Anleihen-Handel: Überraschend starker Zinsanstieg


23.04.18 11:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Anleihemarkt ist unter Druck, so die Deutsche Börse AG.

Auslöser sei unter anderem der Ölpreis, der Inflationssorgen schüre: Ein Barrel der Nordseesorte Brent habe am Donnerstagabend 74,35 US-Dollar gekostet - so viel wie seit Dezember 2014 nicht mehr. Am Freitagmorgen seien es immer noch 73,80 US-Dollar gewesen. Zudem habe die US-Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht, dem Beige Book, die Aussichten der US-Wirtschaft als solide eingestuft, trotz des Handelskonflikts. Positiv habe dann noch am letzten Donnerstag der aktuelle Philly-FED-Index überrascht, ein wichtiges Barometer für das US-Geschäftsklima. Zuvor hätten einige Stimmungsindikatoren in den USA und auch in Europa nach unten gedreht.

"Für Deutschland haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahresgutachten die Prognose für das Wirtschaftswachstum 2018 von 2 auf 2,2 Prozent und für 2019 von 1,8 auf 2 Prozent angehoben", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. "Und zwischen Nordkorea und den USA sieht es nach Entspannung aus." So sei die Angst an den Märkten geringer geworden.

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe am Freitagmorgen bei 158,14 nach 159 Prozent vor einer Woche notiert. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder mit knapp 0,6 Prozent rentieren, noch am Mittwoch seien es zwischenzeitlich 0,5 Prozent gewesen. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries sei am Donnerstag über 2,9 Prozent gestiegen, das sei der höchste Stand seit acht Wochen gewesen. Zweijährige Treasuries würden mit 2,43 Prozent rentieren, hier falle der Anstieg noch kräftiger aus.

Neue geldpolitische Signale könnten von der am Donnerstag anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank kommen. "Der EZB-Rat dürfte zum ersten Mal diskutieren, wie er seine Geldpolitik ab dem Herbst fortsetzt", erkläre Michael Schubert von der Commerzbank. Beschlüsse erwarte er aber noch keine, auch weil die Wirtschaftsindikatoren für den Euroraum zuletzt eher enttäuscht hätten. Auch die gefallenen Stimmungsindikatoren sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China sprächen für eine abwartende Haltung. "Präsident Draghi hat erst letzte Woche betont, das rückläufige Vertrauen infolge des Handelskonflikts könne in den kommenden Monaten "sehr wichtig" werden."

Auch die HSH Nordbank gehe nicht davon aus, dass die Notenbank schon auf dieser Sitzung den Ausstieg aus dem Anleiheankaufprogramm ankündigen werde. "Allerdings könnte sie weitere "Minischritte" in diese Richtung gehen, indem sie beispielsweise die Anbindung der Anleihekäufe an eine anziehende Inflationsrate kappt", meine Sintje Boie. Die Ankündigung zum QE-Ausstieg werde wohl erst auf der Juni-Sitzung erfolgen.

Zwischenzeitlich unter Druck gerieten Anleihen (ISIN XS0483954144 / WKN A1AS1P, ISIN XS1637276848 / WKN A19KJB) aus Zypern wegen der Luftangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf Syrien, wie Brunner feststellt. "Dann kam es aber zu einer Erholung."

Unternehmensanleihen entwickelten sich Brunner zufolge parallel zu Staatsanleihen. "Die Spreads sind unverändert." Zu höheren Umsätzen mit Corporate Bonds führe das nicht. "Auf den Handel mit Unternehmensanleihen wirkt sich der Renditeanstieg bei den Staatspapieren nicht aus", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Weiter hohe Umsätze sehe Brunner in der BayWa-Anleihe - in beide Richtungen. Die Rendite der Anleihe mit Kupon von 4,25 Prozent liege aktuell bei 3,89 Prozent (20.04.2018).

Eine Neuemission (ISIN XS1810653540 / WKN A19ZL2) in privatanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro gebe es vom Baustoffkonzern HeidelbergCement, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. Der Kupon liege bei 1,75 Prozent, das Papier sei im April 2028 fällig.

Neues komme auch von J.P. Morgan: Die US-Bank habe eine Anleihe (ISIN US46647PAR73 / WKN JPM5PU) mit 2.000 US-Dollar-Stückelung, einem Zins von 4,005 Prozent und Laufzeit bis April 2029 auf den Markt gebracht, wie Daniel berichte. "Viel Umsatz sehen wir hier aber noch nicht."

Seit dem letzten Donnerstag in der Zeichnung befinde sich eine neue Anleihe (ISIN DE000A2GSSP3 / WKN A2GSSP) des Immobilienentwicklers EYEMAXX Real Estate im Volumen von 30 Millionen Euro und Stückelung von 1.000 Euro. Der Kupon liege bei 5,5 Prozent, die Anleihe laufe bis zum April 2023. Die Notierungsaufnahme im Quotation Board der Börse Frankfurt sei für den 26. April geplant. (Ausgabe vom 20.04.2018) (23.04.2018/alc/a/a)





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