Anleihen-Handel: Renditen bleiben aufwärts gerichtet


16.01.17 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Für den Rentenmarkt hat der Jahresauftakt scheinbar noch keine wegweisenden Signale geliefert, so die Deutsche Börse AG.

"Die Orientierungsphase ist noch nicht abgeschlossen, die Händler sind auf der Suche nach dem Trend 2017 bisher nicht fündig geworden", beschreibe Klaus Stopp von der Baader Bank und mache dies an der unschlüssig anmutenden Bewegung beim Euro-Bund-Future fest. Nach 164,94 Prozent Anfang Januar habe das deutsche Rentenbarometer eine Woche später mit 162,47 Prozent das bisherige Jahrestief markiert, bevor es nach der Rede von Donald Trump wieder über die Marke von 164 Prozent geklettert sei.

"Bislang hat der künftige US-Präsident noch kein Konzept vorgelegt", begründe Arthur Brunner von der ICF Bank die erneute Unsicherheit der Investoren. Mittlerweile sei der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen auf 163,78 Prozent zurückgekommen. Damit hätten zehnjährige Bundesanleihen eine Rendite von 0,132 Prozent erreicht.

2017 werde nach Ansicht von Steven Major für Anleihen generell kein einfacher Weg. Inflationsangst werde vermutlich Aufwärtsdruck für Bundrenditen generieren. Bis Ende des dritten Quartals rechne der Rentenanalyst der HSBC mit einem Anstieg der Erträge auf 0,60 Prozent für zehnjährige Papiere, die Prognose zum Jahresende laute 0,35 Prozent.

Demgegenüber böten US-Treasuries bessere Chancen. Zwar bewegten sich die Erträge für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen auf kurze Sicht aufgrund der Unsicherheit der Trump-Regierung in einer breiten Spanne zwischen 2,2 und 2,6 Prozent. Das Risiko, dass die US-Zinsen aus dieser Spanne ausbrechen würden, beschreibe Major aber als begrenzt. Bonds der Peripheriestaaten sehe er anfällig für politische Rückschläge.

Das habe in dieser Woche Portugal einmal mehr zu spüren bekommen. Trotz der EZB-Anleihekäufe zahle das Land für einen neuemittierten zehnjährigen Bond 4,125 Prozent Zinsen, wie Brunner bemerke. "Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 2,2875 Prozent." Für den Rentenhändler sei die erkennbare Zuspitzung der portugiesischen Bankenkrise mitverantwortlich.

Das Geschäft mit Unternehmensanleihen werde laut Händler durch neue Angebote geprägt. Von Anlegern gut angenommen werde laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank beispielsweise eine zehnjährige nachrangige Commerzbank-Anleihe mit einem Kupon von 4 Prozent.

Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank spreche von Interesse an einer vierzigjährigen Allianz-Anleihe (ISIN nicht bekannt/ WKN A2DHAN) mit einem jährlichen Zins von 3,099 Prozent. Das Ausgabevolumen betrage eine Milliarde Euro. "Trotz einer Stückelung von 100.000 Euro verbuchen wir für das Produkt gute Umsätze."

Insgesamt 2 Milliarden Euro aufgeteilt in Einheiten von 1.000 habe BMW in letzter Woche über den Kapitalmarkt aufgenommen, wie Stopp berichte. Ein vierjähriger Wert (ISIN XS1548436556 / WKN A19BGQ) im Volumen von 1,25 Milliarden Euro biete 0,125 Prozent Zinsen im Jahr, während der bayrische Automobilkonzern für eine am 12. Juli 2024 fällige Anleihe (ISIN XS1548436473 / WKN A19BGR) einen Kupon von 0,75 Prozent festgelegt habe.

HeidelbergCement habe sich mit einer 750 Millionen Euro schweren Anleihe (ISIN XS1549372420 / WKN A19BPE) über den Kapitalmarkt erfolgreich refinanziert und zahle Anlegern für den im Januar 2021 zur Rückzahlung anstehenden Bond 0,50 Prozent Zinsen. Der mit einem optionalen Kündigungsrecht zugunsten des Emittenten ausgestattete Wert sei zu einem Preis von 99,822 Prozent ausgegeben worden, wisse Stopp.

Im Handel mit bestehenden Bonds registriere Brunner stattliche Nachfrage nach Volkswagen-Bonds (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21, ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) und führe dies auf eine Einigung mit dem US-Justizministerium über eine Strafzahlung in Höhe von 4,3 Milliarden Euro zurück.

Auch Stopp spreche von Anlegerinteresse an Volkswagen-Anleihen. Ein bis 2022 laufender Wert koste mittlerweile knapp 107 Prozent. Gleichzeitig habe eine 2030 zur Rückzahlung anstehende Anleihe (ISIN XS1167667283 / WKN A1ZUTM) auf Monatssicht von gut 89 auf über 94 Prozent hinzugewonnen. "Die nächsten Handelstage werden zeigen, ob ein Umdenken der Investoren im Zuge der neuesten Entwicklung im Abgasskandal erfolgte."

Zunächst unter Druck geraten sei eine Anleihe (ISIN XS0647264398 / WKN A1GTHS) von Fiat, nachdem die USA nun auch Fiat Chrysler für mutmaßliche Abgasmanipulationen in die Pflicht nehmen würden, wie Brunner registriere. Der Wert habe nach Bekanntwerden der Entscheidung von 109,60 auf zwischenzeitlich 106,20 Prozent eingebüßt. "Mittlerweile hat sich das Ganze wieder etwas relativiert." Am vergangenen Freitag sei der Wert für 108,68 Prozent zu haben gewesen. "Anleger schießen bei Auftreten einer Unsicherheit häufig erst mal übers Ziel hinaus", begründe Brunner.

An einer Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) von Travel24.com fänden Investoren nach wie vor Gefallen. "Mittlerweile hat sich die mit 7,5 Prozent verzinste Anleihe auf 70 Prozent berappelt, nachdem der Wert Mitte vergangenen Jahres auf fast 7 Prozent abgerutscht war", erinnere Brunner. "Es sieht so aus, als sei Travel24.com von der Unister-Pleite nun doch nicht betroffen."

Bewegung in beide Richtungen mache Daniel für auf Türkische Lira lautende Anleihen auf. Rege gehandelt würde beispielsweise ein mit jährlich 9,25 Prozent verzinster Bond (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Während zum Anfang letzter Woche Abgaben dominiert hätten, gebe es seit Donnerstag wieder vermehrt Käufer. Am 13. Januar sei der Wert für 94,50 Prozent zu haben gewesen. Auf Mexikanische Peso lautende Papiere hätten sich Anleger nach dem Kursverfall der Währung rund um die Wahl von Trump vermehrt wieder ins Depot gelegt. "Vorsichtige Käufe hatten wir beispielsweise bei einer Anleihe (ISIN XS1547492410 / WKN A19BGN) der European Investment Bank mit einem Kupon von 8 Prozent." (Ausgabe vom 13.01.2017) (16.01.2017/alc/a/a)





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