Anleihen: Zinsanstieg ausgebremst


12.07.13 16:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Weiterhin hängen die Märkte an den Lippen der Notenbanker: "Nach zwei Monaten mit zum Teil deutlichen Kursverlusten stehen nun die Zeichen auf Entspannung am Anleihemarkt", fasst Ulf Krauss von der Helaba die Lage zusammen, so die Deutsche Börse AG.

EZB-Präsident Mario Draghi habe durch die langfristige Deckelung der Leitzinsen den Boden für eine Erholung bereitet, ebenso wie US-Notenbankchef Ben Bernanke durch sein "Zurückrudern" bezüglich einer geldpolitischen Straffung. Bernanke habe am Mittwoch dieser Woche bemerkt, dass die USA noch auf absehbare Zeit eine expansive Geldpolitik benötigt hätten. "Offenbar sind ihm der Zinsanstieg und die Aufwertung des US-Dollar zu schnell zu weit gegangen", kommentiere die Commerzbank.

Daneben habe es neue schlechte Nachrichten für die Eurozone gegeben: Etwa habe die Ratingagentur Standard & Poor's Italien von "BBB+" auf "BBB" herabgestuft. "Stärker unter Druck geraten sind italienische Staatsanleihen aber nicht", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Portugal bleibe unterdessen Sorgenkind: "Anfang der Woche sanken die Renditen portugiesischer Staatsanleihen noch, dann kletterten sie wieder."

Auslöser für den Anstieg sei der Aufschub des Troika-Besuchs wegen der politischen Krise im Land. Aktuell liege die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Portugals Brunner zufolge bei 6,89 Prozent nach 6,6 Prozent Mitte der Woche, am 20. Mai seien es aber nur 5,2 Prozent gewesen. "Das zeigt, dass sich die Situation deutlich verschlechtert hat."

Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitagmittag bei 143,46 Punkten und damit klar über den 141,53 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder weniger Rendite abwerfen, aktuell seien es 1,57 Prozent nach 1,72 Prozent am vergangenen Freitag. Auch in den USA seien die Renditen zehnjähriger Treasuries wieder zurückgegangen, nachdem sie vergangenen Freitag auf den höchsten Stand seit zwei Jahren geklettert seien.

"Die Renditen langlaufender Bundesanleihen sind im Augenblick zwei gegensätzlichen Kräften ausgesetzt", würden die Analysten der DekaBank in ihrem Monatsausblick für den Juli erklären. Einerseits könnten sie sich nicht vollständig dem Einfluss höherer Renditen von US-Staatsanleihen entziehen. Andererseits hätten Regierungskrisen - wie zuletzt in Portugal - daran erinnert, dass die Staatsschuldenkrise noch nicht vorüber sei.

"Vor dem Hintergrund eines sich allmählich bessernden konjunkturellen Umfelds rechnen wir mittelfristig mit moderat steigenden Renditen von Bundesanleihen." Kurzfristig dürften sie jedoch in eine Seitwärtsbewegung übergehen: zum einen wegen der jüngsten Draghi-Ankündigung zur künftigen Zinsentwicklung zum anderen verkrafte die Eurolandperipherie stark steigende Renditen nicht gut.

Thema der Woche im Handel mit Unternehmensanleihen sei die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker. Für die Anleihe (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) mit einem Volumen von 250 Millionen Euro sei es rasant nach unten gegangen. Der Kurs, der bereits seit März von 80 auf 31 Prozent nachgegeben habe, sei weiter auf aktuell 10 Prozent gefallen.

"Wir haben riesige Umsätze", berichte Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Die meisten, vor allem Privatkunden, wollten verkaufen, doch es gebe auch Käufer: "Es wird darauf spekuliert, dass Max Bahr herangezogen werden könnte. Daher liegt der Kurs auch noch bei 10 Prozent." Die als profitabler geltenden, zum Konzern gehörenden Max Bahr-Märkte seien bislang nicht von der Insolvenz betroffen.

Auf Mittelstandsanleihen habe der Fall übrigens keinen Einfluss, wie Brunner meine. "Der Druck der vergangenen zwei Wochen ist wieder raus." Die Insolvenz von Praktiker habe sich schon lange angedeutet, ohnehin seien Anleger "cooler" geworden, was Pleiten angehe.

Die zum Teil deutlichen Kursrücksetzer von Währungsanleihen würden Anleger offenbar für einen Einstieg nutzen. "So traf eine auf Australische Dollar lautende Anleihe (ISIN XS0951563120 / WKN A1HNA8) von Mercedes-Benz den Geschmack der Anleger", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Gesucht worden seien auch Papiere der Rabobank in Türkischer Lira (ISIN XS0576313257 / WKN A1GKX1) und der KfW in Brasilianischen Real (ISIN XS0754679669 / WKN A1K0WU).

Sehr gut vom Markt aufgenommen werde heute eine neue Continental-Anleihe, wie Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft festgestellt habe. Das Papier mit einem Kupon von 3 Prozent laufe bis Juli 2018. Der Autozulieferer habe in dieser Woche übrigens bekannt gegeben, dass die im September 2010 von der Conti-Gummi Finance begebene Anleihe (ISIN DE000A1A0U37 / WKN A1A0U3) mit einem Coupon von 7,5 Prozent zum 16. September 2013 vorzeitig zurückgezahlt werde - vier Jahre vor Fälligkeit. Der vereinbarte Rückzahlungspreis liege bei 103,75 Prozent.

Die Deutsche Rohstoff AG habe unterdessen Anleihen (ISIN DE000A1R07G4 / WKN A1R07G) im Wert von 52,5 Millionen Euro platzieren können. Der Handel in der mit 8 Prozent verzinsten Anleihe habe am gestrigen Donnerstag begonnen, aktuell notiere das Papier Brunner zufolge etwa auf Ausgabeniveau.

Außerdem stocke das Immobilienunternehmen Grand City Properties seine im Juni begebene Unternehmensanleihe (ISIN XS0937063310 / WKN A1HLGC) um bis zu 100 Millionen Euro auf. Das Papier (ISIN XS0951839991 / WKN A1HNBM) biete einen Kupon von 6,25 Prozent und laufe sieben Jahre. Die Anleihe mit einem Nennbetrag von 1.000 Euro könne voraussichtlich noch bis zum 19. Juli gezeichnet werden. (12.07.2013/alc/a/a)





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