Anleihen: Bund-Future weiter auf Rekordjagd


18.05.12 12:59
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den gescheiterten Bemühungen um eine Regierungsbildung in Griechenland und der Ankündigung von Neuwahlen spitzt sich das Eurozonen-Drama zu, so die Deutsche Börse AG.

Zuletzt habe die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Krisenstaats herabgestuft, am gestrigen Donnerstag habe Moody's die Bonität von 16 spanischen Banken gesenkt. "Die Krise verschärft sich immer weiter - in all ihren Ausprägungen", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage zusammen. Mehr und mehr setze sich die Einsicht durch, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen werde. "Jetzt haben wird den (griechischen) Salat." Viele Griechen hätten ihre Konten aus Angst vor einem Austritt aus der Eurozone geplündert, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler berichte.

"Anleger trennen sich von Griechenland-Anleihen", melde Daniel, diese würden zum Teil nur noch bei zwölf Prozent oder darunter gehandelt. Der Euro-Bund-Future steige hingegen am heutigen Freitag auf ein neues historisches Hoch von 144,06 Punkten, im Gegenzug sinke die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Rekordtief von 1,39 Prozent.

Deutschland müsse somit immer weniger für seine Refinanzierung zahlen. "Anderen Regierungschefs erscheinen die Konditionen als Fata Morgana, etwas für sie Unerreichbares", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Bei der Aufstockung der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe (ISIN DE0001135473 / WKN 113547) um 5 Milliarden Euro habe die Durchschnittsrendite bei 1,47 Prozent gelegen. "Das sind 0,4 Prozent weniger als bei der Erstbegebung im April."

Für viel Ärger habe derweil gesorgt, dass Athen doch noch Gelder locker machen könne. "Unglaublich aber wahr! Trotz leerer Kassen hat Griechenland einen fälligen Floater nach ausländischem Recht voll zurückgezahlt", bemerke die Helaba. Die Beteiligung am Schuldenschnitt sei für Gläubiger dieser Anleihe freiwillig gewesen. "Anleger, die sich nicht beteiligt hatten, lachen sich jetzt ins Fäustchen." Daniel zufolge erschwere das künftige Umschuldungsbestrebungen: "Es entsteht der Eindruck, dass einige ungeschoren wegkommen."

Klaus Stopp sei der Frage nachgegangen, welche Folgen ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone, neudeutsch "Grexit" für Griechenland-Exit, am Rentenmarkt hätte: "Die Zinspessimisten gehen davon aus, dass mit dem Austritt Griechenlands das größte Problem für Euroland beseitigt ist, sie erwarten dann große Kursverluste bei Bundesanleihen", erkläre der Händler. Die Zinsoptimisten hätten erwartet, dass ein Austritt eine Blaupause für andere Problemländer wie Portugal sein könne. "Die Folge wären ein dramatischer Anstieg der Risikoprämien für die Anleihen der Problemländer und kräftige Kursgewinne bei deutschen Staatspapieren." Welches Szenarium eintreten werde, sei die große Gretchen-Frage.

Auch im Corporate Bond-Bereich sei Arthur Brunner zufolge gegen Ende der Woche eine deutliche Risikoaversion bei Anlegern festzustellen gewesen. "Als typisches Beispiel ist hier die IKB-Nachranganleihe zu nennen, die zu Wochenbeginn noch bei 90 notierte, am heutigen Freitag in der Spitze auf 84,5 fiel", erläutere der Händler. Bedingt durch den Feiertag und die Proteste in Frankfurt seien viele Marktteilnehmer bereits am Mittwoch in ein langes Wochenende gegangen. "So sind aufgrund der fehlenden Liquidität manche Marktbewegungen noch stärker ausgefallen, als das unter normalen Handelsbedingungen der Fall gewesen wäre."

Die Praktiker-Anleihe sei nach Ankündigung eines neuen Sanierungskonzepts für die kriselnde Baumarktkette zwischenzeitlich in die Höhe geklettert, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler melde. "Der Kurs stieg von 43,5 Prozent vor anderthalb Wochen bis auf 57 Prozent, jetzt liegt er aber wieder bei 47 Prozent." Praktiker habe überraschend den Rücktritt des erst seit Oktober amtierenden Vorstandschefs Thomas Fox bekannt gegeben, zudem habe der Aufsichtsrat eine Kehrtwende beim Sanierungskonzept beschlossen.

Eine wahre Berg- und Talfahrt würden derzeit Nordex-Gläubiger erleben. "Der Kurs rutschte von 95 Prozent Mitte April auf unter 63,5 Anfang Mai, jetzt kostet die Anleihe wieder 82,75 Prozent", präzisiere Petz. Der Windturbinenbauer habe im ersten Quartal zwar einen Verlust eingefahren, gut gefüllte Auftragsbücher würden aber offenbar zu Optimismus veranlassen.

Etwas ruhiger geworden sei es hingegen um Photovoltaik-Anleihen. Diese hätten sich nach dem Absturz infolge der Pleitewelle in der Solarbranche zwar stabilisiert. "SolarWorld-Anleihe wird aktuell zu 30,5 Prozent gehandelt, das Tief lag bei 27 Prozent", erkläre Petz. Mitte Januar habe der Kurs aber noch bei 66,5 Prozent gelegen.

Neuemissionen gebe es derzeit zwar nicht unbedingt viele, von Problemen bei der Platzierung könne man aber nicht sprechen, wie Klaus Stopp meine. Etwa sei die Zeichnung für eine Anleihe (ISIN AT0000A0V834 / WKN A1G4NY) des österreichischen Baukonzerns Alpine Holding vorzeitig geschlossen worden. Das Papier laufe bis 2017, der Kupon betrage 6 Prozent. Darüber hinaus habe der Autovermieter Sixt eine neue Anleihe (ISIN DE000A1PGPF8 / WKN A1PGPF) mit Laufzeit bis 2018 und einem Kupon von 3,75 Prozent gebracht. VW müsse für eine neue fünfjährige Anleihe (ISIN XS0782708456 / WKN A1G4TY) lediglich 1,875 Prozent an jährlichen Zinsen zahlen, wie Stopp außerdem melde. In allen drei Fällen betrage die Mindestanlagesumme 1.000 Euro.

Deutlich überzeichnet gewesen sei eine Neuemission von Zamek, wie Petz berichte. "Wegen der hohen Nachfrage wurde die Zeichnung vorzeitig beendet." Heute werde das Papier zu 102,4 Prozent gehandelt. "Das ergibt eine Rendite von 7,15 Prozent." Die Anleihe des Düsseldorfer Herstellers von Brühen, Suppen, Soßen, Würzen und Fertiggerichten laufe bis 2017, der Nominalzins liege bei 7,75 Prozent. Im High Yield-Segment habe sich Schmolz und Bickenbach vorgewagt: 9,875 Prozent im Jahr habe der Schweizer Stahlkonzern für eine Anleihe (ISIN DE000A1G4PS9 / WKN A1G4PS) mit Laufzeit bis 2019 geboten. Das Papier werde allerdings bereits deutlich unter Pari gehandelt.

Daneben könnten sich Fußballfans schon startklar machen: Am 30. Mai beginne nämlich die Zeichnungsfrist für eine Anleihe (ISIN DE000A1ML4T7 / WKN A1ML4T) des FC Schalke mit siebenjährige Laufzeit und Kupon von 6,75 Prozent, wie Anfang der Woche bekannt geworden sei. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro sollten auch Kleinanleger angesprochen werden. Anders als bisherige Anleihen deutscher Fußballvereine solle das Schalke-Papier an der Börse notiert werden, konkret im Mittelstandssegment der Börse Frankfurt. Mit dem Erlös wolle der hochverschuldete Bundesligaclub seine Verbindlichkeiten umfinanzieren. (18.05.2012/alc/a/a)






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