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Anleihen: Die Nervosität steigt
24.08.12 08:44
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Aufwärts ging es mit dem Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) in den vergangenen Handelstagen, so die Deutsche Börse AG.
Auf Wochensicht tendiere das deutsche Rentenbarometer deutlich fester und sei um über 160 Basispunkte von etwa 142 Punkten auf aktuell rund 143,60 Punkte gestiegen. Am gestrigen Donnerstag hätten Kurse um 143,80 Punkte ein mehrwöchiges Hoch markiert.
Gründe für diese Entwicklung gebe es genug, wie Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aufzähle. Die gespaltene Meinung innerhalb der EU hinsichtlich einer zeitlichen Streckung für die Umsetzung der geforderten Reformen Griechenlands gehöre beispielsweise dazu. Das spreche gegen eine schnelle und pragmatische Lösung für die Hellenen und erzeuge Unsicherheit im Kapitalmarkt. Die polemische Bürgschaft des griechischen Regierungschefs Samaras sei wenig hilfreich. Der habe zwar die private Rückzahlung der über 100 Mrd. Euro versprochen, mit denen Griechenland bei Deutschland in der Kreide stehe. "Die Frage ist aber, ob er das Geld wenn nötig auf seinem Girokonto hat", meine Blum.
"Immer häufiger wird ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung öffentlich thematisiert", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage zusammen. Auch die jüngsten diversen bilateralen Gespräche von Staatschefs aus dem Euroraum hätten zuweilen wie geheime Treffen und keinesfalls wie konzertierte Aktionen gewirkt. "Der griechischen Wirtschaft würde es ohne den Euro vermutlich besser gehen", meine Daniel. Auf dieses Szenario hätten offenbar Käufer der griechischen BIP-Wachstumsanleihe (ISIN GRR000000010 / WKN A1G1UW) spekuliert, die im Falle einer wirtschaftlichen Erholung Griechenlands eine Zinszahlung verspreche.
"Selbst das Bundesfinanzministerium spielt bereits offiziell eine Währungsunion ohne die Hellenen durch", beobachte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Zwar versuche man Alles, um dies zu verhindern, wolle im Fall eines Falles aber nicht unvorbereitet dastehen.
Selbst wenn sich die Staatschefs im Euroraum auf die gewünschte Dehnung der Auflagen für Griechenland um rund zwei Jahre einließen, würde der Schuldenberg dennoch ständig anwachsen. "Eine Auszeit für bestehende Verbindlichkeiten gibt es nicht." Allein von Ende März bis Anfang Juli sei die Verschuldung Griechenlands noch einmal um 23,3 Mrd. Euro auf 303,5 Mrd. Euro angestiegen, wie Stopp bemerke. "Deshalb ist eine plötzliche Gesundung des Patienten eher unwahrscheinlich."
Auch auf Seiten der Notenbanken würden sich die Geister bei der Griechenlandfrage scheiden. "Der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank erweist sich dabei als spannende Lektüre", empfehle Blum, verdeutliche er doch den tiefen Graben zwischen EZB und Bundesbank. "Eine gemeinsame expansive Lösung zur Schuldenkrise fehlt allein schon deshalb, weil ein "Weiter so" die Bundesanleihen stütze und damit dem Bund-Future helfe", vermute der Händler.
"Nach der Abstimmung auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank griff EZB-Chef Mario Draghi Bundesbankpräsident Jens Weidmann offen an", ergänze Klaus Stopp von der Baader Bank. "Die Bundesbank parierte die Attacke in ihrem Monatsbericht und formulierte erstmals die Risiken einer Staatspleite Griechenlands." Dies werde man also noch in Jahren nachlesen können, genau wie die damaligen Vorbehalte der Bundesbank zur Aufnahme der Hellenen in die Gemeinschaftswährung.
Die Woche im Anleihehandel sei von Erwartungen neuer Stützungskäufe der europäischen und US-Notenbank geprägt gewesen, wie Stopp bemerke. "Laut Sitzungsprotokoll der FED vom Juli spricht sich nun eine Mehrheit der Mitglieder für eine dritte Runde des Quantitative Easing, also eines neuen Anleihe-Kaufprogramms, aus." Eine Entscheidung für Bond-Käufe vonseiten der EZB während der kommenden Sitzung am 6. September könnte laut Stopp angesichts des fehlenden Urteils des Bundesverfassungsgerichts verfrüht sein. In dem Fall gehe die Rechnung so mancher Investoren wohl nicht auf.
Die steigende Skepsis habe die Bonds der Peripherie unter Druck gesetzt. Zudem hätten Glattstellungen mit Blick auf Neuemissionen in der kommenden Woche belastet, wie die Helaba berichte. Die Renditeschere italienischer, portugiesischer und spanischer Anleihen gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen sei um 12,2 bzw. 17 Basispunkte weiter auseinandergedriftet.
Ein festerer Euro und die positive Entwicklung vieler Fremdwährungsanleihen hätten Daniel zufolge in dieser Woche zu vermehrten Abflüssen geführt. "In diesem Segment war gut zu tun." Einige Anleger hätten ihre Gewinne bei Bonds mit Notierungen in Australische Dollar gesichert. Für eine KfW-Anleihe in Türkischen Lira (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) hingegen mit einem jährlichen Kupon von 7,75 Prozent und einer derzeitigen Rendite von rund 6,0 Prozent verbuche der Händler vermehrt Zuflüsse.
Die Kreditklemme scheine nach Auffassung von Brunner derzeit weniger ein Thema. "Die Reederei Möller-Maersk konnte sich problemlos 750 Mio. Euro am Markt besorgen, und das ohne Rating." Die Nachfrage sei riesig gewesen. Der weltweit zweitgrößte Logistikkonzern und die größte Aktiengesellschaft Dänemarks biete einen Kupon von 3,375 Prozent für die bis August 2019 laufende Anleihe (ISIN XS0821175717 / WKN A1G8WC).
Gute Umsätze verbuche Brunner zudem in einer IKB Nachranganleihe, die bei einer Restlaufzeit von knapp einem Jahr eine Rendite von 13,49 Prozent als Risikoprämie biete. (24.08.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Auf Wochensicht tendiere das deutsche Rentenbarometer deutlich fester und sei um über 160 Basispunkte von etwa 142 Punkten auf aktuell rund 143,60 Punkte gestiegen. Am gestrigen Donnerstag hätten Kurse um 143,80 Punkte ein mehrwöchiges Hoch markiert.
Gründe für diese Entwicklung gebe es genug, wie Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aufzähle. Die gespaltene Meinung innerhalb der EU hinsichtlich einer zeitlichen Streckung für die Umsetzung der geforderten Reformen Griechenlands gehöre beispielsweise dazu. Das spreche gegen eine schnelle und pragmatische Lösung für die Hellenen und erzeuge Unsicherheit im Kapitalmarkt. Die polemische Bürgschaft des griechischen Regierungschefs Samaras sei wenig hilfreich. Der habe zwar die private Rückzahlung der über 100 Mrd. Euro versprochen, mit denen Griechenland bei Deutschland in der Kreide stehe. "Die Frage ist aber, ob er das Geld wenn nötig auf seinem Girokonto hat", meine Blum.
"Immer häufiger wird ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung öffentlich thematisiert", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage zusammen. Auch die jüngsten diversen bilateralen Gespräche von Staatschefs aus dem Euroraum hätten zuweilen wie geheime Treffen und keinesfalls wie konzertierte Aktionen gewirkt. "Der griechischen Wirtschaft würde es ohne den Euro vermutlich besser gehen", meine Daniel. Auf dieses Szenario hätten offenbar Käufer der griechischen BIP-Wachstumsanleihe (ISIN GRR000000010 / WKN A1G1UW) spekuliert, die im Falle einer wirtschaftlichen Erholung Griechenlands eine Zinszahlung verspreche.
"Selbst das Bundesfinanzministerium spielt bereits offiziell eine Währungsunion ohne die Hellenen durch", beobachte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Zwar versuche man Alles, um dies zu verhindern, wolle im Fall eines Falles aber nicht unvorbereitet dastehen.
Selbst wenn sich die Staatschefs im Euroraum auf die gewünschte Dehnung der Auflagen für Griechenland um rund zwei Jahre einließen, würde der Schuldenberg dennoch ständig anwachsen. "Eine Auszeit für bestehende Verbindlichkeiten gibt es nicht." Allein von Ende März bis Anfang Juli sei die Verschuldung Griechenlands noch einmal um 23,3 Mrd. Euro auf 303,5 Mrd. Euro angestiegen, wie Stopp bemerke. "Deshalb ist eine plötzliche Gesundung des Patienten eher unwahrscheinlich."
"Nach der Abstimmung auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank griff EZB-Chef Mario Draghi Bundesbankpräsident Jens Weidmann offen an", ergänze Klaus Stopp von der Baader Bank. "Die Bundesbank parierte die Attacke in ihrem Monatsbericht und formulierte erstmals die Risiken einer Staatspleite Griechenlands." Dies werde man also noch in Jahren nachlesen können, genau wie die damaligen Vorbehalte der Bundesbank zur Aufnahme der Hellenen in die Gemeinschaftswährung.
Die Woche im Anleihehandel sei von Erwartungen neuer Stützungskäufe der europäischen und US-Notenbank geprägt gewesen, wie Stopp bemerke. "Laut Sitzungsprotokoll der FED vom Juli spricht sich nun eine Mehrheit der Mitglieder für eine dritte Runde des Quantitative Easing, also eines neuen Anleihe-Kaufprogramms, aus." Eine Entscheidung für Bond-Käufe vonseiten der EZB während der kommenden Sitzung am 6. September könnte laut Stopp angesichts des fehlenden Urteils des Bundesverfassungsgerichts verfrüht sein. In dem Fall gehe die Rechnung so mancher Investoren wohl nicht auf.
Die steigende Skepsis habe die Bonds der Peripherie unter Druck gesetzt. Zudem hätten Glattstellungen mit Blick auf Neuemissionen in der kommenden Woche belastet, wie die Helaba berichte. Die Renditeschere italienischer, portugiesischer und spanischer Anleihen gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen sei um 12,2 bzw. 17 Basispunkte weiter auseinandergedriftet.
Ein festerer Euro und die positive Entwicklung vieler Fremdwährungsanleihen hätten Daniel zufolge in dieser Woche zu vermehrten Abflüssen geführt. "In diesem Segment war gut zu tun." Einige Anleger hätten ihre Gewinne bei Bonds mit Notierungen in Australische Dollar gesichert. Für eine KfW-Anleihe in Türkischen Lira (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) hingegen mit einem jährlichen Kupon von 7,75 Prozent und einer derzeitigen Rendite von rund 6,0 Prozent verbuche der Händler vermehrt Zuflüsse.
Die Kreditklemme scheine nach Auffassung von Brunner derzeit weniger ein Thema. "Die Reederei Möller-Maersk konnte sich problemlos 750 Mio. Euro am Markt besorgen, und das ohne Rating." Die Nachfrage sei riesig gewesen. Der weltweit zweitgrößte Logistikkonzern und die größte Aktiengesellschaft Dänemarks biete einen Kupon von 3,375 Prozent für die bis August 2019 laufende Anleihe (ISIN XS0821175717 / WKN A1G8WC).
Gute Umsätze verbuche Brunner zudem in einer IKB Nachranganleihe, die bei einer Restlaufzeit von knapp einem Jahr eine Rendite von 13,49 Prozent als Risikoprämie biete. (24.08.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,4086 € | 125,1945 € | 0,2142 € | +0,17% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



