Anleihen-Handel: Zinsen auf immer neuen Tiefs


14.06.19 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Geopolitische Unsicherheiten wie aktuell der Angriff auf Öltanker im Golf von Oman, für die die USA Iran verantwortlich machen, Konjunktursorgen sowie Spekulationen auf eine US-Leitzinssenkung prägen den Anleihenhandel, so die Deutsche Börse AG.

"Der Druck von Donald Trump auf die US-Notenbank scheint Früchte zu tragen", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. "Mittlerweile erwartet man am Markt für Juli eine Leitzinssenkung von 0,25 Prozentpunkten."

So würden die Zinsen weiter fallen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege aktuell bei minus 0,26 Prozent - so niedrig wie noch nie. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen würden sinken, mit aktuell 2,06 Prozent würden sie sich der 2 Prozent-Marke nähern. Zum Vergleich: Im Oktober und November 2018 seien es noch über 3 Prozent gewesen.

Für weiterhin viel Unruhe sorge Italien mit zu hohen Schulden sowie dem Vorschlag des stellvertretenden Ministerpräsidenten Salvini, so genannte Mini-Bots einzuführen. Dabei handle es sich um Minischuldscheine, mit denen der Staat Rechnungen begleichen wolle. Empfänger sollten sie nutzen können, um Steuerschulden zu zahlen. EZB-Chef Draghi habe dazu klar geurteilt: Mini-Bots seien entweder Schulden und müssten bei der Berechnung des Defizits berücksichtigt werden oder sie seien Zahlungsmittel und damit gemäß EU-Recht illegal.

Italienische Staatsanleihen würden dennoch gesucht bleiben. "Die Nachfrage für die gestern emittierte Anleihe (ISIN IT0005377152 / WKN A2R3SQ) mit Laufzeit bis 2040 und Kupon von 3,1 Prozent war riesig", stelle Brunner fest. Zehnjährige Papiere würden aktuell mit 2,32 Prozent rentieren und damit weit unter den 3,5 Prozent vom Herbst 2018. Allerdings lägen die Renditen vergleichbarer Länder wie Spanien oder Portugal für diese Laufzeiten mittlerweile nur noch bei 0,50 bzw. 0,61 Prozent. Selbst für Griechenland seien es mit 2,67 Prozent nur unwesentlich mehr als für Italien.

Neuemissionen habe es in dieser Woche zuhauf gegeben. "Unternehmen und Staaten nutzen wegen der Erwartung wieder sinkender Zinsen die Gunst der Stunde", erkläre Brunner. So sei VW Leasing mit zwei Papieren mit Stückelung von 1.000 Euro auf den Markt gekommen: Das eine (ISIN XS2014291616 / WKN A2GSFX) sei 2026 fällig und biete 1,5 Prozent, das andere (ISIN XS2014292937 / WKN A2GSFW) 2022 und 0,5 Prozent.

Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von einer neuen Anleihe (ISIN DE000A2YNQW7 / WKN A2YNQW) des Industriedienstleisters Bilfinger. Diese sei 2024 fällig und biete 4,5 Prozent im Jahr, weise aber eine Stückelung von 100.000 Euro auf. "Die Nachfrage ist gut, nach anfänglich 99,45 Prozent liegt der Kurs mittlerweile bei 103,9 Prozent."

Im Sekundärmarkthandel gehe es in dieser Woche hingegen ruhig zu. Gefragt sei eine bis 2027 laufende Anleihe (ISIN DE000A2YB7B5 / WKN A2YB7B) des Auto- und Maschinenbauzulieferers Schaeffler mit Kupon von 2,875 Prozent, wie Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank melde. Weiter gut ankomme laut Brunner außerdem die vor kurzem emittierte fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A2TSEB6 / WKN A2TSEB) von Joh. Friedrich Behrens mit Kupon von 6,25 Prozent, die mittlerweile zu 103 Prozent gehandelt werde.

Gesucht bleiben würden laut Petz außerdem auf US-Dollar lautende Bonds, etwa von Kraft Heinz (ISIN US50076QAZ90 / WKN A1HD49) oder der Citigroup. Die erste biete 3,5 Prozent bis 2022 die zweite 3,3 Prozent und laufe bis 2025. (14.06.2019/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
99,765 € 99,749 € 0,016 € +0,02% 17.04./13:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS2014291616 A2GSFX 99,86 € 98,44 €
Werte im Artikel