Anleihen-Handel: Die Zinsen steigen


24.09.18 11:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eventuell noch stärker ansteigende Zinsen in den USA und die ausbleibende Emerging Markets-Krise bremst die Nachfrage nach Bundesanleihen, so die Deutsche Börse AG.

Der Euro-Bund-Future als wichtiges Rentenbarometer zeige sich schwächer und habe am Freitagmittag bei 158,88 gelegen nach 159,47 Punkten vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen hätten am Mittwoch mit 0,49 Prozent rentiert, aktuell seien es 0,46 Prozent nach 0,42 am 14. September.

Die Rendite für US-Treasuries mit zehnjähriger Laufzeit sei in der letzten Woche wieder über die 3-Prozent-Marke geklettert - zum ersten Mal seit Mai dieses Jahres. Aktuell seien es 3,07 Prozent. "Die Diskussion um eine stärkere Straffung der US-Geldpolitik dürfte Bundesanleihen angesichts der anstehenden FED-Sitzung auch in der kommenden Woche belasten", meine Markus Koch von der Commerzbank. Die Bank halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass die Rendite zehnjähriger Bunds die Widerstandslinie bei 0,5 Prozent nachhaltig überschreiten werde.

Für die Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch werde am Markt fest von einer Anhebung der FED Funds Rate um 25 Basispunkte auf dann 2 bis 2,25 Prozent ausgegangen. Mit einer weiteren Leitzinsanhebung werde für die Sitzung Ende des Jahres gerechnet, für das kommenden Jahr werde nun zunehmend über drei statt zwei Zinsanhebungen spekuliert.

Die Commerzbank gehe davon aus, dass die Leitzinsen bei etwa 3 Prozent ihren Gipfel erreichen würden. "Eine Rede von Lael Brainard, Mitglied des FED Board, sät daran allerdings Zweifel", berichte Analyst Bernd Weidensteiner. Schwäche sich der Arbeitsmarkt nicht bald ab, könne die FED durchaus stärker bremsen. "Dies würde die US-Wirtschaft belasten, den US-Dollar stärken und die Gefahr einer Emerging Market-Krise erhöhen."

Die deutliche Zinserhöhung in der Türkei in der vorvergangenen Woche sei zwar an den Märkten gut angekommen, die Krise sei aber nicht ausgestanden. In der letzten Woche habe das Land die Wachstumsprognosen für 2019 gesenkt. Während man für das laufende Jahr noch von einem Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent ausgehe, werde 2019 nur noch mit einem Plus von 2,3 Prozent gerechnet.

"Die Türkei interessiert hier aber niemanden mehr", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Auch Brunner zufolge seien die Umsätze in türkischen Anleihen deutlich zurückgegangen. "Es ist gar nichts mehr los."

Für Klaus Stopp von der Baader Bank habe die Leitzinserhöhung nur eine kurze Atempause verschafft. "Für die Zentralbank war die Zinsentscheidung zwar ein wichtiger Schritt, ob sie sich auf Dauer unabhängig von Erdogan halten kann, muss sich erst noch zeigen", meine Stopp. Die Probleme der Türkei seien nicht allein der Zentralbank geschuldet. Eine große Rolle spiele die hohe Auslandsverschuldung und das schwache Wirtschaftswachstum.

Um Italien sei es ruhig geworden. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen sei auf 2,87 Prozent gefallen, Ende August seien es noch 3,24 Prozent gewesen. "Das liegt daran, dass die Regierung nun doch Haushaltsdisziplin zeigt", meine Brunner.

Im Handel mit Corporate Bonds bleibe laut Brunner die Anleihe (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) von Ferratum Capital Germany, die bis 2022 laufe und einen Kupon von 5,5 Prozent biete, gut nachgefragt. Ein großen Kurssprung nach oben hätten Rallye SA-Papiere gemacht. "Das Unternehmen hat einen Kredit von 500 Millionen Euro erhalten", erkläre Brunner. Mittlerweile werde darüber hinaus die Douglas-Anleihe (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) wieder nachgefragt, die zuvor unter schlechten Geschäftszahlen gelitten habe. "Jetzt finden sich wieder Käufer."

Daniel melde gute Umsätze in einer STADA-Anleihe - in beide Richtungen. Viel gekauft worden sei dem Händler zufolge unterdessen ein Lufthansa-Langläufer, der 5,125 Prozent biete und 2075 fällig werde. Deutlich Federn lassen müssen habe am letzten Freitag ein Bond von Nyrstar Netherlands mit Kupon von 8,5 Prozent, der im September 2019 zurückgezahlt werde. "Nystar hat eine Gewinnwarnung herausgegeben und wurde von Moody's zurückgestuft, die Aktie ist im Sinkflug." Die Anleihe des Bergbaukonzerns habe am Donnerstag noch 102 Prozent gekostet, am Freitag seien es unter 90 Prozent gewesen.

Derzeit gebe es viele Neuemissionen, allerdings vor allem mit Stückelung von 100.000 Euro. Ausnahme bilde die Deutsche Bahn mit einer Anleihe (ISIN XS1885608817 / WKN A2NBF1) mit Kupon von 1,375 Prozent und Laufzeit bis 2028, die anfangs zu 98,80 Prozent angeboten worden sei und aktuell bei 99,3 zu 99,5 Prozent gehandelt werde, wie Brunner melde. "Die Nachfrage ist gut."

Daniel berichte von einer Neuemission (ISIN AT0000A22H40 / WKN A2RRR9) von CA Immobilien mit 1.000 Euro-Stückelung, Kupon von 1,875 Prozent und Laufzeit bis 2026. (Ausgabe vom 21.09.2018) (24.09.2018/alc/a/a)





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