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Anleihen: Wie gut ist die Stimmung wirklich?
21.02.14 16:53
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von der Katerstimmung im Januar scheint auf den ersten Blick nichts mehr übrig: Die Aktienmärkte steigen wieder, am Anleihemarkt sinken die Zinsen und selbst die starken Unruhen in der Ukraine wirken sich bisher kaum auf die Kapitalmärkte aus, so die Deutsche Börse AG.
Vor allem Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie stünden bei Anlegern hoch im Kurs, wie Arthur Brunner von der ICF AG beobachte. Die ehemaligen "Angstbarometer" der Euro-Schuldenkrise hätten ihren Schrecken offenbar wieder gänzlich verloren.
Laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank würden viele Anleger unter anderem die jüngsten politischen Entwicklungen in Italien begrüßen, wo der bisherige Premierminister Letta am Wochenbeginn durch den designierten neuen Premier Matteo Renzi abgelöst worden sei. "Die Märkte reagierten im Hinblick auf anstehende Reformen hoffnungsvoll auf das politische Geschehen in Italien. Die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gingen auf 3,6 Prozent zurück und somit auf einen Tiefststand seit 2006. Die Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen sanken auf den tiefsten Stand seit Sommer 2011", wisse der Spezialist.
Umgekehrt habe es in dieser Woche für Bundesanleihen ausgesehen: Nach Jahren der Überzeichnung sei es zur Wochenmitte zu einer technischen Unterzeichnung bei der Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe gekommen. So habe dem von der Finanzagentur angebotenen Volumen von 5 Milliarden Euro lediglich eine Nachfrage von rund 4,3 Milliarden Euro gegenübergestanden. Die Durchschnittsrendite sei von 1,75 Prozent bei der vorangegangenen Auktion auf 1,64 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Juni vergangenen Jahres gesunken.
"Die Schwierigkeit bei der Platzierung der Anleihe zeigt die Denkweise der Anleger auf, die zwar weiterhin an die Wertbeständigkeit glauben, aber bei diesen Konditionen eher bereit sind, nach Alternativen Ausschau zu halten. Und dazu zählen inzwischen auch wieder Anleihen Italiens, Spaniens, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande, die entsprechende Liquidität absorbieren", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank.
Dennoch: Richtungweisend sei die Auktion gewiss nicht, merke Brunner an und verweise darauf, dass vor gut anderthalb Jahren schon einmal eine Auktion von Bundesanleihen unterzeichnet gewesen sei. Bei der darauf folgenden Auktion sei die Nachfrage dann aber wieder deutlich höher gewesen. "Der Markt hat ja auch gelassen auf die Auktion reagiert und der Bund-Future hält sich gut", ergänze der Handler.
Und was klar zu beobachten sei: Trotz der allgemein wieder positiven Stimmung und der jüngsten Erholung an den Aktienmärkten, seien sichere Häfen weiterhin gefragt geblieben - abzulesen sowohl am Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) als auch am Goldpreis. "Eine gewisse Nervosität ist spürbar. Offenbar sehen einige Investoren mittlerweile auch wieder klare Abwärtsrisiken bei Aktien."
So setze offenbar auch Börsen-Guru und Multimilliardär Geoge Soros auf einen Kurseinbruch am Aktienmarkt. Wie aus einer Börsen-Pflichtmitteilung hervorgehe, habe sein Privatfonds Soros Fund Management zum Ende des vergangenen Jahres Short-Positionen auf den S&P 500 im Wert von 1,3 Milliarden Dollar gehalten. Gegenüber dem dritten Quartal habe der Fonds seinen Bestand an diesen Short-Produkten, die bei fallenden Kursen im Wert steigen würden, damit um über 150 Prozent ausgeweitet. Einige Beobachter würden daher davon ausgehen, dass sich Soros bereits auf einen Crash einstelle.
Am Freitagmittag notiere der Euro-Bund-Future als Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 143,72 Punkten, vor einer Woche seien es 143,73 gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,69 Prozent abwerfen, nach 1,68 Prozent am vergangenen Freitag.
Gebe es manche Schwellenländer, die schon über dem Berg seien und bei denen sich der Einstieg wieder lohne? Laut Baader Bank würden sich diese Frage derzeit einige Anleger mit Blick auf die Einbrüche der Börsen und Währungen von Ländern wie Argentinien, Brasilien, Venezuela, Südafrika, der Türkei oder der Ukraine stellen. "Geht man nach dem Verhalten der Anleger an den Rentenmärkten, so rechnen Investoren derzeit im Falle der Türkei und - mit Einschränkung - von Brasilien und Südafrika damit, dass das Schlimmste vorüber ist und es sich wieder lohnt, auf Bonds aus diesen Ländern zu setzen", konstatiere Stopp.
So sei etwa ein Bond (ISIN XS0895805876 / WKN A1MAQ2) der Rentenbank, der auf Türkische Lira laute und bei einer Laufzeit bis 2018 mit rund 10 Prozent rentiere, bei einigen Investoren wieder beliebt. Ebenso hätten Anleger wieder vorsichtiges Interesse für eine Lira-Anleihe (ISIN XS0925674276 / WKN A1HKE3) der ING Bank mit 7,7 Prozent Rendite und einer Laufzeit bis 2015 gezeigt.
Deutlich weniger optimistisch seien Anleger indes bei venezolanischen Anleihen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte: "Angesichts der anhaltenden Proteste, der hohen Inflation und der zunehmenden Lebensmittel- und Medikamentenknappheit in dem lateinamerikanischen Land gehen einige Beobachter davon aus, dass Venezuela seine Dollar-Reserven eventuell für andere Dinge verwenden könnte als für Zinszahlungen", erläutere Daniel. Die Kurse der Staatsanleihen seien dementsprechend unter Druck.
Nach rund 95 Prozent in der vergangenen Woche sei die bis 2015 laufende Anleihe (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45) des Landes bis zur Wochenmitte auf 82,55 Prozent im Tief gesunken. Aktuell notiere der Titel bei 86,90. Die Rendite liege bei über 22 Prozent. Und auch die Credit Default Swaps (CDS) seien deutlich gestiegen: Laut Bloomberg hätten die Prämien für eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall Venezuelas allein in diesem Jahr um 4,6 Prozentpunkte auf über 16 Prozentpunkte zugelegt. Dies impliziere eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent für einen Zahlungsausfall des Landes in den kommenden fünf Jahren, errechne der Nachrichtendienst.
Am Markt für Unternehmensanleihen seien die Schuldscheine (ISIN XS0272401356 / WKN A0G0JA) der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria weiter im Sinkflug. "Angesichts der Sorgen um einen teilweisen Zahlungsausfall sacken die Papiere immer weiter ab. Nach 94 Prozent in der vergangenen Woche notiert die Anleihe heute nur noch bei rund 86", melde Brunner. Hintergrund sei die Diskussion über eine Insolvenz der notverstaatlichten Bank. Für die hafte zwar das österreichische Bundesland Kärnten mit Garantien von 12,5 Milliarden Euro. Eine Pleite der Bank könnte aber auch das Bundesland mit in den Abgrund ziehen, sodass Anleihegläubiger, die sich auf die Garantien verlassen hätten, dann möglicherweise mit Verlusten rechnen müssten.
Mit hohen Umsätzen falle laut Daniel aktuell eine Anleihe (ISIN XS0149161217 / WKN 858865) der Royal Bank of Scotland auf. "Es kursieren Spekulationen, dass diese Anleihe vorzeitig zu pari gekündigt wird. Wenn das so ist, dann muss die Bank es fristgerecht bis zum 26. Februar bekannt machen. Aktuell notiert das Papier bei 97,45 Prozent", erkläre Daniel.
Bisher keine Auswirkungen auf die Anleihekurse habe laut Hellwig die Rückrufaktion Porsches für den Sportwagen 911. Nach zwei Fällen brennender Porsche 911 GT3 rufe Porsche alle 785 ausgelieferten Fahrzeuge zurück in die Werkstatt. "Dass die Anleihen nicht reagieren liegt sicherlich auch an der geringen Verbreitung des Kleinserienmodells, andererseits werden gerade die sportlicheren Modelle des Herstellers besonders beachtet", spekuliere Hellwig.
Erfolgreich sei die Platzierung einer Anleihe (ISIN DE000A1YC1F9 / WKN A1YC1F) der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig verlaufen. Bereits nach einer Stunde seien die Bücher wegen Überzeichnung geschlossen gewesen, am Mittwoch sei die Emission zu 102,70 Prozent in den Handel gekommen. (21.02.2014/alc/a/a)
Vor allem Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie stünden bei Anlegern hoch im Kurs, wie Arthur Brunner von der ICF AG beobachte. Die ehemaligen "Angstbarometer" der Euro-Schuldenkrise hätten ihren Schrecken offenbar wieder gänzlich verloren.
Laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank würden viele Anleger unter anderem die jüngsten politischen Entwicklungen in Italien begrüßen, wo der bisherige Premierminister Letta am Wochenbeginn durch den designierten neuen Premier Matteo Renzi abgelöst worden sei. "Die Märkte reagierten im Hinblick auf anstehende Reformen hoffnungsvoll auf das politische Geschehen in Italien. Die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gingen auf 3,6 Prozent zurück und somit auf einen Tiefststand seit 2006. Die Renditeaufschläge gegenüber Bundesanleihen sanken auf den tiefsten Stand seit Sommer 2011", wisse der Spezialist.
Umgekehrt habe es in dieser Woche für Bundesanleihen ausgesehen: Nach Jahren der Überzeichnung sei es zur Wochenmitte zu einer technischen Unterzeichnung bei der Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe gekommen. So habe dem von der Finanzagentur angebotenen Volumen von 5 Milliarden Euro lediglich eine Nachfrage von rund 4,3 Milliarden Euro gegenübergestanden. Die Durchschnittsrendite sei von 1,75 Prozent bei der vorangegangenen Auktion auf 1,64 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit Juni vergangenen Jahres gesunken.
"Die Schwierigkeit bei der Platzierung der Anleihe zeigt die Denkweise der Anleger auf, die zwar weiterhin an die Wertbeständigkeit glauben, aber bei diesen Konditionen eher bereit sind, nach Alternativen Ausschau zu halten. Und dazu zählen inzwischen auch wieder Anleihen Italiens, Spaniens, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande, die entsprechende Liquidität absorbieren", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank.
Dennoch: Richtungweisend sei die Auktion gewiss nicht, merke Brunner an und verweise darauf, dass vor gut anderthalb Jahren schon einmal eine Auktion von Bundesanleihen unterzeichnet gewesen sei. Bei der darauf folgenden Auktion sei die Nachfrage dann aber wieder deutlich höher gewesen. "Der Markt hat ja auch gelassen auf die Auktion reagiert und der Bund-Future hält sich gut", ergänze der Handler.
Und was klar zu beobachten sei: Trotz der allgemein wieder positiven Stimmung und der jüngsten Erholung an den Aktienmärkten, seien sichere Häfen weiterhin gefragt geblieben - abzulesen sowohl am Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) als auch am Goldpreis. "Eine gewisse Nervosität ist spürbar. Offenbar sehen einige Investoren mittlerweile auch wieder klare Abwärtsrisiken bei Aktien."
So setze offenbar auch Börsen-Guru und Multimilliardär Geoge Soros auf einen Kurseinbruch am Aktienmarkt. Wie aus einer Börsen-Pflichtmitteilung hervorgehe, habe sein Privatfonds Soros Fund Management zum Ende des vergangenen Jahres Short-Positionen auf den S&P 500 im Wert von 1,3 Milliarden Dollar gehalten. Gegenüber dem dritten Quartal habe der Fonds seinen Bestand an diesen Short-Produkten, die bei fallenden Kursen im Wert steigen würden, damit um über 150 Prozent ausgeweitet. Einige Beobachter würden daher davon ausgehen, dass sich Soros bereits auf einen Crash einstelle.
Gebe es manche Schwellenländer, die schon über dem Berg seien und bei denen sich der Einstieg wieder lohne? Laut Baader Bank würden sich diese Frage derzeit einige Anleger mit Blick auf die Einbrüche der Börsen und Währungen von Ländern wie Argentinien, Brasilien, Venezuela, Südafrika, der Türkei oder der Ukraine stellen. "Geht man nach dem Verhalten der Anleger an den Rentenmärkten, so rechnen Investoren derzeit im Falle der Türkei und - mit Einschränkung - von Brasilien und Südafrika damit, dass das Schlimmste vorüber ist und es sich wieder lohnt, auf Bonds aus diesen Ländern zu setzen", konstatiere Stopp.
So sei etwa ein Bond (ISIN XS0895805876 / WKN A1MAQ2) der Rentenbank, der auf Türkische Lira laute und bei einer Laufzeit bis 2018 mit rund 10 Prozent rentiere, bei einigen Investoren wieder beliebt. Ebenso hätten Anleger wieder vorsichtiges Interesse für eine Lira-Anleihe (ISIN XS0925674276 / WKN A1HKE3) der ING Bank mit 7,7 Prozent Rendite und einer Laufzeit bis 2015 gezeigt.
Deutlich weniger optimistisch seien Anleger indes bei venezolanischen Anleihen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte: "Angesichts der anhaltenden Proteste, der hohen Inflation und der zunehmenden Lebensmittel- und Medikamentenknappheit in dem lateinamerikanischen Land gehen einige Beobachter davon aus, dass Venezuela seine Dollar-Reserven eventuell für andere Dinge verwenden könnte als für Zinszahlungen", erläutere Daniel. Die Kurse der Staatsanleihen seien dementsprechend unter Druck.
Nach rund 95 Prozent in der vergangenen Woche sei die bis 2015 laufende Anleihe (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45) des Landes bis zur Wochenmitte auf 82,55 Prozent im Tief gesunken. Aktuell notiere der Titel bei 86,90. Die Rendite liege bei über 22 Prozent. Und auch die Credit Default Swaps (CDS) seien deutlich gestiegen: Laut Bloomberg hätten die Prämien für eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall Venezuelas allein in diesem Jahr um 4,6 Prozentpunkte auf über 16 Prozentpunkte zugelegt. Dies impliziere eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent für einen Zahlungsausfall des Landes in den kommenden fünf Jahren, errechne der Nachrichtendienst.
Am Markt für Unternehmensanleihen seien die Schuldscheine (ISIN XS0272401356 / WKN A0G0JA) der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria weiter im Sinkflug. "Angesichts der Sorgen um einen teilweisen Zahlungsausfall sacken die Papiere immer weiter ab. Nach 94 Prozent in der vergangenen Woche notiert die Anleihe heute nur noch bei rund 86", melde Brunner. Hintergrund sei die Diskussion über eine Insolvenz der notverstaatlichten Bank. Für die hafte zwar das österreichische Bundesland Kärnten mit Garantien von 12,5 Milliarden Euro. Eine Pleite der Bank könnte aber auch das Bundesland mit in den Abgrund ziehen, sodass Anleihegläubiger, die sich auf die Garantien verlassen hätten, dann möglicherweise mit Verlusten rechnen müssten.
Mit hohen Umsätzen falle laut Daniel aktuell eine Anleihe (ISIN XS0149161217 / WKN 858865) der Royal Bank of Scotland auf. "Es kursieren Spekulationen, dass diese Anleihe vorzeitig zu pari gekündigt wird. Wenn das so ist, dann muss die Bank es fristgerecht bis zum 26. Februar bekannt machen. Aktuell notiert das Papier bei 97,45 Prozent", erkläre Daniel.
Bisher keine Auswirkungen auf die Anleihekurse habe laut Hellwig die Rückrufaktion Porsches für den Sportwagen 911. Nach zwei Fällen brennender Porsche 911 GT3 rufe Porsche alle 785 ausgelieferten Fahrzeuge zurück in die Werkstatt. "Dass die Anleihen nicht reagieren liegt sicherlich auch an der geringen Verbreitung des Kleinserienmodells, andererseits werden gerade die sportlicheren Modelle des Herstellers besonders beachtet", spekuliere Hellwig.
Erfolgreich sei die Platzierung einer Anleihe (ISIN DE000A1YC1F9 / WKN A1YC1F) der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig verlaufen. Bereits nach einer Stunde seien die Bücher wegen Überzeichnung geschlossen gewesen, am Mittwoch sei die Emission zu 102,70 Prozent in den Handel gekommen. (21.02.2014/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,4236 € | 125,1945 € | 0,2291 € | +0,18% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



