Erweiterte Funktionen
Anleihen-Handel: Gewöhnungseffekte
16.07.18 10:20
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Nervosität wegen des eskalierenden Handelskriegs hält die Anleger in Atem, in letzter Woche sorgte eine neue Liste der US-Regierung mit möglichen Strafzöllen gegen China erneut für Unruhe, so die Deutsche Börse AG.
Mittlerweile hätten sich die Wogen aber etwas geglättet, was auch auf die bislang ausbleibende Reaktion der Chinesen zurückgeführt werde.
Mit den zuletzt angekündigten neuen Zöllen auf chinesische Importwaren ginge es insgesamt um Güter mit einem Warenwert von 200 Milliarden US-Dollar oder rund 9 Prozent des gesamten US-Importvolumens, wie die HSH Nordbank erläutere. Mit den ebenfalls zur Diskussion stehenden Zöllen auf Autos aus der EU seien es sogar 16 Prozent.
Im Vergleich zum Freitag, 6. Juli, habe sich der Euro-Bund-Future allerdings kaum verändert: Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen habe am Freitagmorgen bei 162,85 nach 162,82 Punkten vor einer Woche gelegen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sei seit Ende vergangener Woche sogar von 0,29 auf 0,33 Prozent gestiegen, in der Regel falle sie in schwierigen Zeiten. "Schlechte Nachrichten werden einfach ignoriert", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.
Nach Einschätzung von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank seien der unruhige NATO-Gipfel, Regierungsturbulenzen in Großbritannien, höhere Aufschläge für Unternehmensanleihen und fallende Rohstoffpreise zwar eher Zeichen eines "Risk-Off"-Umfelds. "Zu allem Überfluss gab es vom italienischen Europa-Minister auch noch Andeutungen, man denke über einen Plan B nach, womit ein Ausstieg aus dem Euro gemeint ist." Die Meldung, innerhalb der EZB diskutiere man über eine erste Leitzinserhöhung schon im Juli 2019 statt erst nach Ende des Sommers, könne aber zu dem Renditeanstieg beigetragen haben.
Genau beobachtet werde auch das Geschehen in Großbritannien, wo die prominenten Brexit-Befürworter David Davis und Boris Johnson von ihren Ministerämtern zurückgetreten seien. Klaus Stopp von der Baader Bank spreche von "Chaostagen" in London. "Man wird abwarten müssen, ob die Premierministerin die Brexit-Erwartungen im eigenen Land weiter abbauen kann oder es riskiert, einen Brexit-Vertrag dem Parlament vorzulegen, den dieses ablehnen könnte", meine Stopp. In beiden Fällen bewege sich May weiterhin auf dünnem Eis, entspreche ihr Vorschlag doch dem eines "sanften Brexits", der weder die "Remainer" noch die "Leaver" zufrieden stellen dürfte.
Im Handel mit Unternehmensanleihen seien Papiere (ISIN XS1152338072 / WKN A13R96) der Merck KGaA mit extrem langer Laufzeit abgegeben worden - wenn auch nicht im großen Stil, wie Daniel melde. Fällig sei das Papier 2074, der Kupon liege bei 2,625 Prozent.
Sehr gut an komme eine neue Nachranganleihe (ISIN XS1853998182 / WKN A2LQ0B) der Otto GmbH & Co. KG mit unendlicher Laufzeit und einer Mindeststückelung von 1.000 Euro. "Wir sehen sehr viel Umsatz", berichte Daniel. Der Hamburger Versandhändler könne die Anleihe frühestens nach sieben Jahren kündigen, bis dahin liege der Zins fest bei 4 Prozent, danach sei er variabel. Aktuell notiere die Anleihe bei 100,52 Prozent.
Extrem hohe Umsätze melde Rainer Petz von Oddo Seydler auch für eine neue Anleihe (ISIN XS1854830889 / WKN A2NBE7) vom Düngemittelspezialisten K+S - trotz 100.000 Euro-Stückelung. Hier liege der Kupon bei 3,25 Prozent bei einer Laufzeit bis 2024. "Die Otto- und K+S-Anleihen zeigen, dass bekannte Namen und attraktive Zinsen doch viele Anleger anziehen und richtig viel Liquidität in den Markt bringen." Die häufig kritisierte niedrige Liquidität im Anleihehandel sei eben doch auch auf die unattraktiven Zinsen zurückzuführen.
Die SUNfarming GmbH habe unterdessen beschlossen, die Begebung ihrer Unternehmensanleihe (ISIN DE000A2LQZZ1 / WKN A2LQZZ) mit Laufzeit bis 2023 zu verschieben, wie am letzten Donnerstag bekannt geworden sei. Auf Anregung insbesondere institutioneller Investoren solle das Emissionskonzepts "optimiert" werden. Ein neuer Vorstoß solle im Laufe des zweiten Halbjahrs erfolgen.
Die Türkische Lira falle unterdessen auf immer neue historische Tiefs zum Euro und US-Dollar. Hintergrund seien der deutliche Anstieg der Inflation und Sorgen um eine stärkere Kontrolle des Staatspräsidenten über die Notenbank. "Bei ausländischen Investoren kommt die neue Linie in der Türkei sicher nicht gut an", kommentiere Daniel. Umsatz in Anleihen in Türkischer Lira sehe Daniel aber nicht. "Anleger haben die Papiere schon verkauft oder stehen jetzt da wie das Kaninchen vor der Schlange."
Die Renditen seien entsprechend hoch: Eine auf Lira lautende Anleihe (ISIN XS1799047565 / WKN A19YDR) der Europäischen Investitionsbank EIB, die bis März 2021 laufe und einen Kupon von 12,5 Prozent biete, rentiere mittlerweile um 19 Prozent. (Ausgabe vom 13.07.2018) (16.07.2018/alc/a/a)
Mittlerweile hätten sich die Wogen aber etwas geglättet, was auch auf die bislang ausbleibende Reaktion der Chinesen zurückgeführt werde.
Mit den zuletzt angekündigten neuen Zöllen auf chinesische Importwaren ginge es insgesamt um Güter mit einem Warenwert von 200 Milliarden US-Dollar oder rund 9 Prozent des gesamten US-Importvolumens, wie die HSH Nordbank erläutere. Mit den ebenfalls zur Diskussion stehenden Zöllen auf Autos aus der EU seien es sogar 16 Prozent.
Im Vergleich zum Freitag, 6. Juli, habe sich der Euro-Bund-Future allerdings kaum verändert: Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen habe am Freitagmorgen bei 162,85 nach 162,82 Punkten vor einer Woche gelegen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sei seit Ende vergangener Woche sogar von 0,29 auf 0,33 Prozent gestiegen, in der Regel falle sie in schwierigen Zeiten. "Schlechte Nachrichten werden einfach ignoriert", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.
Nach Einschätzung von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank seien der unruhige NATO-Gipfel, Regierungsturbulenzen in Großbritannien, höhere Aufschläge für Unternehmensanleihen und fallende Rohstoffpreise zwar eher Zeichen eines "Risk-Off"-Umfelds. "Zu allem Überfluss gab es vom italienischen Europa-Minister auch noch Andeutungen, man denke über einen Plan B nach, womit ein Ausstieg aus dem Euro gemeint ist." Die Meldung, innerhalb der EZB diskutiere man über eine erste Leitzinserhöhung schon im Juli 2019 statt erst nach Ende des Sommers, könne aber zu dem Renditeanstieg beigetragen haben.
Im Handel mit Unternehmensanleihen seien Papiere (ISIN XS1152338072 / WKN A13R96) der Merck KGaA mit extrem langer Laufzeit abgegeben worden - wenn auch nicht im großen Stil, wie Daniel melde. Fällig sei das Papier 2074, der Kupon liege bei 2,625 Prozent.
Sehr gut an komme eine neue Nachranganleihe (ISIN XS1853998182 / WKN A2LQ0B) der Otto GmbH & Co. KG mit unendlicher Laufzeit und einer Mindeststückelung von 1.000 Euro. "Wir sehen sehr viel Umsatz", berichte Daniel. Der Hamburger Versandhändler könne die Anleihe frühestens nach sieben Jahren kündigen, bis dahin liege der Zins fest bei 4 Prozent, danach sei er variabel. Aktuell notiere die Anleihe bei 100,52 Prozent.
Extrem hohe Umsätze melde Rainer Petz von Oddo Seydler auch für eine neue Anleihe (ISIN XS1854830889 / WKN A2NBE7) vom Düngemittelspezialisten K+S - trotz 100.000 Euro-Stückelung. Hier liege der Kupon bei 3,25 Prozent bei einer Laufzeit bis 2024. "Die Otto- und K+S-Anleihen zeigen, dass bekannte Namen und attraktive Zinsen doch viele Anleger anziehen und richtig viel Liquidität in den Markt bringen." Die häufig kritisierte niedrige Liquidität im Anleihehandel sei eben doch auch auf die unattraktiven Zinsen zurückzuführen.
Die SUNfarming GmbH habe unterdessen beschlossen, die Begebung ihrer Unternehmensanleihe (ISIN DE000A2LQZZ1 / WKN A2LQZZ) mit Laufzeit bis 2023 zu verschieben, wie am letzten Donnerstag bekannt geworden sei. Auf Anregung insbesondere institutioneller Investoren solle das Emissionskonzepts "optimiert" werden. Ein neuer Vorstoß solle im Laufe des zweiten Halbjahrs erfolgen.
Die Türkische Lira falle unterdessen auf immer neue historische Tiefs zum Euro und US-Dollar. Hintergrund seien der deutliche Anstieg der Inflation und Sorgen um eine stärkere Kontrolle des Staatspräsidenten über die Notenbank. "Bei ausländischen Investoren kommt die neue Linie in der Türkei sicher nicht gut an", kommentiere Daniel. Umsatz in Anleihen in Türkischer Lira sehe Daniel aber nicht. "Anleger haben die Papiere schon verkauft oder stehen jetzt da wie das Kaninchen vor der Schlange."
Die Renditen seien entsprechend hoch: Eine auf Lira lautende Anleihe (ISIN XS1799047565 / WKN A19YDR) der Europäischen Investitionsbank EIB, die bis März 2021 laufe und einen Kupon von 12,5 Prozent biete, rentiere mittlerweile um 19 Prozent. (Ausgabe vom 13.07.2018) (16.07.2018/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 126,0482 € | 125,1945 € | 0,8537 € | +0,68% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



