Sturm geraten, so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
Die Renditen von deutschen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit hätten in den letzten drei Monaten um mehr als 60 Basispunkte zugelegt und zeitweise bei über einem Prozent notiert. Auch die zehnjährigen US-Renditen und die Renditen von Schweizer Obligationen seien um fast 30 Basispunkte gestiegen. Der Anstieg der Anleihenrenditen erstaune, habe sich das globale Wirtschaftsumfeld im bisherigen Jahresverlauf doch für Anleihen von der freundlichen Seite gezeigt: Die Europäische Zentralbank habe diesen Frühling im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programms Staatsanleihen zu kaufen begonnen und die Konjunkturdaten in den USA hätten bisher die Anleger enttäuscht.
Dennoch gebe es verschiedene Gründe für die die Turbulenzen an den Anleihenmärkten. Nach den schwachen US-Daten im ersten Quartal hätten nur noch wenige Anleger mit einer Zinserhöhung durch die US-Zentralbank FED in diesem Jahr gerechnet. In den letzten Wochen hätten jedoch wichtige Wirtschaftsindikatoren in den USA auf eine Beschleunigung der Konjunktur hingewiesen. So habe sich beispielsweise die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt markant verbessert und auch der Einzelhandel habe im Mai deutlich zulegen können. Damit dürfte für das FED das Thema eines Zinsschrittes im Jahr 2015 plötzlich wieder ein ernsthaftes Thema sein.
In Europa verliere die Furcht vor einem Abgleiten Eurolands in eine Deflation - ein wichtiger Treiber für die Staatsanleihenankäufe der EZB - immer mehr an Bedeutung. Stimmungsindikatoren aus der Industrie würden auf eine graduelle Erholung der Euro-Wirtschaft hindeuten. Zuletzt hätten auch die Konsumentenpreise eine Trendumkehr bei der Kerninflation angezeigt. Komme hinzu, dass die EZB an ihrer letzten Sitzung die Bedeutung eines Zinsanstieges heruntergespielt habe. Das habe die Erwartungen gewisser Anleger, dass die EZB den Renditeanstieg mit einer Beschleunigung der Anleihenankäufe kontere, enttäuscht.
Wer den Anleihen letztendlich helfen könnte, seiGriechenland. Nicht nur die Anleihenmärkte seien in den perfekten Sturm geraten; auch die griechische Wirtschaft scheine auf einen Sturm zu zusteuern. Eine Entscheidung über die Zukunft des Landes rücke immer näher, aber es sei bislang noch nicht abzuschätzen, ob Griechenland ein weiteres Hilfspaket erhalte oder ganz einfach Pleite gehe.
Von der steigenden Unsicherheit über das Schicksal Griechenlands dürften die als sicher geltenden Anleihen Deutschlands, der USA und der Schweiz in der kurzen Frist profitieren. Es sei jedoch fraglich, ob die Wirren in Griechenland auch mittelfristig den Anleihenmarkt unterstützen würden. Der Finanzmarkt habe sich in den letzten Monaten an den Gedanken gewöhnt, dass Griechenland vor dem Bankrott stehe. Trete dieser tatsächlich ein, dürfte die Unsicherheit nur von kurzer Dauer sein. (16.06.2015/alc/a/a)
Die Renditen von deutschen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit hätten in den letzten drei Monaten um mehr als 60 Basispunkte zugelegt und zeitweise bei über einem Prozent notiert. Auch die zehnjährigen US-Renditen und die Renditen von Schweizer Obligationen seien um fast 30 Basispunkte gestiegen. Der Anstieg der Anleihenrenditen erstaune, habe sich das globale Wirtschaftsumfeld im bisherigen Jahresverlauf doch für Anleihen von der freundlichen Seite gezeigt: Die Europäische Zentralbank habe diesen Frühling im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programms Staatsanleihen zu kaufen begonnen und die Konjunkturdaten in den USA hätten bisher die Anleger enttäuscht.
In Europa verliere die Furcht vor einem Abgleiten Eurolands in eine Deflation - ein wichtiger Treiber für die Staatsanleihenankäufe der EZB - immer mehr an Bedeutung. Stimmungsindikatoren aus der Industrie würden auf eine graduelle Erholung der Euro-Wirtschaft hindeuten. Zuletzt hätten auch die Konsumentenpreise eine Trendumkehr bei der Kerninflation angezeigt. Komme hinzu, dass die EZB an ihrer letzten Sitzung die Bedeutung eines Zinsanstieges heruntergespielt habe. Das habe die Erwartungen gewisser Anleger, dass die EZB den Renditeanstieg mit einer Beschleunigung der Anleihenankäufe kontere, enttäuscht.
Wer den Anleihen letztendlich helfen könnte, seiGriechenland. Nicht nur die Anleihenmärkte seien in den perfekten Sturm geraten; auch die griechische Wirtschaft scheine auf einen Sturm zu zusteuern. Eine Entscheidung über die Zukunft des Landes rücke immer näher, aber es sei bislang noch nicht abzuschätzen, ob Griechenland ein weiteres Hilfspaket erhalte oder ganz einfach Pleite gehe.
Von der steigenden Unsicherheit über das Schicksal Griechenlands dürften die als sicher geltenden Anleihen Deutschlands, der USA und der Schweiz in der kurzen Frist profitieren. Es sei jedoch fraglich, ob die Wirren in Griechenland auch mittelfristig den Anleihenmarkt unterstützen würden. Der Finanzmarkt habe sich in den letzten Monaten an den Gedanken gewöhnt, dass Griechenland vor dem Bankrott stehe. Trete dieser tatsächlich ein, dürfte die Unsicherheit nur von kurzer Dauer sein. (16.06.2015/alc/a/a)


