Anleihen: Das Gras ist grüner auf der anderen Seite des Eurozauns


12.09.14 16:28
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während im Euroraum die Zinsen vermutlich auf absehbare Zeit tief im Keller festsitzen, könnte die Federal Reserve schneller als erwartet einen Gang höher schalten, so die Deutsche Börse AG.

"Ein Leitzins von 1 Prozent Ende 2015 steht derzeit im Raum", bemerke Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Dies drücke auf die Anlegerstimmung und den Kurs hiesiger zehnjähriger Staatsanleihen. Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmorgen knapp über 148 Prozent. "Die Rendite liegt aktuell bei 1,069 Prozent." Demgegenüber würden Staatsanleihen der USA rund 1,5 Prozent mehr abwerfen.

"Bei diesem Zinsniveau sind Privatanleger auf der Suche nach rentablen Anlagen", wie Klaus Stopp beobachte. "Dabei stoßen sie vermehrt auf Fremdwährungsanleihen." Unter anderem würden sie dem Händler der Baader Bank zufolge zu in Türkischer Lira (ISIN XS1098105254 / WKN A1ZNBB, ISIN XS1069567151 / WKN A12TY2), Australischem Dollar (ISIN XS1045934293 / WKN A1ZEVN, ISIN XS1070531402 / WKN A1ZJY5), US-Dollar (ISIN DE000A1ZJK19 / WKN A1ZJK1, ISIN USC10602AY36 / WKN A1ZFW8) und Brasilianischem Real (ISIN XS0973219065 / WKN A1X3CC, ISIN XS1055795196 / WKN NRW23K, ISIN XS1014862731 / WKN A1X3DQ) begebenen Anleihen greifen.

Auch bei Gregor Daniel würden Fremdwährungsanleihen jeder Art zu den beliebtesten Werten gehören. Der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft sehe den Grund in pessimistischen Erwartungen für den Euro. Obwohl es seit Wochen mit der Gemeinschaftswährung bergab gehe, hätten US-Großbanken wie Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley den Euro weiterhin für deutlich überbewertet gehalten. "Mittlerweile kursieren Prognosen, die in den kommenden Jahren ein Verhältnis von eins zu eins zum US-Dollar sehen." Durch die schwache europäische gegenüber der robusten amerikanischen Wirtschaft wachse die vorhandene Zinsschere noch weiter. Deshalb würden Bundesanleihen auch auf absehbare Zeit weniger Rendite bringen als US-Staatsanleihen.

Diese Zinsdifferenz führe dazu, dass weiter Geld aus dem Euroraum abgezogen werde und in den US-Dollar fließe. Dabei gehe es nicht nur um die Erzielung besserer Anleiherenditen. Schon jetzt habe der Euro den US-Dollar und den Yen für spekulative Devisengeschäfte abgelöst.

Die mögliche Abspaltung Schottlands von Großbritannien habe Sabine Tillmann zufolge für Verkäufe spanischer Staatsanleihen gesorgt. Die Rendite zehnjähriger Werte sei zwischenzeitlich auf 2,30 Prozent gestiegen. "Die Diskussionen rücken das Unabhängigkeitsbestreben der Katalanen wieder in den Fokus", beobachte die Händlerin der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Sollten die Schotten am kommenden Donnerstag für die Trennung stimmen, würden Anleger Rückenwind für das Anliegen der katalanischen Separatisten befürchten.

Bei Anleihen (ISIN XS0205935470 / WKN A0DG4P) der Royal Bank of Scotland habe es laut Daniel zwischenzeitliche Verkäufe gegeben. "Die schottische Großbank hat in dieser Woche angekündigt, im Falle eines unabhängigen Schottlands ihren Sitz nach London zu verlegen." Nachdem sich die Wogen wieder geglättet hätten, hätten die Bonds einen Teil der Verluste wieder wettgemacht.

Zweifel über die Zahlungsfähigkeit Venezuelas würden auf die Kurse von Staatsanleihen des Landes drücken, wie Daniel berichte. Angesichts von Zahlungsrückständen in Milliardenhöhe bei Importeuren hätten Investoren die Chancen Venezuelas in Frage gestellt, fällige Auslandsanleihen weiter bedienen zu können.

Stopp spreche ebenfalls von einem massiven Einbruch etwa einer bis Oktober 2019 laufenden Anleihe (ISIN USP97475AN08 / WKN A1ANQ2). Nachdem sie Mitte Juli noch mit 88,13 Prozent bewertet worden sei, stehe sie derzeit bei rund 72,65 Prozent. Ähnlich drastisch eingefallen sei eine 2024 fällig werdende Anleihe (ISIN USP97475AP55 / WKN A1ANQ3). Nach einem Jahreshoch von 82,95 Prozent im Juli koste dieser Bond derzeit rund 65,45 Prozent.

"Die Kreditausfallversicherungen für die Staatsanleihen des Landes sind in den vergangenen vier Wochen um rund 3,73 Prozent auf 14,47 Prozent angestiegen." Damit erwarte der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent, dass es in den kommenden fünf Jahren zu Zahlungsunterbrechungen kommen werde.

Am Montag beginne die Zeichnungsfrist für eine neue, mit einem jährlichen Zins von 8,0 Prozent ausgestattete Anleihe (ISIN DE000A12T374 / WKN A12T37) von EYEMAXX Real Estate. Das Immobilienunternehmen plane die zusätzliche Aufnahme von 15 Millionen Euro. Rückzahlung sei für März 2020 vorgesehen. "Mit der Emission soll gleichzeitig eine bis 2019 laufende Anleihe (ISIN DE000A1TM2T3 / WKN A1TM2T) des Mittelständlers auf freiwilliger Basis umgetauscht werden", merke Brunner an.

Ein Rückzahlungsangebot von Peugeot für eine 2017 fällig werdende Anleihe (ISIN FR0011233451 / WKN A1G3LV) habe Brunner zufolge die Nachfrage beflügelt. "Der Autobauer bietet 110 Prozent." Derzeit notiere der Wert kurz darunter. (12.09.2014/alc/a/a)





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