Anleihen: "Nach der Wahl ist vor der Wahl"


05.07.24 17:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Analysten der Deutschen Bank werten den heutigen Freitag als einen "Jahrestag der besonderen Art", so die Deutsche Börse AG.

Vor exakt zwei Jahren sei die Renditedifferenz zwischen zehn- und zweijährigen US-Staatsanleihen ins Minus gerutscht. Eine solche "inverse Zinsstruktur" gelte als Vorbote einer Rezession, die bis heute aber ausgeblieben sei. Nach Ansicht von Chefanlagestratege Ulrich Stephan dürfte die Zinswende der FED "in den kommenden Monaten zu einer schrittweisen Normalisierung der Zinsstruktur führen".

Wann sich die Notenbanker in den USA zur ersten Zinssenkung durchringen würden, bleibe aber unklar. Das zur Wochenmitte vorgelegte Sitzungsprotokoll zeige keine klare Tendenz. "Vier FED-Mitglieder erwarten in diesem Jahr keine Maßnahmen, während acht sogar von zwei Zinssenkungen ausgehen", fasse Tim Oechsner von der Steubing AG zusammen. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen sei zu Wochenbeginn bis auf 4,49 Prozent gestiegen, bevor sie dann wieder auf 4,34 Prozent zurückgefallen sei.

"Steigende Wahlchancen für Donald Trump haben am US-Staatsanleihemarkt den bearishen Kräften Auftrieb verliehen", würden die Analysten der LBBW den anfänglichen Renditeanstieg erklären. Die jüngsten (schwachen) Konjunkturdaten hätten dann aber für einen "Schub bei den Spekulationen auf eine nahende Zinswende der US-Notenbank" gesorgt. Klaus Stopp von der Baader Bank glaube aktuell nicht daran, dass vor den US-Wahlen noch etwas passiere, auch wenn die Zinssenkungsfantasie durch die jüngsten Daten wieder etwas mehr an Aufmerksamkeit gewonnen habe. "Wenn die FED die Zinsen in diesem Jahr noch senken sollte, dann wahrscheinlich erst im Dezember", habe der Renten-Händler vermutet.

In der Eurozone sei nach den ersten Turbulenzen rund um die Wahlen in Frankreich etwas Ruhe eingekehrt. "Die größten Sorgen der Marktteilnehmer vor einer haushaltspolitischen Irrfahrt Frankreichs sind vorläufig beschwichtigt worden", konstatiere die LBBW. Die anfänglichen Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen seien zu gut einem Drittel wieder korrigiert worden. Am Sonntag kommt es in unserem Nachbarland zur entscheidenden Stichwahl, so die Deutsche Börse AG. Zuvor habe in dieser Woche laut Händlern der ICF Bank ein "Stimmungstest am Anleihemarkt" angestanden. Das Finanzministerium habe insgesamt 10,5 Mrd. Euro über verschiedene Anleihen mit bis zu 40 Jahren Laufzeit beschafft.

Im Segment der Unternehmensanleihen sei neues Angebot aktuell etwas rar gesät. "Neuemissionen gab es kaum mehr", berichte Oechsner. Bei der ICF Bank würden Händler auf eine neue Anleihe der The Platform Group mit einem Zinssatz von 8,875 Prozent und einer Laufzeit bis Juli 2028 verweisen. Das leicht über dem Ausgabekurs von 100 Prozent notierende Papier sei mit einer "privatanlegerfreundlichen Stückelung" von 1.000 Euro nominal ausgegeben worden.

Im ersten Halbjahr sei die Emissionstätigkeit der Firmen vergleichsweise hoch gewesen. Das Angebot am Primärmarkt für Unternehmensanleihen sei im ersten Halbjahr nach Auswertung der DZ Bank um 38,4 Prozent auf 288 Mrd. Euro gestiegen. "Die fast ununterbrochen positive Stimmung am Euro-Kapitalmarkt haben viele Unternehmen genutzt, um ihren Refinanzierungsbedarf frühzeitig im Jahr zu decken, statt auf eventuell noch günstigere Rahmenbedingungen in den kommenden Monaten zu warten", würden die DZ-Experten berichten, die genau aus diesem Grund davon ausgehen würden, dass sich das Tempo in der zweiten Jahreshälfte abschwächen werde.

Die am Markt gehandelten Unternehmensanleihen würden weiter nachgefragt. Anleger*innen würden zum Beispiel die Ende Mai emittierte Anleihe (ISIN XS2828685631 / WKN A3LY39) von Grenke kaufen, die bis Mitte 2029 eine Rendite von 5,4 Prozent abwerfe. Das Unternehmen habe in dieser Woche gute Quartalszahlen veröffentlicht. Bei der ICF Bank stehe eine Anleihe (ISIN XS2815984732 / WKN A383N1) der Lufthansa mit einer Rendite von 3,9 Prozent auf dem Einkaufszettel der Kundschaft.

Bei der Steubing AG werde unter anderem eine Anleihe (ISIN XS2689049059 / WKN A351ZK) der aktuell mal wieder stark in der Kritik stehenden Deutschen Bahn gekauft. Auf den Kursverlauf des Rententitels hätten die jüngsten Diskussionen rund um die Probleme während der laufenden Fußball-Europameisterschaft keinen Einfluss gehabt. Bei einer Laufzeit bis Herbst 2027 und einem Kupon von 3,5 Prozent liege der Kurs bei rund 101 Prozent. Daraus folge eine Rendite von 3,0 Prozent. (05.07.2024/alc/a/a)





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NO0013256834 A383EW 106,50 € 66,25 €
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