Anleihen-Handel: Fast alles dreht sich um GRENKE


21.09.20 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch im Anleihehandel dreht sich im Moment fast alles um GRENKE, so die Deutsche Börse AG.

Denn das auf Leasing von Bürokommunikationsprodukten spezialisierte Unternehmen sei fleißiger Anleihenemittent und habe über 30 Anleihen ausstehen. Ein zweiter Fall Wirecard werde befürchtet. "GRENKE ist das einzige Thema hier", fasse Rainer Petz von Oddo Seydler zusammen. Auch die Händler von der ICF Bank und der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank hätten in Sachen GRENKE alle Hände voll zu tun.

GRENKE werde von der US-Investorengruppe Viceroy Research Geldwäsche und Bilanzfälschung vorgeworfen. Akquisitionen würden genutzt, um zu verschleiern, dass ein Großteil der ausgewiesenen liquiden Mittel nicht existiere. GRENKE habe die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Dennoch sei die Aktie auf Talfahrt gegeben, ebenso die zahlreichen Anleihen.

"Die Kurse hatten sich mehr oder weniger halbiert", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. So sei der Kurs der bei Walter Ludwig gehandelten, bis 2023 laufenden GRENKE Finance-Anleihe mit Kupon von 1 Prozent von fast 100 Prozent auf 56 Euro gefallen, am Freitagmorgen seien es wieder 75 Euro gewesen. Ähnlich sehe es aus bei den beiden bis 2022 und 2025 laufenden, ebenfalls umsatzstarken Papieren mit Kupon von 1,125 (ISIN XS1527138272 / WKN A189PU) und 0,625 Prozent (ISIN XS2078696866 / WKN A2R98B). "Nach der Wirecard-Erfahrung heißt es im Moment: Im Zweifel gegen den Angeklagten", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Gekauft seien Daniel zufolge hingegen Anleihen (ISIN DE000A2G9HU0 / WKN A2G9HU) von Sixt. "Hintergrund ist ein Bericht des "Manager-Magazins", demzufolge Volkswagen einen Einstieg bei Sixt plant." Gefragt gewesen seien außerdem Bonds (ISIN DE000A289PZ4 / WKN A289PZ) von Eyemaxx Real Estate mit Kupon von 5,5 Prozent und Laufzeit bis 2025, wie Brunner melde.

Im Handel mit Staatsanleihen sei letzte Woche die US-Notenbanksitzung wichtigstes Thema gewesen. FED-Chef Powell habe angekündigt, dass die Niedrig- bzw. Nullzinsphase noch drei Jahre anhalten werde. Auch die Wertpapierkäufe der FED von monatlich 120 Milliarden Dollar sollten fortgeführt werden. Am Markt sei das allerdings so erwartet worden, eine größere Reaktion sei ausgeblieben.

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe am Freitagmorgen bei 174,18 Punkten gelegen, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei minus 0,48 Prozent. Damit setze sich die seit Monaten anhaltende Seitwärtsbewegung fort.

Nach dem riesen Erfolg der ersten grünen Bundesanleihe Anfang September folge derzeit eine ganze Flut neuer grünen Anleihen, wie Brunner berichte: "Volkswagen, Commerzbank, Coca-Cola, Novartis - alle bringen jetzt grüne Anleihen heraus."

Auch den Analysten der Helaba zufolge erhalte das Thema Finanzierung über grüne Bonds derzeit eine neue Dynamik. "Die EU hat nun angekündigt, Mittel für den Wiederaufbaufonds im Volumen von 225 Milliarden Euro über solche Papiere aufzunehmen." Das seien 30 Prozent des Gesamtvolumens. "Das Segment erhält dadurch in den kommenden Jahren einen Wachstumsschub und dürfte weitere Emittenten veranlassen zu folgen."

Ab diesem Montag könne eine neue Anleihe der Karlsberg Brauerei gezeichnet werden, wie Daniel melde. Der Kupon des bis 2025 laufenden Papiers (ISIN DE000A254UR5 / WKN A254UR) werde zwischen 4,25 und 4,75 Prozent liegen, der finale Zinssatz solle nach Ende der Angebotsfrist auf Basis der erhaltenen Zeichnungsaufträge festgelegt werden. Die Erlöse aus der Anleiheemission würden der vorzeitigen Ablösung der bestehenden Unternehmensanleihe 2016/2021 (ISIN DE000A2AATX6 / WKN A2AATX) dienen.

In der Zeichnung sei eine Anleihe der SUNfarming GmbH, die Photovoltaikanlagen entwickle. Der Kupon des 2025 fälligen Papiers liege bei 5,5 Prozent. Die bis zu 10 Millionen Euro, die eingesammelt werden sollten, seien für die zusätzliche Projektentwicklung und Vorfinanzierung ausschließlich deutscher Solarprojekte vorgesehen. Die Mindestanlagesumme betrage 1.000 Euro.

Die Coreo AG habe unterdessen letzte Woche bekannt gegeben, auf die Begebung der Unternehmensanleihe 2020/25 zu verzichten und bereits eingereichte Zeichnungen rückabzuwickeln. Das bisherige Platzierungsvolumen von rund 10 Millionen Euro, inklusive der Zusagen der Ankeraktionäre Christian Angermayer und Alex Schütz Familienstiftung, habe nicht den Erwartungen entsprochen und rechtfertige den administrativen Aufwand einer Publikumsanleihe nicht, habe es geheißen. (Ausgabe vom 18.09.2020) (21.09.2020/alc/a/a)






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