Anleihen-Handel durch Unsicherheit rund um US-Zinswende bestimmt


17.10.16 09:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Deutsche Börse AG stellt sich die Frage, ob das Jahr an den Märkten endet, wie es begonnen hat.

Enttäuschende Außenhandelszahlen würden laut Helaba Sorgen über den Zustand der chinesischen Wirtschaft schüren. "Das ist sie wieder, die Angst vor dem fallenden Sack Reis in China", würden die Analysten der Landesbank die Reaktion an den Märkten auf die Nachricht beschreiben.

Im Umkehrschluss erhalte die US-Notenbank nun wieder ein schlagkräftiges Argument, die Normalisierung ihrer Geldpolitik erneut zu verschieben. Die nur sehr vagen Andeutungen im Protokoll der letzten Sitzung hätten sowieso darauf hingedeutet, dass die Gegner einer Zinserhöhung dem Arbeitsmarkt nicht trauen würden und die Inflation nachhaltig über 2 Prozent sehen möchten. Hingegen scheinen Anleger nach wie vor mehrheitlich von einer Dezembererhöhung auszugehen, so die Deutsche Börse AG. Bloomberg habe am Freitagmorgen die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt zum Ende des Jahres mit 66 Prozent beziffert, wobei sich Investoren von einer Rede der US-Notenbankchefin Janet Yellen am Freitagabend in Boston mehr Klarheit erhofft hätten.

"Der Einbruch der chinesischen Exporte um 10 Prozent hat Rentenwerten Auftrieb gegeben", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank, wobei der Euro-Bund-Future die Verluste vom Wochenbeginn nicht habe wettmachen können. "Allerdings hatten zuvor deutsche Exportzahlen mit einem Anstieg von 5,4 Prozent im August gegenüber dem Vormonat die Bunds unter Druck gesetzt", erinnere Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. In der Vorwoche hätten zehnjährige Bundesanleihen ausgelöst durch Spekulationen über eine mögliche Reduzierung der monatlichen Anleihen-Käufe durch die EZB ebenfalls deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Von seinem Hoch bei 166,36 Prozent Ende September sei das hiesige Rentenbarometer bei einem Stand von 163,43 Prozent mittlerweile weit entfernt.

Gegenüber deutschen zehnjährigen Bundesanleihen hätten sich in den vergangenen Handelstagen die Spreads für Bonds der Peripherie geweitet, wie Brunner bemerke. Der Händler führe dies unter anderem auf das anstehende Rating für Portugal zurück. DBRS sei die einzige der vier maßgeblichen Ratingagenturen, die den Südeuropäern mit BBB- noch ein Investmentgrade zugestehe. "Für Portugal ist die Bestätigung der Kreditwürdigkeit durch die Kanadier deshalb so wichtig, weil die EZB ansonsten keine portugiesischen Bonds mehr in ihr Anleihen-Kaufprogramm einbeziehen dürfte." Ebenso könne die EZB bei Aberkennung der Bonitätsstufe die Bonds des Landes nicht mehr als Sicherheit akzeptieren.

In der letzten Woche hätten sich einige Kreditnehmer mit der Aufstockung bestehender Anleihen an den Kapitalmarkt gewendet. "Viele setzen bei dem günstigen Zinsumfeld auf längerfristige Bonds", beobachte Brunner. Etwa habe Österreich eine Anleihe (ISIN AT0000A1K9F1 / WKN A18X6Q) erhöht und bis 2047 verlängert. Das Land biete Anlegern einen jährlichen Kupon von 1,015 Prozent.

Ein so genannter Methusalem-Bond des italienischen Staates mit einer Laufzeit von 50 Jahren und einem jährlichen Zins von 2,8 Prozent sei bei Anlegern ebenfalls auf Gegenliebe gestoßen. Mit der Emission reihe sich Italien in die Gruppe von inzwischen mehreren ein, die sich die extrem niedrigen Zinsen für ein halbes Jahrhundert gesichert hätten.

Klaus Stopp berichte von einem Angebot der Australier, die dem Baader Bank-Analysten zufolge erstmalig eine Staatsanleihe mit über 30 Jahren Laufzeit begeben hätten. Der 7,6 Milliarden AUD (Australischer Dollar) schwere Wert (ISIN AU000XCLWAS7 / WKN A187U8) biete einen Zins von 3 Prozent im Jahr mit sechsmonatlicher Begleichung. Rückzahlung sei für ist März 2047 geplant. "Der Ausgabepreis liegt bei 94,82 Prozent."

Im Handel mit Corporate Bonds mache Gregor Daniel stetige Käufe einer Nordea Bank-Anleihe mit einem Kupon von 0,443 Prozent. Der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank vermute einen Zusammenhang mit einer möglichen vorzeitigen Kündigung zum 17. März 2017. Seit Monatsbeginn habe der Wert von 58,0 auf 61,86 Prozent hinzugewonnen.

Abgabedruck registriere Brunner bei einer Nord LB-Nachranganleihe (ISIN DE000NLB8K69 / WKN NLB8K6) mit einem Kupon von 3,0 Prozent und Fälligkeit im März 2026. Brunner verbuche die Bewegungen im gesamten Bankensektor unter Gewinnmitnahmen anlässlich der Diskussionen rund um die Deutsche Bank. Seit Dienstag habe die Nord-LB Anleihe von 103,5 auf etwas unter 100 Prozent nachgegeben.

Die rege Nachfrage nach einem bis 2021 laufenden Papier (ISIN DE000A2AA055 / WKN A2AA05) der Deutschen Rohstoff mit einem Kupon von 5,625 Prozent sehe Brunner in Verbindung mit der Erholung beim Ölpreis. Ebenso käme ein Bond (ISIN XS1114477133 / WKN A1ZQDF) der BP mit jährlich 1,526 Prozent und Rückzahlung im September 2022 bei Anlegern derzeit besonders gut an.

Bei Stopps Kunden stünden Anleihen des Chemiekonzerns BASF hoch im Kurs. Ein bis 2021 laufender Wert (ISIN XS0883560715 / WKN A1R02B) mit einer aktuellen Rendite von minus -0,04 Prozent lande ebenso in den Anlegerdepots wie ein bis Oktober 2031 laufender Bond (ISIN DE000A2BPA51 / WKN A2BPA5) der Ludwigshafener mit einer gegenwärtigen Rendite von etwa 1,04 Prozent. "Trotz eines kräftigen Umsatz- und Gewinneinbruchs, der auf den Verkauf seiner Erdgashandelsaktivitäten zurückgeht, hält das Unternehmen an seinen Zielen für das laufende Jahr fest", begründe der Händler die Nachfrage.

Eine im September fällige und mit 7,5 Prozent Zinsen ausgestattete Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) sei laut Brunner weiterhin gefragt. Seit Ende September habe sich der Wert von 33 Prozent auf derzeit 41 Prozent spürbar erholt. "Nach all dem Trubel rund um die Insolvenz von Unister scheine die Tochtergesellschaft einen eigenen Weg des Überlebens gefunden zu haben. "Im September wurde der Kupon für den Bond fristgerecht bezahlt", erinnere Brunner. (Ausgabe vom 14.10.2016) (17.10.2016/alc/a/a)





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