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Anleihen: EZB in der Kritik
21.03.16 09:10
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die erneute geldpolitische Lockerung der EZB vergangene Woche ist nicht gut angekommen, so die Deutsche Börse AG.
"Die Zinsentscheidung vom 10. März ist an den Märkten verpufft", meine Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. "Der Renditeanstieg der Bundesanleihen und die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar sind wohl nicht das Ergebnis, das sich die Notenbanker vorgestellt haben." Die Helaba halte es für völlig unsicher, ob die neuen Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen würden. Schon seit Jahren sei die Politik außergewöhnlich akkommodierend - der Erfolg lasse bislang jedoch auf sich warten. "Die Grenzen der Lockerungsmaßnahmen scheinen bald erreicht zu sein, zumal diverse geldpolitische Regeln eher eine weniger expansive Geldpolitik anzeigen", erkläre Ulrich Wortberg.
Der Euro-Bund-Future habe vergangene Woche deutlich verloren, habe sich mittlerweile aber wieder etwas stabilisiert und notiere am Freitagmittag bei 161,50 Punkten nach 161,21 am Dienstag. Am Dienstag vergangener Woche seien es noch fast 166 Prozent gewesen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege aktuell bei 0,21 Prozent nach 0,27 vergangenen Freitag und 0,23 vor zwei Wochen.
Die US-Notenbank habe unterdessen deutlich gemacht, dass die geldpolitische Straffung in diesem Jahr moderater ausfallen werde als bisher prognostiziert. Im Mittel würden die FED-Mitglieder jetzt nur noch zwei Zinserhöhungen erwarten, im Dezember seien sie noch von vier ausgegangen.
Für die Karwoche rechne Markus Koch von der Commerzbank mit einer fallenden Volatilität am Rentenmarkt. "Dabei dürfte die Kombination aus einer taubenhaften FED, sinkenden Inflationserwartungen und einem merklich stärkeren Euro die Bundesanleihen in der ganzen Woche unterstützen." Hinzu kämen das niedrige Angebotsvolumen und voraussichtlich eher schwächere Konjunkturdaten. "Aus unserer Sicht unterschätzt der Markt die Auswirkungen der neuen EZB-Maßnahmen auf die Peripherieanleihen", ergänze Koch. Insbesondere bei italienischen Staatsanleihen würden sich die Risikoaufschläge voraussichtlich weiter verringern.
Die Entscheidung der EZB, neben Staatsanleihen jetzt auch Unternehmensanleihen aufkaufen zu wollen, habe laut Arthur Brunner von der ICF Bank zu massiven Kursbewegungen bei Corporate Bonds geführt. "Es gab viele Kaufinteressenten, verkaufen wollte kaum jemand." Nach einer Reihe von Neuemissionen in dieser Woche habe sich die Lage wieder stabilisiert.
Kritiker würden finden, dass die Notenbank mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen den Markt stark verzerre, die Renditen für Papiere mit Investment-Grade-Rating - nur die wolle die EZB kaufen - würden abermals sinken. "Damit bevorzugt sie große Unternehmen gegenüber kleineren", kommentiere die Commerzbank. Auch Brunner sei der Ansicht, dass die Notenbank über das Ziel hinausschieße. Von einer deflationären Abwärtsspirale könne nicht die Rede sein. "Unternehmensfinanzierung durch die EZB ist schon grenzwertig."
Brunner melde Gewinnmitnahmen in VW-Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21). "Hintergrund ist wohl die Sammelklage." Eine Gruppe institutioneller Anleger habe am Braunschweiger Landgericht eine Klage auf 3,3 Milliarden Euro Schadenersatz eingereicht, wie diese Woche bekannt geworden sei. Zuflüsse habe der Händler unterdessen in einem HSBC-Bond beobachtet.
Eine Lufthansa-Anleihe sei vor Bekanntgabe der Unternehmenszahlen, die überraschend gut ausgefallen seien, verkauft worden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank feststelle. "Danach war gar nichts mehr los."
Zugegriffen werde hingegen in einer bis 2021 laufenden Daimler-Anleihe, die bei einem Kupon von 2 Prozent deutlich über Pari gehandelt werde und daher nur noch auf eine Rendite von 0,49 Prozent komme. Handel in beide Richtungen habe es Daniel zufolge in Papieren des österreichischen Ziegelherstellers Wienerberger und VW (ISIN XS0731681556 / WKN A1GY7M) gegeben.
Vom Handel ausgesetzt worden sei eine Heidelberger Druck-Anleihe (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) nach einem Rückkaufangebot des Unternehmens. "Dem folgten Käufe und dann Verkäufe."
Derweil sei das Ultimatum für das Rückkaufangebot für Heta-Anleihen der ehemaligen Bank Hypo Alpe Adria am vergangenen Freitag verstrichen. Die Gruppe der Gläubiger, darunter viele deutsche Banken und Versicherungen, habe das Angebot abgelehnt, nur einen Teil der Forderungen zurückzuerhalten. Das österreichische Bundesland Kärnten habe angeboten, die Papiere zu drei Vierteln des ursprünglichen Wertes zurückzunehmen - dabei habe das Land die volle Rückzahlung der Schuldscheine garantiert.
"Anscheinend sind sich die Staatsregierung Österreichs und die Landesregierung von Kärnten nicht der Konsequenzen ihrer Entscheidung auf das zukünftige Anlegerverhalten bewusst", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Der jetzt erlittene Vertrauensschaden für die Finanzprodukte Österreichs werde ungeachtet des Ausgangs der anstehenden juristischen "Spielereien" noch über Jahre hinweg erhalten bleiben. "Anleihen von österreichischen Unternehmen werden bei vielen Kapitalsammelstellen auf die Negativliste gesetzt."
Neues gebe es unter anderem von der Deutschen Telekom. Verteilt auf drei Emissionen habe das Unternehmen 4,5 Milliarden Euro aufgenommen: Die erste Anleihe sei ein vierjähriger Floater (ISIN XS1382791892 / WKN A18Y8L) mit einem Kupon in Höhe des Dreimonats-Euribor plus 35 Basispunkte. "Hier haben wir schon größere Umsätze gesehen", erkläre Brunner. Der zweite Bond laufe sieben Jahren (ISIN XS1382792197 / WKN A18Y8N) und biete 0,625 Prozent, der dritte zwölf Jahre (ISIN XS1382791975 / WKN A18Y8M) mit 1,5 Prozent. Mit einer Mindestanlagesumme von 1.000 Euro würden sich die Papiere auch an Privatanleger richten.
Vom Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev habe es die bislang größte in Euro denominierte Unternehmensanleihe überhaupt begeben: Am Mittwoch seien Papiere im Volumen von 13,25 Milliarden Euro (ISIN BE6285450449 / WKN A18ZDM, ISIN BE6285452460 / WKN A18ZDP, ISIN BE6285454482 / WKN A18ZDQ, ISIN BE6285457519 / WKN A18ZDS) mit einer Laufzeit von vier bis 20 Jahren platziert worden. Der durchschnittliche Festzins liege bei 1,55 Prozent. "Bei uns geht bislang noch nichts um", melde Daniel. (Ausgabe vom 18.03.2016) (21.03.2016/alc/a/a)
"Die Zinsentscheidung vom 10. März ist an den Märkten verpufft", meine Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. "Der Renditeanstieg der Bundesanleihen und die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar sind wohl nicht das Ergebnis, das sich die Notenbanker vorgestellt haben." Die Helaba halte es für völlig unsicher, ob die neuen Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen würden. Schon seit Jahren sei die Politik außergewöhnlich akkommodierend - der Erfolg lasse bislang jedoch auf sich warten. "Die Grenzen der Lockerungsmaßnahmen scheinen bald erreicht zu sein, zumal diverse geldpolitische Regeln eher eine weniger expansive Geldpolitik anzeigen", erkläre Ulrich Wortberg.
Der Euro-Bund-Future habe vergangene Woche deutlich verloren, habe sich mittlerweile aber wieder etwas stabilisiert und notiere am Freitagmittag bei 161,50 Punkten nach 161,21 am Dienstag. Am Dienstag vergangener Woche seien es noch fast 166 Prozent gewesen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege aktuell bei 0,21 Prozent nach 0,27 vergangenen Freitag und 0,23 vor zwei Wochen.
Die US-Notenbank habe unterdessen deutlich gemacht, dass die geldpolitische Straffung in diesem Jahr moderater ausfallen werde als bisher prognostiziert. Im Mittel würden die FED-Mitglieder jetzt nur noch zwei Zinserhöhungen erwarten, im Dezember seien sie noch von vier ausgegangen.
Für die Karwoche rechne Markus Koch von der Commerzbank mit einer fallenden Volatilität am Rentenmarkt. "Dabei dürfte die Kombination aus einer taubenhaften FED, sinkenden Inflationserwartungen und einem merklich stärkeren Euro die Bundesanleihen in der ganzen Woche unterstützen." Hinzu kämen das niedrige Angebotsvolumen und voraussichtlich eher schwächere Konjunkturdaten. "Aus unserer Sicht unterschätzt der Markt die Auswirkungen der neuen EZB-Maßnahmen auf die Peripherieanleihen", ergänze Koch. Insbesondere bei italienischen Staatsanleihen würden sich die Risikoaufschläge voraussichtlich weiter verringern.
Die Entscheidung der EZB, neben Staatsanleihen jetzt auch Unternehmensanleihen aufkaufen zu wollen, habe laut Arthur Brunner von der ICF Bank zu massiven Kursbewegungen bei Corporate Bonds geführt. "Es gab viele Kaufinteressenten, verkaufen wollte kaum jemand." Nach einer Reihe von Neuemissionen in dieser Woche habe sich die Lage wieder stabilisiert.
Kritiker würden finden, dass die Notenbank mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen den Markt stark verzerre, die Renditen für Papiere mit Investment-Grade-Rating - nur die wolle die EZB kaufen - würden abermals sinken. "Damit bevorzugt sie große Unternehmen gegenüber kleineren", kommentiere die Commerzbank. Auch Brunner sei der Ansicht, dass die Notenbank über das Ziel hinausschieße. Von einer deflationären Abwärtsspirale könne nicht die Rede sein. "Unternehmensfinanzierung durch die EZB ist schon grenzwertig."
Eine Lufthansa-Anleihe sei vor Bekanntgabe der Unternehmenszahlen, die überraschend gut ausgefallen seien, verkauft worden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank feststelle. "Danach war gar nichts mehr los."
Zugegriffen werde hingegen in einer bis 2021 laufenden Daimler-Anleihe, die bei einem Kupon von 2 Prozent deutlich über Pari gehandelt werde und daher nur noch auf eine Rendite von 0,49 Prozent komme. Handel in beide Richtungen habe es Daniel zufolge in Papieren des österreichischen Ziegelherstellers Wienerberger und VW (ISIN XS0731681556 / WKN A1GY7M) gegeben.
Vom Handel ausgesetzt worden sei eine Heidelberger Druck-Anleihe (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) nach einem Rückkaufangebot des Unternehmens. "Dem folgten Käufe und dann Verkäufe."
Derweil sei das Ultimatum für das Rückkaufangebot für Heta-Anleihen der ehemaligen Bank Hypo Alpe Adria am vergangenen Freitag verstrichen. Die Gruppe der Gläubiger, darunter viele deutsche Banken und Versicherungen, habe das Angebot abgelehnt, nur einen Teil der Forderungen zurückzuerhalten. Das österreichische Bundesland Kärnten habe angeboten, die Papiere zu drei Vierteln des ursprünglichen Wertes zurückzunehmen - dabei habe das Land die volle Rückzahlung der Schuldscheine garantiert.
"Anscheinend sind sich die Staatsregierung Österreichs und die Landesregierung von Kärnten nicht der Konsequenzen ihrer Entscheidung auf das zukünftige Anlegerverhalten bewusst", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Der jetzt erlittene Vertrauensschaden für die Finanzprodukte Österreichs werde ungeachtet des Ausgangs der anstehenden juristischen "Spielereien" noch über Jahre hinweg erhalten bleiben. "Anleihen von österreichischen Unternehmen werden bei vielen Kapitalsammelstellen auf die Negativliste gesetzt."
Neues gebe es unter anderem von der Deutschen Telekom. Verteilt auf drei Emissionen habe das Unternehmen 4,5 Milliarden Euro aufgenommen: Die erste Anleihe sei ein vierjähriger Floater (ISIN XS1382791892 / WKN A18Y8L) mit einem Kupon in Höhe des Dreimonats-Euribor plus 35 Basispunkte. "Hier haben wir schon größere Umsätze gesehen", erkläre Brunner. Der zweite Bond laufe sieben Jahren (ISIN XS1382792197 / WKN A18Y8N) und biete 0,625 Prozent, der dritte zwölf Jahre (ISIN XS1382791975 / WKN A18Y8M) mit 1,5 Prozent. Mit einer Mindestanlagesumme von 1.000 Euro würden sich die Papiere auch an Privatanleger richten.
Vom Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev habe es die bislang größte in Euro denominierte Unternehmensanleihe überhaupt begeben: Am Mittwoch seien Papiere im Volumen von 13,25 Milliarden Euro (ISIN BE6285450449 / WKN A18ZDM, ISIN BE6285452460 / WKN A18ZDP, ISIN BE6285454482 / WKN A18ZDQ, ISIN BE6285457519 / WKN A18ZDS) mit einer Laufzeit von vier bis 20 Jahren platziert worden. Der durchschnittliche Festzins liege bei 1,55 Prozent. "Bei uns geht bislang noch nichts um", melde Daniel. (Ausgabe vom 18.03.2016) (21.03.2016/alc/a/a)
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