Erweiterte Funktionen
Anleihen europäischer Schwellenländer: Argumente für die Anlage nach wie vor intakt
31.10.13 12:04
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In letzter Zeit haben sich über manchen europäischen Entwicklungsländern Wolken zusammengezogen, so die Experten von Franklin Templeton.
Die meisten dieser Länder seien durch die Rezession in der Eurozone gebeutelt worden, die zwar nicht so tief gewesen sei, aber bis 2011 zurückgereicht habe. Inzwischen werde befürchtet, dass in den Schwellenländern nach Jahren mit höheren Wachstumsraten eine langfristige Abkühlung einsetzen könnte - nicht nur in Europa, sondern weltweit. Negative Stimmen würden auch behaupten, dass die üppige Liquidität aus den USA und anderen Quellen die Zuflüsse in die Schwellenmärkte künstlich verstärkt habe. Seit die US-Notenbank eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe angedeutet habe, seien die meisten Schwellenländeranlagen eingebrochen, was Ängste angeheizt habe, dass die Marktvolatilität in den Schwellenländern wieder eine Schuldenkrise wie in den 1990er Jahren auslösen könnte.
Nach Ansicht der Experten würden solche Bedenken die Gefahr bergen, dass die europäischen Schwellenländer zu schnell abgeschrieben würden und vor allem nicht differenziert werde zwischen ihren ungleichen Volkswirtschaften. Verschiedene Länder würden zyklische Abschwünge erleben, doch bei genauerer Untersuchung ihrer spezifischen fundamentalen Kreditsituation würden manche im europäischen Ländervergleich nach Erachten der Experten nach wie vor überdurchschnittliches Wachstum und bessere Kennzahlen aufweisen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei die Konjunktur trotz der langwierigen Rezession in der Eurozone in manchen dieser Länder bislang deutlich kräftiger als in anderen Teilen Europas, und das solle noch mindestens bis 2018 so bleiben.
Mehrere europäische Schwellenmärkte hätten sich auch erfolgreicher als die meisten westlichen Länder den belastenden Effekten einer hohen Verschuldung entziehen können. In Polen sei sogar eine Regelung der öffentlichen Kreditaufnahme in der Verfassung verankert, die die Bruttoverschuldung auf 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) deckle - als höchste von drei Schwellen.
Die polnische Wirtschaft habe in der Finanzkrise 2008/09 zwar eine Rezession vermeiden können, doch 2012 habe eine Abschwächung infolge der Stagnation in der Eurozone die Steuereinnahmen gemindert. Die polnische Regierung habe darauf mit der Aussetzung der niedrigsten 50%-Schwelle für die Verschuldungsquote reagiert. Ein Verstoß dagegen hätte abträgliche Sparmaßnahmen ausgelöst. Der Rückzieher der Regierung sei aber kein Vorbote einer breiten Lockerung der polnischen Fiskalpolitik gewesen, die in der Europäischen Union (EU) wegen ihrer strikten Disziplin und der verhältnismäßig geringen Kreditaufnahme positiv bewertet werde.
In Litauen habe die Politik die Schulden auf im historischen Vergleich niedrigem Niveau gehalten. Das Land habe erst nach einer schweren Rezession 2009 im großen Stil Anleihen aufgelegt. Statt Hilfe bei der EU oder dem IWF zu suchen, habe Litauen beschlossen, sein Haushaltsdefizit durch die Emission von US-Dollar-Anleihen zu finanzieren. Seither sei es der Regierung mithilfe von Strukturanpassungen gelungen, das Defizit auf rund 3% des BIP zu drücken, sodass sich Litauens Verschuldungsquote bis 2012 bei reichlich 40% stabilisiert habe. Im Vergleich dazu seien die Verschuldungsquoten in den meisten Euroländern und Großbritannien beharrlich hoch geblieben und hätten vielfach 100% und in manchen Ländern sogar höhere Werte angepeilt.
Auch Bulgariens engagierte Haushaltsdisziplin der letzten zehn Jahre würden die Experten beeindruckend finden. 2012 habe das Land die ersten Eurobonds seit zehn Jahren emittiert, doch nur zur Umschuldung fälliger Verbindlichkeiten. Die bulgarische Regierung habe verschiedene ermutigende Strukturreformen angestoßen. Die realistischen Aussichten für das Land könnten mittelfristig nach Erachten der Experten noch besser sein, wenn es mehr EU-Mittel erhielte. Natürlich wäre Bulgarien ebenso wie Litauen und Polen anfällig für ein Wiederaufflackern der Staatsschuldenkrise in der Eurozone, doch die jeweils gebotene vergleichsweise hohe Verzinsung der Staatsanleihen entschädige nach Überzeugung der Experten möglicherweise für bestehende Risiken.
Für diese Länder könnte Haushaltsdisziplin letztlich den Weg zur Euroeinführung ebnen. Litauen solle der Eurozone 2015 beitreten, Polen und Bulgarien hätten sich zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls dazu verpflichtet. Vorher möchten beide Länder aber weitere Fortschritte bei der Beilegung der Schuldenkrise in der Eurozone sehen. Solche Ziele könnten Anlegern durch entsprechende Währungsallokationen zusätzliche Chancen auf Wertsteigerung eröffnen.
Engagements in Polen, Litauen und Bulgarien mit jeweils eher kleinen Rentenmärkten könnten Allokationen in größeren europäischen Ländern ergänzen, die nach Erachten der Experten Wertpotenzial bieten würden. Fiskalpolitisch glaubwürdiger würden sie durch den gemeinsamen Wunsch wirken, der Eurozone beizutreten. Das könnte auch das Tempo ihrer Strukturreformen im Vergleich zur Eurozone beschleunigen, in der politischer Konsens oft schwerer erreichbar sei. Gleichermaßen überlegen wirke auf die Experten ihre Wachstumsbilanz, was weiterhin hohe Wirtschaftsleistung verheiße.
Die potenziell ansprechenden Chancen, die diese europäischen Schwellenländer bieten würden, würden den Experten interessant erscheinen, wenn man die wirtschaftlichen, fiskalischen und politischen Merkmale analysiere, die ihre fundamentale Kreditsituation mittelfristig beeinflussen könnten. Sie würden deutlich machen, wie wichtig es für Anleger sei, auf verschiedene Länderallokationen zu fokussieren. (Perspektiven Oktober 2013) (31.10.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Die meisten dieser Länder seien durch die Rezession in der Eurozone gebeutelt worden, die zwar nicht so tief gewesen sei, aber bis 2011 zurückgereicht habe. Inzwischen werde befürchtet, dass in den Schwellenländern nach Jahren mit höheren Wachstumsraten eine langfristige Abkühlung einsetzen könnte - nicht nur in Europa, sondern weltweit. Negative Stimmen würden auch behaupten, dass die üppige Liquidität aus den USA und anderen Quellen die Zuflüsse in die Schwellenmärkte künstlich verstärkt habe. Seit die US-Notenbank eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe angedeutet habe, seien die meisten Schwellenländeranlagen eingebrochen, was Ängste angeheizt habe, dass die Marktvolatilität in den Schwellenländern wieder eine Schuldenkrise wie in den 1990er Jahren auslösen könnte.
Nach Ansicht der Experten würden solche Bedenken die Gefahr bergen, dass die europäischen Schwellenländer zu schnell abgeschrieben würden und vor allem nicht differenziert werde zwischen ihren ungleichen Volkswirtschaften. Verschiedene Länder würden zyklische Abschwünge erleben, doch bei genauerer Untersuchung ihrer spezifischen fundamentalen Kreditsituation würden manche im europäischen Ländervergleich nach Erachten der Experten nach wie vor überdurchschnittliches Wachstum und bessere Kennzahlen aufweisen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei die Konjunktur trotz der langwierigen Rezession in der Eurozone in manchen dieser Länder bislang deutlich kräftiger als in anderen Teilen Europas, und das solle noch mindestens bis 2018 so bleiben.
Mehrere europäische Schwellenmärkte hätten sich auch erfolgreicher als die meisten westlichen Länder den belastenden Effekten einer hohen Verschuldung entziehen können. In Polen sei sogar eine Regelung der öffentlichen Kreditaufnahme in der Verfassung verankert, die die Bruttoverschuldung auf 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) deckle - als höchste von drei Schwellen.
Die polnische Wirtschaft habe in der Finanzkrise 2008/09 zwar eine Rezession vermeiden können, doch 2012 habe eine Abschwächung infolge der Stagnation in der Eurozone die Steuereinnahmen gemindert. Die polnische Regierung habe darauf mit der Aussetzung der niedrigsten 50%-Schwelle für die Verschuldungsquote reagiert. Ein Verstoß dagegen hätte abträgliche Sparmaßnahmen ausgelöst. Der Rückzieher der Regierung sei aber kein Vorbote einer breiten Lockerung der polnischen Fiskalpolitik gewesen, die in der Europäischen Union (EU) wegen ihrer strikten Disziplin und der verhältnismäßig geringen Kreditaufnahme positiv bewertet werde.
Auch Bulgariens engagierte Haushaltsdisziplin der letzten zehn Jahre würden die Experten beeindruckend finden. 2012 habe das Land die ersten Eurobonds seit zehn Jahren emittiert, doch nur zur Umschuldung fälliger Verbindlichkeiten. Die bulgarische Regierung habe verschiedene ermutigende Strukturreformen angestoßen. Die realistischen Aussichten für das Land könnten mittelfristig nach Erachten der Experten noch besser sein, wenn es mehr EU-Mittel erhielte. Natürlich wäre Bulgarien ebenso wie Litauen und Polen anfällig für ein Wiederaufflackern der Staatsschuldenkrise in der Eurozone, doch die jeweils gebotene vergleichsweise hohe Verzinsung der Staatsanleihen entschädige nach Überzeugung der Experten möglicherweise für bestehende Risiken.
Für diese Länder könnte Haushaltsdisziplin letztlich den Weg zur Euroeinführung ebnen. Litauen solle der Eurozone 2015 beitreten, Polen und Bulgarien hätten sich zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls dazu verpflichtet. Vorher möchten beide Länder aber weitere Fortschritte bei der Beilegung der Schuldenkrise in der Eurozone sehen. Solche Ziele könnten Anlegern durch entsprechende Währungsallokationen zusätzliche Chancen auf Wertsteigerung eröffnen.
Engagements in Polen, Litauen und Bulgarien mit jeweils eher kleinen Rentenmärkten könnten Allokationen in größeren europäischen Ländern ergänzen, die nach Erachten der Experten Wertpotenzial bieten würden. Fiskalpolitisch glaubwürdiger würden sie durch den gemeinsamen Wunsch wirken, der Eurozone beizutreten. Das könnte auch das Tempo ihrer Strukturreformen im Vergleich zur Eurozone beschleunigen, in der politischer Konsens oft schwerer erreichbar sei. Gleichermaßen überlegen wirke auf die Experten ihre Wachstumsbilanz, was weiterhin hohe Wirtschaftsleistung verheiße.
Die potenziell ansprechenden Chancen, die diese europäischen Schwellenländer bieten würden, würden den Experten interessant erscheinen, wenn man die wirtschaftlichen, fiskalischen und politischen Merkmale analysiere, die ihre fundamentale Kreditsituation mittelfristig beeinflussen könnten. Sie würden deutlich machen, wie wichtig es für Anleger sei, auf verschiedene Länderallokationen zu fokussieren. (Perspektiven Oktober 2013) (31.10.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.


