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Anleihen: Desaster oder Rebound?


23.06.15 10:36
Der Anlegerbrief

Krefeld (www.anleihencheck.de) - Es ist schon etwas überraschend, wie stark Bundesanleihen in den letzten Wochen unter Druck standen, obwohl die EZB als großer Käufer auftritt, so die Experten von "Der Anlegerbrief".

Die Experten würden davon ausgehen, dass vor allem Positionen aufgelöst worden seien, die gezielt im Hinblick auf das Programm der Notenbank eingegangen worden seien. Dennoch könne sich der Trend verselbständigen.

Vor allem die letzte Phase des Renditeverfalls bei deutschen Staatsanleihen seit Mitte letzten Jahres dürfte in unmittelbarem Zusammenhang mit den Plänen der EZB stehen, die seitdem peu à peu bekannt geworden und letztlich in der erwarteten Form auch beschlossen worden seien. Im Vorgriff auf das massive Kaufprogramm der Notenbank dürften sich etliche Akteure, insbesondere Banken und Hedge-Fonds, mit Titeln eingedeckt haben, um diese nun an die EZB zu verkaufen.

Das erkläre die aktuell hohe Verkaufsbereitschaft aber nur zum Teil, denn schließlich führe ein Angebotsüberhang im Moment zu einem Preisverfall und Renditeanstieg. Hier würden die Experten Versicherungen als mögliche Verantwortliche sehen. Denn die hohen Kursgewinne in den letzten Jahren hätten das Anlagegeschäft trotz der niedrigen Marktzinsen erträglich gemacht, nun bestehe aber die Gefahr, dass Kursverluste von turmhohem Niveau aus Löcher reißen würden. Damit dürfte die Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen hoch sein. Letztlich berge das sogar die Gefahr einer Abwärtsspirale.

Viel werde dabei von zwei Faktoren abhängen: Kurzfristig, ob Bundesanleihen trotz der Trendwende bei einer möglichen Griechenland- Pleite als sicherer Hafen angesteuert würden. Und mittelfristig, ob sich die Konjunktur in Europa weiter belebe und damit die Inflationserwartungen steigen würden. Die Experten würden den Status als sicherer Hafen aktuell etwas angekratzt sehen, aber wegen zuletzt eher schwacher Frühindikatoren auch keinen wachstumsbedingten Inflationsdruck erwarten.

Insofern würden die Experten ein Patt bei Anleihen sehen und davon ausgehen, dass der scharfe Aufwärtstrend bei der Rendite nicht nachhaltig sein werde. Nach einem Rückschlag wäre nun aber die Shortseite prinzipiell interessant. (Ausgabe 24 vom 20.06.2015) (23.06.2015/alc/a/a)