Anleihen-Handel: Japanische Notenbank sorgt für echte Überraschung


03.11.14 09:01
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zeit des billigen Geldes ist längst noch nicht zu Ende: Wie die Japanische Zentralbank jetzt bekannt gab, will sie die Geldbasis nochmals um jährlich 80 Billionen JPY, das sind rund 580 Milliarden EUR, ausweiten, nach 60 bis 70 Billionen JPY bisher, so die Deutsche Börse AG.

Begründet werde der Schritt mit der niedrigen Inflationsrate. "Die Japaner machen das Fass nochmal richtig auf", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Auch innerhalb der Eurozone werde die Lockerung fortgesetzt: Mittlerweile habe die EZB mit dem Aufkauf von Covered Bonds begonnen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte, "allerdings mit angezogener Handbremse". So seien in der ersten Woche seit Beginn des Programms Käufe in einem Volumen von 1,7 Milliarden EUR abgewickelt worden. Covered Bonds seien mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte Anleihen von Banken und würden als sehr sicher gelten.

Die US-Notenbank habe ihre Anleihekäufe, wie erwartet, zwar beendet, die Zinsen sollten aber, wie die FED vergangene Woche abermals versichert habe, noch für einen beträchtlichen Zeitraum niedrig bleiben. "Die erste Straffung nach der Finanzkrise ist erst am Ende des ersten Halbjahrs 2015 zu erwarten", erkläre Stopp. Ohnehin hätten sich die US-Notenbanker um FED-Chefin Janet Yellen, unter anderem mit Blick auf Europa, ein Hintertürchen für weitere Anleihekäufe offen gehalten. "Der Abschied vom Quantitative Easing muss also kein endgültiger sein, die FED fährt auf Sicht."

Der Euro-Bund-Future sei gegenüber der Vorwoche wieder gestiegen und hält sich deutlich über der Marke von 150 Punkten. "Ein erneut rückläufiges ifo-Geschäftsklima sowie eine weiterhin niedrige Inflation halfen hierbei", bemerke Christian Apelt von der Helaba. Am Freitagmittag habe der Euro-Bund-Future bei 150,87 Prozent nach 150,29 vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 0,87 Prozent abwerfen nach 0,88 Prozent am 24. Oktober.

Gelassen angenommen worden seien die am Sonntag veröffentlichten Ergebnisse des Bankenstresstests. "25 von 130 Banken fielen dabei durch das Raster, viele davon konnten die Kapitallücke aber bereits schließen, darunter auch die Münchner Hypothekenbank", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bereits in anderthalb Wochen müssten nun die Manager der durchgefallenen Banken erklären, wie sie die Lücken stopfen möchten, erläutere Stopp. Danach bleibe ihnen eine höchstens neunmonatige Frist, um das geforderte Kapital aufzubringen. "Schaffen sie es nicht, droht im schlimmsten Fall die Schließung der betreffenden Bank. Damit wird klar: Nach dem Stresstest ist vor dem Stresstest." Ob die große Bankenprüfung tatsächlich streng genug gewesen sei, werde sich erst noch im Umgang mit den Durchfallern zeigen.

Die Krisenstimmung, die noch vor zwei Wochen geherrscht habee, sei wie weggeblasen - auch im Handel mit Unternehmensanleihen. Gut nachgefragt seien Deutsche Lufthansa-Papiere gewesen, wie Daniel melde. "Vor und nach Bekanntgabe der Quartalszahlen wurde gekauft." Die Airline habe im dritten Quartal zwar den Gewinn steigern können, die Streiks hätten das Ergebnis aber belastet. "Außerdem gab es eine Gewinnwarnung für 2015."

Unterdessen habe die MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft beim Amtsgericht Eutin Insolvenzantrag gestellt. "Nach der Gläubigerversammlung vor drei Wochen hat das nicht mehr überrascht", meine Daniel. Die Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) sei zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt gewesen, sei jetzt aber wieder, ohne Stückzinsen, handelbar. Der Kurs liege bei 21,5 Prozent. Die Deutsche Börse habe am 30. September eine Vertragsstrafe gegen die MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft verhängt, weil diese mehr als drei Monate kein aktuelles gültiges Anleiherating mehr habe nachweisen können.

Neue Unternehmensanleihen gebe es nur wenige. "Die Emissionstätigkeit am Primärmarkt für Corporate Bonds war in letzter Woche von herbstlicher Ruhe geprägt", berichte Stopp.

Der österreichische Stahlkonzern voestalpine sei mit einer neuen Anleihe an den Markt (ISIN AT0000A19S18 / WKN A1ZQ4U) gekommen, der Kupon liege bei 2,25 Prozent bei einer Laufzeit bis 2021, der Handelsriese METRO mit einem neuen Bond (ISIN DE000A13R8M3 / WKN A13R8M), der 1,375 Prozent bis 2021 biete. (Ausgabe vom 31.10.2014) (03.11.2014/alc/a/a)






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