Anleihen: Immer mehr Hoffnungsschimmer


19.10.12 14:18
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es war eine Woche der Euro-Optimisten: Mehr und mehr setzt sich die Einschätzung durch, dass in Sachen Eurokrise das Schlimmste überstanden ist, so die Deutsche Börse AG.

Die Äußerung von Finanzminister Schäuble, Griechenland auf keinen Fall in die Insolvenz zu schicken, die Tatsache, dass die Ratingagentur Moody's - anders als S&P in der Vorwoche - Spanien nicht herabgestuft habe sowie wachsende Hoffnungen auf einen Hilfsantrag der Iberer hätten für gute Laune gesorgt. Das Interesse an den als sicher geltenden Bundesanleihen habe merklich abgekühlt.

"Befürchtet worden war, dass Moody's seine Einschätzung verschlechtern könnte und Spanien unter Investmentgrade herabstuft", erläutere die Commerzbank. Die Entscheidung sei mit einer verbesserten Lage in Spanien, der Reformbereitschaft der Regierung sowie dem Fortschreiten des Umbaus im Bankensektor begründet worden.

Der Zinsdruck auf Spanien habe dem entsprechend nachgelassen: Etwa habe das Land bei einer Versteigerung von zehnjährigen Anleihen am gestrigen Donnerstag einen Zinssatz von 5,46 Prozent zahlen müssen, im September seien es noch 5,67 Prozent gewesen. Auch italienische und portugiesische Staatsanleihen hätten profitiert, allerdings nicht ganz so deutlich.

Zur Stimmungsaufhellung am Markt hätten auch nachlassende Konjunktursorgen beigetragen: Etwa seien die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gestiegen, auch in den USA würden sich positive Wirtschaftsdaten häufen, etwa sei die Lage auf dem Immobilienmarkt nicht mehr ganz so desolat.

Wenig neue Impulse seien vom laufenden EU-Gipfeltreffen in Brüssel gekommen. "Bereits gestern hat Bundeskanzlerin Merkel zum Ausdruck gebracht, dass der EU-Gipfel wohl keine konkreten Entscheidungen hervorbringen wird. Er gilt eher als Vorbereitung für den Gipfel im Dezember", erkläre die Helaba. Im Streit über die Einführung einer gemeinsamen Bankenaufsicht habe man sich allerdings einigen können: Der rechtliche Rahmen solle nun bis Jahresende stehen, im Laufe von 2013 solle die Aufsicht dann unter dem Dach der Europäischen Zentralbank ihre Arbeit aufnehmen.

Am heutigen Freitag notiere der Euro-Bund-Future bei 139,82 Prozent und damit deutlich unter dem Wert von vor einer Woche bei 141,67 Punkten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen betrage 1,63 Prozent, am vergangenen Freitag seien es nur 1,46 Prozent gewesen.

Extrem beliebt seien derzeit Corporate Bonds. "Wir erleben im Moment eine Welle an Emissionen", melde Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Gerade auch Papiere mit einem "etwas interessanteren" Kupon seien hoffnungslos überzeichnet. Anleihen älteren Datums mit hohen Zinsen würden "durch die Bank gekauft".

Förtsch nenne als Beispiel die Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A, ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B, ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) von Air Berlin, die fest notiert hätten, obwohl die Fluglinie gezwungen sei, einen noch härteren Sparkurs einzuschlagen. "Anleger gehen offenbar aus Staatsanleihen heraus und setzen auf Unternehmensanleihen, weil diese höhere Zinsen bieten und manchem wohl auch sicherer erscheinen."

Die zuvor stark abgestraften Anleihen (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73, ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6) von SolarWorld hätten noch deutlicher zugelegt: Das bis 2017 laufende Papier, das Anfang September noch zu 18 Prozent über den Tisch gegangen sei, werde heute zu über 30 Prozent gehandelt.

Wie günstig sich solide Unternehmen im Moment finanzieren könnten, zeige der Fall Nestlé: Der Lebensmittelkonzern biete mit seiner neuen Anleihe (ISIN XS0844535442 / WKN A1HBEQ), die bis 2016 laufe und sich mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch für Privatanleger eigne, lediglich einen Kupon von 0,75 Prozent, wie Klaus Stopp von der Baader Bank melde.

Unterdessen sei eine Anleihe (ISIN DE000A1HA979 / WKN A1HA97) von SAF-HOLLAND am gestrigen Donnerstag bereits wenige Stunden nach Beginn des öffentlichen Angebots mit deutlicher Überzeichnung platziert und die Zeichnung vorzeitig geschlossen worden.

Die Anleihe des Zulieferers für die LKW- und Trailer-Industrie laufe fünfeinhalb Jahre und werde zu 7 Prozent verzinst. Privatanlegerorders seien einheitlich mit bis zu 3.000 Euro berücksichtigt worden. Seit dem heutigen Freitag könne die Anleihe an der Börse Frankfurt gekauft werden, gegen Mittag notiere sie bei 103 Prozent. Die Aufnahme in das neue Segment der Prime Standard-Anleihen sei für den 1. November geplant.

Mit Beruhigung in der Eurokrise sei auch der Drang der Anleger in Fremdwährungsanleihen gebremst worden. "Short-Positionen im Euro sind out", bemerke Stopp. Die Kursentwicklung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar belege die neue Einschätzung, dass der Euro nicht zusammenbrechen werde. "Dieser Trend spiegelt sich aber nicht nur gegenüber dem amerikanischen Greenback wider, sondern ebenso beim Australischen und Neuseeländischen Dollar."

Ähnliche Tendenzen gebe es auch bei der Türkischen Lira und dem Südafrikanischen Rand. Vor diesem Hintergrund komme es inzwischen vereinzelt zu Verkäufen bei ausgewählten Währungsanleihen. "Die sind aber vorerst nur als Gewinnmitnahmen zu verstehen." (19.10.2012/alc/a/a)






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