Anleihen: Zinswende in Europa


07.06.13 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zeit der Niedrigstzinsen scheint allmählich ihr Ende zu finden, so die Deutsche Börse AG.

Händlern zufolge würden die Renditen dies und jenseits des Atlantiks wieder anziehen, was nicht zuletzt an Spekulationen über ein mögliches Ende des billigen Geldes liege. "Der Abwärtstrend des Bund-Futures (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) ist zwar noch intakt, insgesamt sind in vielen europäischen Ländern aber weiterhin steigende Anleiherenditen - besonders für längere Laufzeiten - zu beobachten, genauso wie in den USA", erkläre Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Arthur Brunner von ICF Kursmakler bestätige: "Die Märkte hatten sich zuletzt darauf verlassen, dass die Notenbanken mit Liquiditätsspritzen bereitstehen. Wenn die Konjunktur aber wieder anspringt, dürfte sich das ändern."

Wann die US-Notenbank und die EZB ihre Anleihekäufe verringern und die Zinsschraube wieder anziehen würden, sei bisher zwar unklar, dass sie es tun würden, halte Klaus Stopp von der Baader Bank aber für sicher: "Es wird nicht möglich sein, den Markt bis in alle Ewigkeit mit Liquidität zu fluten. Die Schwierigkeit der Notenbanker besteht aktuell daher darin, das Platzen der Liquiditätsblase zu verhindern."

Laut Gregor Daniel, Spezialist der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft, hätten Investoren bereits damit begonnen, wieder steigende Zinsen vorweg zu nehmen. "Das spiegelt sich aktuell vor allem in den Renditen von Hochzinsanleihen, deren Abstand zur Rendite deutscher Bundesanleihen sich in dieser Woche merklich ausgeweitet hat. Wenn die Zinsen insgesamt steigen, dann sind High-Yield-Bonds in der Regel besonders betroffen - das scheinen viele Investoren bereits einzupreisen", erläutere der Händler und verweise beispielhaft auf eine bis 2018 laufende Anleihe von Heidelberger Druck (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E).

Eine ganz ähnliche Tendenz beobachte auch Brunner. "Alles was eine schlechtere Bonität hat, ist in dieser Woche merklich unter Druck geraten. Die Kurse von Mittelstandsanleihen sind durch die Bank um 2 bis 3 Prozent gefallen", berichte der Spezialist und sehe den Grund dafür unter anderem darin, dass Investoren auf ein Ende des jüngsten Anlagenotstandes spekulieren würden.

"Hochzinsanleihen waren in der jüngsten Vergangenheit gefragt, weil alles andere so gut wie keine Rendite gebracht hat. Wenn die Zinsen aber steigen, dann werden Papiere mit besserer Bonität wieder interessanter." Stark unter Druck geraten sei laut Brunner in dieser Woche eine Anleihe der Semper Idem GmbH, die mit einem Kupon von 7,125 Prozent ausgestattet sei.

Das deutsche Rentenbarometer Euro Bund Future notiere aktuell bei 144 Prozent und damit in etwa auf dem gleichen Niveau wie vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell 1,49 Prozent abwerfen.

Aber nicht nur bei riskanten Unternehmensanleihen, auch an den Staatsanleihemärkten der Euro-Peripherie scheinen die Zinsen die Talsohle durchschritten zu haben, so die Deutsche Börse AG. "Bei einer Aufstockung von drei Anleihen am gestrigen Donnerstag hat Spanien zwar das avisierte Volumen übertroffen, das Land musste aber höhere Zinsen in Kauf nehmen als zuletzt", berichte Brunner.

Frische Impulse für die Anleihemärkte würden die Händler von den am heutigen Freitag zur Veröffentlichung stehenden Daten zum US-Arbeitsmarkt erwarten, an dessen Entwicklung die FED ihre Geldpolitik geknüpft habe: So wolle die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik aufgeben, wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent falle. Volkswirte würden allerdings schätzen, dass die Quote im Mai unverändert bei 7,5 Prozent gelegen habe. "Eigentlich sollte man sich doch über neue Stellen freuen, stattdessen könnte ein positiver Arbeitsmarktbericht aber die Angst vor einer geldpolitischen Wende schüren und die Märkte unter Druck bringen. Das ist schon sehr schizophren, kommentiere Daniel.

Bei den Corporate Bonds komme laut Brunner eine neue STADA-Anleihe gut bei Investoren an. "Das fünf Jahre laufende Papier hat eine Stückelung von 1.000 und ist daher vor allem für Kleinanleger interessant. Vom Ausgabepreis am vergangenen Freitag von 99,417 Prozent ist die Anleihe mittlerweile auf 100,145 gestiegen", melde Brunner. Die Rendite liege bei dem derzeitigen Kurs bei 2,22 Prozent.

Zu den umsatzstärksten Papieren hätten, wie Hellwig berichte, in dieser Woche Banken-Anleihen gezählt. "Die Hybrid-Anleihen der Deutschen Bank (ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC; ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30; ISIN DE000A0DTY34 / WKN A0DTY3) konnten sich dem Abwärtstrend der Aktienmärkte nicht entziehen und verloren bei guten Umsätzen zwischen 2,5 und 3 Prozentpunkten. Ebenso hat die LT2-Nachranganleihe der Commerzbank im Zuge der schwächeren Aktienmärkte rund 5 Prozentpunkte verloren", berichte der Spezialist.

Am Mittwoch habe die Zeichnungsfrist für die Mittelstandsanleihe von gamigo begonnen. Die Anleihe des Onlinespiele-Vermarkters laufe fünf Jahre und werde mit 8,5 Prozent verzinst. Die Zeichnung sei noch bis voraussichtlich 18. Juni über die Börse Frankfurt möglich.

Am kommenden Mittwoch könne die Anleihe der Metalcorp Group, einem Rohstoffunternehmen, gezeichnet werden. Das Papier offeriere einen Festzins von 8,75 Prozent und laufe ebenfalls bis 2018. CFO Ricardo Phielix hat im Interview mit dem DAF die Eckpunkte des Geschäfts erklärt, und wofür das Geld verwendet werden solle. (07.06.2013/alc/a/a)





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