Anleihen-Handel: Das drei Wochen alte FED-Protokoll dreht die Stimmung am Markt


28.11.22 11:56
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nachdem das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung ein gemächlicheres Zinserhöhungstempo in Aussicht gestellt hat, sind die Renditen am Anleihemarkt gesunken, so die Deutsche Börse AG.

Die zehnjährige Bund-Rendite sei zeitweise auf 1,795 Prozent gefallen - das sei der niedrigste Stand seit Anfang Oktober. Zuletzt notiere sie bei 1,88 Prozent. Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) stehe bei 141,82 Punkten (25.11.2022).

"Die Stimmung hat sich aufgehellt, nachdem die FED ein etwas gemäßigteres Tempo bei der Zinswende angedeutet hat", fasse Tim Oechsner von Steubing die Lage am Anleihenmarkt zusammen. Es würden nach seiner Einschätzung jedoch Zweifel bleiben, ob die US-Notenbank tatsächlich wegen des nachlassenden Preisauftriebs das Tempo ihrer Zinserhöhungen drossele und in welchem Maße. "Damit bleibt es spannend, und die Risikoneigung wechselt von Tag zu Tag."

Die Veröffentlichung des EZB-Pendants zum FED-Protokoll habe hingegen keine signifikanten Marktreaktionen nach sich gezogen. Ein weiterer großer Zinsschritt von 75 Basispunkten der EZB bei der nächsten Sitzung im Dezember werde nach Einschätzung von Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank unwahrscheinlich. "Genau dies erwarten die Marktteilnehmer bereits mehrheitlich seit der letzten EZB-Sitzung."

"Die Märkte hängen so sehr an den Notenbanken, dass schon kleine Lichtblicke Feierlaune auslösen", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank die Marktreaktion. Sie würden hoffen, dass der so genannte ausgeglichene Zins, der die Inflation einbremst und zugleich die Wirtschaft trage, am Ende des Zinserhöhungszyklus nicht so hoch sein werde wie noch vor wenigen Wochen befürchtet.

Allerdings sei die deutsche Zinsstrukturkurve indessen so invers wie seit 1992 nicht. Das bedeute, dass die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen so weit über dem Niveau der kurzlaufenden Bundrenditen lägen wie seit 30 Jahren nicht. "Am langen Ende bei den zehnjährigen Renditen ist der Rückgang im Vergleich zur Vorwoche besonders deutlich", kommentiere Brunner. Das heiße, die Anleger seien weniger optimistisch für die konjunkturelle Zukunft:

"Mit der Zinskurve bestätigen sich - trotz der gerade besser als erwartet ausgefallenen Aussichten des ifo-Geschäftsklimas - die Rezessionssignale", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank.

Die Anleger würden folglich vorsichtig bleiben und sich nach Einschätzung von Brunner nicht auf lange Laufzeiten festlegen: "Bei hochverzinsten Mittelstandanleihen sind Laufzeiten von fünf bis maximal sechs Jahren gefragt." Eine Anleihe (ISIN DE000A30V3F1 / WKN A30V3F) von Katjes Greenfood über mit 8 Prozent Kupon und fünf Jahren Laufzeit sei bei großen Umsätzen von 100 auf 102,30 Prozent gestiegen. "Die Nachfrage ist groß, das ist schon jetzt eine Erfolgsgeschichte."

Von überdurchschnittlichen Kurssteigerungen zweier Papiere von Metalcorp berichte Oechsner. Der Kurs der Metalcorp-Anleihe, die im Oktober 2022 fällig gewesen wäre, habe sich von 33 auf 68 Prozent innerhalb eines Monats verdoppelt. In der letzten Woche hätten die Inhaber*innen der Anleihe einer Laufzeitverlängerung um ein Jahr bis Oktober 2023 zugestimmt. Zugleich werde der Kupon von 7 auf 8,5 Prozent pro Jahr erhöht. Der Kurs einer anderen Metalcorp-Anleihe (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP) mit 8,5 Prozent Kupon und Laufzeit 2026 habe von 29 Prozent auf zeitweise 57,85 Prozent zugelegt. Aktuell notiere das Papier bei 52,50 Prozent (25.11.2022).

Brunner sehe außerdem etliche Kauforders für Fresenius-Papiere (ISIN XS2530444624 / WKN A30VPB) mit 3,875 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2027 sowie eine Anleihe (ISIN DE000A1684V3 / WKN A1684V) der Deutschen Börse AG, die bis 2025 laufe und 1,625 Prozent Verzinsung aufweise.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von Käufen, wie in der Vorwoche, einer Mercedes-Anleihe (ISIN DE000A2R9ZU9 / WKN A2R9ZU), die 0,625 Prozent Kupon habe, und von reger Nachfrage nach Bankanleihen. Auch in seinen Büchern würden überschaubare Laufzeiten dominieren: Ein Schuldpapier (ISIN XS1614198262 / WKN A19HNC) von Goldman Sachs, das bis 2024 mit jährlich 1,375 Prozent Kupon aufwarte, werde in die Depots genommen. Anleger*innen würden auch Papiere (ISIN DE000DL19VD6 / WKN DL19VD) der Deutschen Bank kaufen, die ebenfalls mit 1,375 Prozent Verzinsung ausgestattet seien und eine Laufzeit bis 2026 hätten.

Neu am Markt sei eine Anleihe (ISIN XS2558395351 / WKN A3LBKB) der EnBW. "Mit einer Stückelung von 1.000 ist sie für Privatanleger geeignet und wird auch - wenn auch etwas verhalten - gekauft", berichte Daniel. Verkauft werde hingegen eine HELLA-Anleihe. "Bei einem Kupon von 1 Prozent schichten Anleger hier möglicherweise in höher verzinste Papiere um." Insgesamt seien die Umsätze der Woche gut, berichte Daniel. (Ausgabe vom 25.11.2022) (28.11.2022/alc/a/a)





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