Anleihen: Schuldenpläne lassen Zinsen steigen


27.06.25 14:42
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Nahostkonflikt bleibt großes Thema an den Märkten - diese Woche stehen die Zeichen aber auf Entspannung, so die Deutsche Börse AG.

"An den Finanzmärkten sei nach Beendigung der militärischen Auseinandersetzung zwischen Iran und Israel sowie den USA etwas Ruhe eingekehrt", berichte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Dennoch sei die Rendite der als sicher geltenden Bundesanleihen gestiegen, wie Anleihehändler Arthur Brunner von der ICF Bank bemerke. "Hintergrund ist die diese Woche bekannt gegebene Finanzplanung des Bundes. Vorgesehen sind neue Schulden in Höhe von 850 Milliarden Euro bis 2029." Die Neuemissionen würden somit stärker steigen als bislang erwartet.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege am Freitagmittag bei 2,57 Prozent nach 2,51 Prozent vor einer Woche, dreißigjährige würden wieder mit über 3 Prozent rentieren. "Die Renditeaufschläge, die die Peripherieländer wie Italien, Portugal und Griechenland gegenüber Bundesanleihen zahlen müssen, sind hingegen gefallen", erkläre Brunner.

Die Commerzbank gehe davon aus, dass die Bundrenditen nächste Woche aus ihrer Handelsspanne nach unten ausbrechen könnten. "Denn eine geringere Kerninflation im Euroraum, ein sich abkühlender US-Arbeitsmarkt und die auf dem Sintra-Forum der EZB getroffenen Aussagen dürften die Zinssenkungserwartungen eher verstärken", erkläre Analyst Erik Liem. Die Inflationsrate im Juni werde wohl erneut knapp unter dem EZB-Ziel von 2 Prozent liegen. Für den US-Arbeitsmarkt erwarte er zudem eine Abschwächung, was Zinssenkungen wahrscheinlicher machen würde. Für das am Montag beginnende Notenbanktreffen im portugiesischen Sintra rechne er zudem mit weiteren Impulsen für etwas niedrigere Renditen.

In den USA hätten Sorgen vor einer politischen Einflussnahme auf die Notenbankpolitik die Renditen bereits fallen lassen. "US-Präsident Trump will bereits im September oder Oktober einen Nachfolger für den von ihm scharf kritisierten Fed-Chef Powell bekanntgeben, dessen Amtszeit im nächsten Jahr endet", berichte Helaba-Analyst Wortberg.

Im Handel mit Unternehmensanleihen gehe es eher ruhig zu. "Das typische Sommerloch macht sich bemerkbar", erkläre Anleihehändler Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Weiter viel gekauft würden Bonds von Fraport mit Laufzeit bis 2032 (ISIN XS2832873355) und Fresenius bis 2030 (ISIN XS2482872251), die zu aktuellen Kursen Renditen von 3,45 Prozent und 2,68 Prozent bieten würden. Ebenfalls beliebt: ein auf US-Dollar lautender Langläufer von RWE mit 6,625 Prozent-Kupon und Fälligkeit 2075 (ISIN XS1254119750).

Von den hochverzinslichen Anleihen sei Daniel zufolge die Anfang des Monats begebene Anleihe der Homann Holzwerkstoffe mit 7,5 Prozent-Kupon und Fälligkeit 2032 (ISIN NO0013536169) diese Woche stark nachgefragt worden. "Der Kurs ist auf ein Hoch gestiegen", berichte der Händler. Die Rendite liege jetzt bei 7,21 Prozent. Reger Nachfrage würden sich Brunner zufolge auch die zwei Bonds der Beteiligungsgesellschaft Mutares (ISIN NO0012530965, ISIN NO0013325407) erfreuen, die bei Laufzeiten bis 2027 und 2029 jetzt 9,9 und 9,1 Prozent bieten würden. "Die Mutares-Beteiligung Magirus entwickelt sich gut", erkläre Brunner.

Die rückläufige Unsicherheit habe den Neuemissionsmarkt wieder belebt. "Es gab einiges an Neuemissionen, die auch überwiegend gut angekommen sind", bemerke Marcus Mielert von Oddo BHF. "Manche Emittenten, etwa Techem, haben aber auch übertriebene Zinsvorstellungen." Auch Brunner sehe eine rege Emissionstätigkeit: "Allerdings waren es vor allem Bonds mit Mindestanlage von 100.000 Euro."

Vorzeitig beendet worden sei am heutigen Freitag um 12.00 Uhr die Zeichnungsfrist für die erste Anleihe des Biotech-Unternehmens Formycon (ISIN NO0013586024), und zwar aufgrund hoher Nachfrage. Der Bond im nordischen Format mit einem geplanten Volumen von 50 Millionen Euro laufe bis 2029. Für den Zinssatz seien vorab Euribor zuzüglich 7 bis 7,5 Prozent genannt worden, die finale Marge werde heute auf Basis der Zeichnungsaufträge festgelegt. Die Notierungsaufnahme im Quotation Board (Open Market) der Frankfurter Wertpapierbörse sei weiterhin für den 9. Juli vorgesehen. Formycon - lange Zeit im Scale-Segment und jetzt im Prime Standard - produziere Biosimilars, also Nachahmerpräparate biotechnologisch hergestellter Arzneimittel. (27.06.2025/alc/a/a)





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