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Anleihen: Sukuk auf dem Weg in den finanziellen Mainstream


27.07.18 13:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Anleger, die einen Teil ihres Portfolios in festverzinsliche Wertpapiere investieren wollen, haben ihre Aufmerksamkeit in der Vergangenheit stets vor allem auf herkömmliche Staats- und Unternehmensanleihen gerichtet. Dino Kronfol, CIO der Franklin Templeton Global Sukuk- und MENA Fixed Income-Strategien, ist der Ansicht, dass Sukuk (Anleihen, die die Anforderungen von islamischem Recht erfüllen) immer mehr Teil des finanziellen Mainstream werden.

Kronfol erkläre, warum dies keine übersehene Anlageklasse mehr sei, und räume mit einigen der Mythen über diesen Anlagebereich auf:

2017 habe der Markt für globale Schuldtitel mit einem Wachstum von 9,7% ein Allzeithoch von 237 Bio. USD erreicht. Aus Sicht der Experten von Franklin Templeton verschleiert diese Zahl allerdings eine noch viel interessantere Geschichte: Das Emissionsvolumen von Sukuk erhöhte sich während dieser Zeit um 45% auf insgesamt 97,9 Mrd. USD.

Nach Einschätzung der Experten von Franklin Templeton gibt es mehrere Faktoren, die die allgemeine Wahrnehmung im Hinblick auf Sukuk-Anlagen verändern und das bisherige Nischenprodukt in den finanziellen Mainstream befördern könnten. Zu diesen Treibern zähle neben umfangreichen Emissionen der Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC) auch die Teilnahme anderer Länder wie etwa Indonesien, Hongkong, Großbritannien, Pakistan und die Türkei. Auch in Nigeria seien bereits erste Sukuk auf den Markt gebracht worden.

Ungeachtet dieses Wachstums seien globale Sukuk in den Augen der Experten eine oft missverstandene Anlageklasse. Zu den Irrmeinungen, von denen Sukuk häufig betroffen seien, würden unter anderem die Vorstellungen zählen, dass Sukuk dem mit der Ölpreisvolatilität verbundenen Ereignisrisiko gegenüber besonders anfällig seien oder dass sie sich ausschließlich auf einige wenige geografische Regionen konzentrieren würden.

Ein Großteil der Emissionen im globalen Sukuk-Universum habe früher aus ölreichen Ländern der GCC-Region sowie aus Malaysia, einem weiteren ölexportierenden Land, gestammt. Dennoch belegen unsere Analysen, dass die Anlageklasse den Ölpreisen alles andere als hilflos ausgeliefert ist, so die Experten von Franklin Templeton. Genaugenommen sei die Korrelation zu Öl sogar recht gering. Die dreijährige Korrelation globaler Sukuk zu Rohöl liege bei 0,09 - in Wahrheit sei es also sehr unwahrscheinlich, dass Schwankungen der Ölpreise Auswirkungen auf den globalen Sukuk-Markt hätten.

Die Experten von Franklin Templeton würden zudem die Vorstellung infrage stellen, dass es sich bei Sukuk um eine illiquide Anlageklasse handelt. Einzelne Sukuk-Emissionen würden immer größer, und immer mehr von ihnen würden an Börsen notiert, um eine Möglichkeit zur Ergänzung von Portfolios zu bieten. Nach Erfahrung der Experten von Franklin Templeton nutzt eine immer größer werdende Anzahl von Anlegern Sukuk als Möglichkeit zur Steigerung der Diversifizierung in ihrem Portfolio oder als Chance, in Bereiche des Marktes zu investieren, in denen sie mit ihren herkömmlichen Anleihebeständen nicht engagiert sind.

Das zunehmende Interesse aus dem Ausland könnte nach Einschätzung der Experten von Franklin Templeton den Schlüssel zu weiterem Wachstum des globalen Sukuk-Markts darstellen. Angesichts der erhöhten Standardisierung innerhalb des breiteren islamischen Finanzsektors und der wachsenden Präsenz in nicht überwiegend muslimischen Ländern wie etwa Großbritannien und den USA würden die Experten davon ausgehen, dass zusätzliche ausländische Anlagen in Regionen, in denen Sukuk ausgegeben würden, zur weiteren Entwicklung der Branche beitragen würden.

Beispielsweise könnte China für die Zukunft globaler Sukuk eine wichtige Rolle spielen, da sich globale islamische Zentren wie etwa Malaysia in der Regel nach den Bedürfnissen chinesischer Anleger richten würden.

Die ersten globalen Sukuk seien 1990 in Malaysia begeben worden, und das Land sei bis heute einer der größten Märkte für Sukuk. Bislang seien die Aktivitäten am malaysischen Sukuk-Markt größtenteils auf Emissionen in Lokalwährung (Malaysischer Ringgit) beschränkt gewesen.

Die Experten von Franklin Templeton gehen davon aus, dass eine höhere Anzahl an Emissionen, die auf ausländische Währungen lauten, auf globaler Ebene für ein breiteres Publikum attraktiv sein könnte.

In Kombination mit einem von der Zentralbank unterstützten aufsichtsrechtlichen Reglement könnte dieser Ansatz Malaysia helfen, die von uns beobachtete ausländische Nachfrage zu bedienen und die Übernahme einer wirklich globalen Rolle am Sukuk-Markt zu fördern, so die Experten von Franklin Templeton.

Das volle Ausmaß des chinesischen Interesses an diesem Bereich sei bislang zwar noch nicht ganz klar, die Experten würden jedoch davon ausgehen, dass kurzfristig chinesische Immobilien- und Finanzdienstleistungsunternehmen zu den größten Emittenten zählen dürften.

Wenn es Malaysia gelinge, seinen Sukuk-Markt auf die ausländische Nachfrage auszurichten, könnte dies nach Einschätzung der Experten eine der Sukuk-Erfolgsgeschichten sein, die die Position islamischer Finanzansätze im Mainstream festige.

Die GCC-Länder und insbesondere Dubai würden ein weiteres, äußerst interessantes Anlageziel darstellen, in dem man echtes Potenzial für Wachstum bei Sukuk sehe.

Die Zahl der Sukuk-Emissionen sei in Malaysia weiterhin höher als in den GCC-Ländern, was vor allem darauf zurückzuführen sei, dass der inländische Markt tiefer sei und stärker entwickelte Versicherungs-, Pensions- und Vermögensverwaltungsbranchen aufweise. Allerdings würden die GCC-Länder ein zunehmend attraktives Zentrum für ausländische Anlagen in Shariah-konforme Anlageprodukte darstellen.

Einer der Hauptgründe hierfür sei die Tatsache, dass Sukuk-Emissionen in der GCC-Region in der Regel auf US-Dollar lauten würden bzw. an diesen geknüpft seien. Die Experten von Franklin Templeton sehen auch weiterhin ein zunehmendes Interesse lokaler Regierungsstellen an der Ausgabe von Sukuk, da sie zunehmend als tragfähige Finanzierungsoption bzw. als Möglichkeit zur Diversifizierung und somit zur Verringerung der Abhängigkeit von Öleinnahmen gesehen werden. Allein Saudi-Arabien habe im vergangenen Jahr mit seiner ersten auf US-Dollar lautenden Sukuk-Emission Kapital in Höhe von 9 Mrd. USD eingenommen - 1 Mrd. USD mehr als gemäß Regierungsangaben ursprünglich geplant gewesen seien.

Von den im laufenden Jahr verzeichneten Unternehmensemissionen in Höhe von 180 Mrd. USD hätten ca. 10 Mrd. USD aus der GCC-Region gestammt. Auch wenn die Branche weiter wachse, allerding mit einem geringeren Tempo, habe es sich die Regierung von Dubai zum Ziel gesetzt, die Stadt zur Welthauptstadt für islamisches Finanzkapital zu machen. Zur Erreichung dieses Ziels habe sie bereits konkrete Schritte unternommen. Nach Erachten der Experten könnte sich Dubai zu einem führenden globalen Zentrum für die Börsennotierung von Sukuk entwickeln.

Allgemein nehme die Anzahl globaler Sukuk-Emissionen zu. 2017 habe sich das Sukuk-Emissionsvolumen insgesamt auf 84 Mrd. USD belaufen, verglichen mit 71 Mrd. USD im Jahr 2016. Unserer Einschätzung nach befinden wir uns auf einem positiven Pfad und sind sehr gespannt, wie sich der Sukuk-Markt in diesem günstigen Umfeld weiter entwickeln wird, so die Experten von Franklin Templeton. Allerdings seien die Experten der Ansicht, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsbehörden, Regierungen und Branchenverbänden dazu beitragen könnte, diesen Investmentbereich stärker in den Mainstream zu befördern. (Ausgabe vom 25.07.2018) (27.07.2018/alc/a/a)