Anleihen: Ende des billigen Geldes, Anfang von Zinssteigerungen


21.06.13 16:50
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Jetzt ist es Realität: Sofern sich die wirtschaftliche Lage nicht deutlich verschlechtert, wird die Zeit des billigen Geldes bald vorbei sein, so die Deutsche Börse AG.

Zumindest indirekt habe FED-Gouverneur Bernanke auf der Pressekonferenz der US-Notenbank am Mittwoch die Drosselung der Anleihekäufe angekündigt und damit die Kurse an den Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten kräftig in den Keller geschickt. "Nachdem es im Vorfeld der FED-Sitzung noch relativ ruhig war, nutzen jetzt offenbar viele Anleger die hohen Notierungen zum Verkauf. Die Renditen ziehen dementsprechend an - sowohl die der US-Staatsanleihen, als auch die der Bundesanleihen und der Staatspapiere in der Euro-Peripherie", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler und verweise beispielhaft auf zehnjährige Anleihen Griechenlands, deren Rendite von 9,7 Prozent am vergangenen Freitag mittlerweile auf 11,1 Prozent gestiegen sei.

Deutsche Benchmarkanleihen würden mit knapp 1,7 Prozent wieder auf dem Niveau vom Januar rentieren. "Die gesamten Kursgewinne dieses Jahres sind wieder weg", kommentiere Brunner. In der Vorwoche habe der Zins für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit noch bei 1,53 Prozent gelegen. Das Rentenbarometer Euro-Bund-Future habe von 143,64 Prozent am vergangenen Freitag auf 141,8 Prozent nachgegeben.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank gehe davon aus, dass "viel spekulatives Geld im Markt war, was jetzt wieder raus gezogen wird." Nachdem die FED das Ende der Anleihekäufe zumindest angedeutet habe, kehre ein wenig Realität in die Köpfe der Anleger zurück und die Börse beginne, steigende Zinsen vorweg zunehmen. Am langen Ende der Zinskurve sei das bereits zu beobachten.

Ben Bernanke habe am Mittwoch verlauten lassen, dass die FED zwar aktuell nichts an ihrer aktuellen Geldpolitik ändern werde, dass sie aber noch in diesem Jahr beginnen könne, ihre Anleihekäufe im Rahmen der so genannten "quantitativen Lockerung" zurückzufahren und sie gegen Mitte 2014 komplett einzustellen. Voraussetzung dafür sei aber eine positive Wirtschaftsentwicklung, wie die FED sie erwarte. "Unter diesem Gesichtspunkt werden die eingehenden Konjunkturdaten noch mehr Einfluss auf die monetären Erwartungen haben als ohnehin schon", erwarte Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Klaus Stopp von der Baader Bank ergänze: "Fakt ist, dass sich etwas bewegen muss. Monatlich 85 Milliarden US-Dollar für den Ankauf von Staatsanleihen zu verwenden, kann langfristig nicht das Ziel sein."

Dies mache sich auch am Primärmarkt für Staatsanleihen bemerkbar: "So musste Deutschland bei der Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch stärker in die Tasche greifen als zuletzt: Die Rendite lag bei 1,55 Prozent, nach 1,41 Prozent bei der vorangegangenen Auktion", wisse Brunner. Auch Spanien und Italien hätten bei den jüngsten Neuemissionen in dieser Woche gestiegene Zinsen in Kauf nehmen müssen.

Fremdwährungsanleihen, die der Abwertung einiger "Krisenwährungen" bis zuletzt weitestgehend getrotzt hätten, würden allmählich unter Druck kommen. "Es sind zwar bisher keine besonders großen Umsätze, aber einige etwa in Norwegischen Kronen, Brasilianischem Real oder Türkischer Lira denominierte Anleihen sind in dieser Woche zurückgekommen", berichte Daniel. Zahlreiche Währungen, wie der Südafrikanische Rand, die Türkische Lira, der Brasilianische Real und der Australische Dollar, hätten bereits in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren. Die jüngsten Aussagen der US-Notenbank hätten diese Entwicklung noch einmal verstärkt.

Im Bereich der Unternehmensanleihen sei, wie Daniel berichtet, ein neues Papier (ISIN DE000A1TNJ97 / WKN A1TNJ9) von Daimler gut vom Markt aufgenommen worden. Die bis 2021 laufende Anleihe sei mit einem Kupon von 2 Prozent ausgestattet und dank einer kleinen Stückelung von 1.000 Euro vor allem für private Anleger interessant.

Hohe Umsätze melde Hellwig für eine Anleihe (ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6) von Solarworld und erkläre: "Vergangenen Dienstag hat Solarworld genauere Informationen veröffentlicht, wie die Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten von statten gehen soll. Daraufhin hat sich die Anleihe bis 2016 mit deutlich erhöhtem Umsatz auf einem Niveau von 30 bis 31 eingependelt." Vor gut einer Woche habe das Papier noch bei rund 22 Prozent notiert.

Unterdessen sei die Kursfeststellung für die bis 2015 laufende Anleihe (ISIN AT0000A0JDG2 / WKN A1AYFX) der Alpine Holding ausgesetzt worden, nachdem der Österreichische Baukonzern am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt habe.

In der kommenden Woche hätten sich zwei neue Kandidaten für das Mittelstandssegment der Frankfurter Börse angekündigt: Ab 25. Juni könne die Anleihe (ISIN DE000A1TND93 / WKN A1TND9) der paragon AG gezeichnet werden. Die Emission des Automobilzulieferers laufe bis 2018 und werde mit 7,25 Prozent verzinst. Geplant sei eine Platzierung von 20 Millionen zu 100 Prozent mit einer Stückelung von 1.000 Euro. Ein weiterer Kandidat im Entry-Standard sei die Deutsche Rohstoff AG. Das Rohstoffunternehmen begebe eine Anleihe (ISIN DE000A1R07G4 / WKN A1R07G) mit einem Volumen von bis zu 100 Millionen Euro. Der Zinssatz liege bei 8,00 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Zeichnungsfrist laufe vom 26. Juni bis 9. Juli.

Noch voraussichtlich bis zum 25. Juni laufe die Zeichnung der Anleihe (ISIN DE000A1HLTD2 / WKN A1HLTD) des Rohstoffunternehmens Metalcorp Group. Das Papier, fällig 2018, biete einen Festzins von 8,75 Prozent. Die Zeichnung der Karlie-Anleihe (Alles für Haustiere außer Nahrung) sei heute um 12 Uhr planmäßig beendet worden. (21.06.2013/alc/a/a)





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