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Anleihen: Schwellenmarktverschuldung erscheint immer noch attraktiv


27.11.13 09:51
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleihenmärkte bewegten sich in letzter Zeit hin und her, so die Experten von Franklin Templeton.

Grund hierfür seien die Erwartungen der Anleger in Hinsicht auf die Pläne der FED zur Drosselung ihrer Maßnahmen gewesen. Die Experten würden diese Drosselung jedoch eher als Nebensache betrachten. Viel wichtiger sei die Frage der letztendlichen Normalisierung der Zinsen in den Industrieländern. Hier bestehe auch weiterhin eine unbehagliche Spannung zwischen dem sich verbessernden Wirtschaftswachstum und der Behebung der grundlegenden strukturellen Schwächen. Übertriebene Erwartungen, die Folgen der Änderungen des quantitativen Lockerungsprogramms der FED betreffend, könnten Anleger von den Fundamentaldaten staatlicher Kredite ablenken.

Das gleiche gelte für das Gerede über eine drohende weit reichende Krise in den Schwellenmärkten. Nach Meinung der Experten würden die Bedingungen, die zu der Asienkrise 1997/1998 oder die mexikanische "Tequila-Krise" von 1994 geführt hätten, derzeit nicht in den Schwellenmärkten existieren. So sei z. B. eine Wiederholung der erheblichen und unerwarteten, globalen geldpolitischen Straffungen, die zu der mexikanischen Krise geführt hätten, äußerst unwahrscheinlich.

Außerdem sei die Nutzung fester Wechselkurse in Schwellenländern weitgehend aufgegeben und durch variable Wechselkurse ersetzt worden. Feste Wechselkurse hätten damals zur externen Kreditaufnahme ermutigt und in den Jahren vor der asiatischen Krise zu einem unverhältnismäßigen Währungsrisiko sowohl im Finanz-, als auch im Unternehmenssektor geführt. Bei hoher Fremdwährungsverschuldung hätten die von den Krisen in den 1990er Jahren am schlimmsten betroffenen Nationen nur über unzureichende Reserven zur Bekämpfung von Spekulanten verfügt.

Heute sei die Situation ganz anders. In vielen Schwellenmärkten sei die externe Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt seit den 1990ern erheblich zurückgegangen. Variable Währungskurse und erhebliche Reserven bedeuten, Schwellenmärkte scheinen heute im Allgemeinen viel besser für eine Verteidigung aufgestellt zu sein als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten, so die Experten.

Bei der Bewertung der Spreads zwischen Staatsanleihen und verschiedenen festverzinslichen Vermögensklassen würden die Ansichten der Experten auch nach wie vor von den mittelfristigen Fundamentaldaten bestimmt. Zum Ende des dritten Quartals 2013 seien sie aufgrund des relativ schwachen Wachstums der emittierenden Länder und der Verschuldungsmetriken Benchmark Staatsanleihen gegenüber abgeneigt. Sie hätten sich stattdessen entschlossen die übergewichteten Positionen des Portfolios (gegenüber der Benchmark) bei bestimmten Gelegenheiten im Bereich Schwellenmarkt- und Unternehmenskredite, wo die Fundamentaldaten besser zu sein scheinen, fortzuführen.

Unternehmensanleihen würden den Experten besonders attraktiv erscheinen. Die Unternehmensbilanzen seien besser als zu Beginn der Finanzkrise 2008. Dabei würden viele Unternehmen über hohe Barbestände und Zinsdeckungsgrade verfügen. Die Spreads, die High-Yield-Anleihen gegenüber staatlichen Wertpapieren böten, würden einen Puffer ermöglichen. Dadurch werde High-Yield nach Ansicht der Experten relativ attraktiv.

Die Experten seien sich durchaus bewusst, dass ein breit gefächerter Ansatz bei Schwellenmarktanleihen nicht mehr zeitgemäß sei. Obwohl Schwellenmärkte generell über bessere finanzpolitische Profile verfügen würden als westliche Länder, habe sich ihr Wachstum verlangsamt. Die Experten hätten sich daher bei seinem Engagement, sofern möglich, auf Länder konzentriert, die über hohe Devisenreserven verfügen würden, ein Leistungsbilanzdefizit aufweisen würden, das sich verbessere oder einen Überschuss verzeichne sowie über eine niedrige externe Verschuldung und eine solide Geld- und Finanzpolitik verfügen würden.

Aufgrund der Erwartung, dass Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu steigen beginnen bzw. weiter steigen würden, würden die Experten auch weiterhin das Zinsrisiko durch Beibehaltung einer kurzen Duration steuern. Angesichts steigender Zinsen würden sie Barmitteln (der fundamentale Vermögenswert einer kurzen Duration) im Rahmen seiner Bestrebungen, die Portfoliorisiken auszugleichen, den Vorzug vor Staatsanleihen geben. (27.11.2013/alc/a/a)