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Anleihen: Bewegungen nach dem Zinsentscheid
15.11.13 15:42
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zumindest kleine Spuren hat die jüngste geldpolitische Lockerung der EZB am Anleihemarkt hinterlassen, so die Deutsche Börse AG.
"Die Entscheidung, die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent zu senken, hat das kurze Ende der Zinskurve nach unten gedrückt, sodass zweijährige Bundesanleihen nun bei rund 0,1 Prozent notieren", würden Stefan Gäde und Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank beobachten. Am langen Ende dagegen seien die Renditen nur kurzfristig zurückgegangen, per saldo liege der Zins im zehnjährigen Bereich nahezu unverändert bei 1,7 Prozent.
Trotz Zinssenkung stabil scheine auch der Aufwärtstrend des Rentenbarometers Euro-Bund-Future. Nach 141,73 Punkten am vergangenen Freitag habe der Indikator für langfristige Zinserwartungen zwar bis zum Dienstag zwar auf 140,53 Punkte nachgegeben, mittlerweile habe der Index das Niveau von Ende vergangener Woche aber wieder zurückerobert.
"Für wieder steigende Kurse am Mittwoch sorgten unter anderem die Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Praet, wonach neben negativen Einlagenzinsen auch Assetkäufe eine Option seien. Auch am Donnerstag konnte der Bundfuture weiter zulegen; eine perspektivisch anhaltende expansive Geldpolitik sowohl jenseits des Atlantiks als auch in Europa unterstützen den Markt latent. Der September-Aufwärtstrend ist weiter intakt", kommentiere Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Anleihen der Euro-Peripherie würden indes anhaltend von der Zusicherung der EZB profitieren, alles für den Erhalt des Euros zu tun. "So gesehen sind diese Bonds anscheinend keine Risikopapiere mehr", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank.
Italien habe sich bei der Versteigerung verschiedener Schuldtitel in dieser Woche jedenfalls zu deutlich günstigeren Konditionen refinanzieren können als zuletzt. Das Land habe am Mittwoch drei Anleihen im Gesamtvolumen von rund 5,5 Milliarden Euro problemlos am Markt untergebracht. Die Rendite der 2016 fälligen Anleihen sei dabei etwa von zuletzt 2,25 auf 1,79 Prozent gesunken, das sei das niedrigste Auktionsniveau seit März 2010 gewesen. Bei den 2044 fälligen Langläufern sei sie von 5,19 auf 4,99 Prozent zurückgegangen.
Auffallend nach der jüngsten Zinsentscheidung sei laut Baader Bank zudem die Wiederentdeckung von Fremdwährungsanleihen. "Im Zuge einer schwächeren Euro-Entwicklung rückten unter anderem Bonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, die in Brasilianischen Real und Türkischer Lira notieren, in den Blickpunkt", melde Stopp.
Gesucht sei zuletzt etwa eine Anleihe (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) der KfW in Türkischer Lira mit Laufzeit bis Februar 2016 und einer Rendite von rund 7,82 Prozent sowie ein in Brasilianischen Real denominiertes KfW-Papier, das mit rund 9,56 Prozent rentiere und im März 2016 fällig werde, gewesen. Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spreche von einer Belebung des Handels mit Fremdwährungsanleihen. "Insbesondere bei auf Türkischer Lira lautenden Papieren ist zuletzt wieder Kaufinteresse aufgekommen."
Aber nicht alle Fremdwährungsanleihen seien derzeit attraktiv, wie Stopp ergänze: "Dass nicht immer alle Rechnungen aufgehen, haben Anleger erlebt, die in Venezuela engagiert waren. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) geäußert hatte, er sehe das ölreiche Land von einer Wirtschaftskrise bedroht, waren dessen Anleihekurse eingebrochen."
Das sei allerdings nicht der einzige Grund für das Misstrauen vieler Investoren, wie Hellwig ergänze: "Venezolanische Anleihen (u. a. ISIN USP17625AD98 / WKN A1GUB4) kamen in dieser Woche stark unter Druck, nachdem Präsident Maduro für viele Güter die Preise von Staats wegen festsetzen lassen will, um der rasant ansteigenden Inflation Herr zu werden."
Auch Daniel sehe darin einen wichtigen Verunsicherungsfaktor. "Der venezolanische Präsident hat am vergangenen Wochenende einen bizarren Kleinkrieg gegen Wucher und Preistreiberei bei der Elektrowarenkette Daka gestartet, der in Massenplünderungen und Tumulte endete. Dadurch soll das Unternehmen offenbar unter staatliche Kontrolle gebracht werden. Investoren fürchten, dass sich diese Politik negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird", erläutere der Händler.
Stark unter Druck geraten sei etwa eine bis 2015 laufende Staatsanleihe des Landes. "Dieser Bond notierte Anfang der Woche noch bei über 100 Prozent und ist dann bis auf 87 Prozent abgerutscht", wisse Daniel. Aktuell notiere das Papier bei 92,70.
Nicht nur bei den Staatsanleihen und Fremdwährungsbonds, auch im Segment der Unternehmensanleihen mache sich die jüngste EZB-Zinssenkung bemerkbar. "Unter hohen Umsätzen zogen die Preise einer Nachranganleihe (ISIN DE000A0DHUM0 / WKN A0DHUM) der Deutschen Postbank und ihrer Mutter, der Deutschen Bank, an. Bei beiden Anleihen wird der in Kürze neu festzulegende Kupon deutlich höher als der zuletzt gezahlte sein", berichte Hellwig.
Die Begründung liege in der Zinsstruktur der Anleihen: "Beide sind sogenannte CMS-Papiere, d.h. Constant Maturity Swaps, deren Kupon ein Mehrfaches der Zinsdifferenz zwischen den Swapsätzen mit einer 10-jährigen und einer 2-jährigen Laufzeit ist. Die Kuponerwartungen für die beiden Papiere liegen derzeit deutlich über 6 Prozent", erläutere der Spezialist.
Lebhaft gehandelt werde laut Hellwig aktuell zudem eine Anleihe (ISIN FR0011321447 / WKN A1G9HU) des französischen Autobauers Renault. "Hier halten sich derzeit Angebot und Nachfrage die Waage auf einem Niveau um 108 Prozent."
Überraschend gelassen hätten, wie Daniel anmerke, die Anleihen (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) von Air Berlin auf die jüngsten Geschäftszahlen des Billigfliegers reagiert. "Das war praktisch das erste Mal, dass die Zahlen nicht zu einem Kursverfall der Anleihen geführt haben. Die Schuldscheine von Air Berlin sind diesmal ausgesprochen stabil", zeige sich der Spezialist überrascht. (15.11.2013/alc/a/a)
"Die Entscheidung, die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent zu senken, hat das kurze Ende der Zinskurve nach unten gedrückt, sodass zweijährige Bundesanleihen nun bei rund 0,1 Prozent notieren", würden Stefan Gäde und Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank beobachten. Am langen Ende dagegen seien die Renditen nur kurzfristig zurückgegangen, per saldo liege der Zins im zehnjährigen Bereich nahezu unverändert bei 1,7 Prozent.
Trotz Zinssenkung stabil scheine auch der Aufwärtstrend des Rentenbarometers Euro-Bund-Future. Nach 141,73 Punkten am vergangenen Freitag habe der Indikator für langfristige Zinserwartungen zwar bis zum Dienstag zwar auf 140,53 Punkte nachgegeben, mittlerweile habe der Index das Niveau von Ende vergangener Woche aber wieder zurückerobert.
"Für wieder steigende Kurse am Mittwoch sorgten unter anderem die Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Praet, wonach neben negativen Einlagenzinsen auch Assetkäufe eine Option seien. Auch am Donnerstag konnte der Bundfuture weiter zulegen; eine perspektivisch anhaltende expansive Geldpolitik sowohl jenseits des Atlantiks als auch in Europa unterstützen den Markt latent. Der September-Aufwärtstrend ist weiter intakt", kommentiere Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Anleihen der Euro-Peripherie würden indes anhaltend von der Zusicherung der EZB profitieren, alles für den Erhalt des Euros zu tun. "So gesehen sind diese Bonds anscheinend keine Risikopapiere mehr", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank.
Italien habe sich bei der Versteigerung verschiedener Schuldtitel in dieser Woche jedenfalls zu deutlich günstigeren Konditionen refinanzieren können als zuletzt. Das Land habe am Mittwoch drei Anleihen im Gesamtvolumen von rund 5,5 Milliarden Euro problemlos am Markt untergebracht. Die Rendite der 2016 fälligen Anleihen sei dabei etwa von zuletzt 2,25 auf 1,79 Prozent gesunken, das sei das niedrigste Auktionsniveau seit März 2010 gewesen. Bei den 2044 fälligen Langläufern sei sie von 5,19 auf 4,99 Prozent zurückgegangen.
Auffallend nach der jüngsten Zinsentscheidung sei laut Baader Bank zudem die Wiederentdeckung von Fremdwährungsanleihen. "Im Zuge einer schwächeren Euro-Entwicklung rückten unter anderem Bonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, die in Brasilianischen Real und Türkischer Lira notieren, in den Blickpunkt", melde Stopp.
Aber nicht alle Fremdwährungsanleihen seien derzeit attraktiv, wie Stopp ergänze: "Dass nicht immer alle Rechnungen aufgehen, haben Anleger erlebt, die in Venezuela engagiert waren. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) geäußert hatte, er sehe das ölreiche Land von einer Wirtschaftskrise bedroht, waren dessen Anleihekurse eingebrochen."
Das sei allerdings nicht der einzige Grund für das Misstrauen vieler Investoren, wie Hellwig ergänze: "Venezolanische Anleihen (u. a. ISIN USP17625AD98 / WKN A1GUB4) kamen in dieser Woche stark unter Druck, nachdem Präsident Maduro für viele Güter die Preise von Staats wegen festsetzen lassen will, um der rasant ansteigenden Inflation Herr zu werden."
Auch Daniel sehe darin einen wichtigen Verunsicherungsfaktor. "Der venezolanische Präsident hat am vergangenen Wochenende einen bizarren Kleinkrieg gegen Wucher und Preistreiberei bei der Elektrowarenkette Daka gestartet, der in Massenplünderungen und Tumulte endete. Dadurch soll das Unternehmen offenbar unter staatliche Kontrolle gebracht werden. Investoren fürchten, dass sich diese Politik negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird", erläutere der Händler.
Stark unter Druck geraten sei etwa eine bis 2015 laufende Staatsanleihe des Landes. "Dieser Bond notierte Anfang der Woche noch bei über 100 Prozent und ist dann bis auf 87 Prozent abgerutscht", wisse Daniel. Aktuell notiere das Papier bei 92,70.
Nicht nur bei den Staatsanleihen und Fremdwährungsbonds, auch im Segment der Unternehmensanleihen mache sich die jüngste EZB-Zinssenkung bemerkbar. "Unter hohen Umsätzen zogen die Preise einer Nachranganleihe (ISIN DE000A0DHUM0 / WKN A0DHUM) der Deutschen Postbank und ihrer Mutter, der Deutschen Bank, an. Bei beiden Anleihen wird der in Kürze neu festzulegende Kupon deutlich höher als der zuletzt gezahlte sein", berichte Hellwig.
Die Begründung liege in der Zinsstruktur der Anleihen: "Beide sind sogenannte CMS-Papiere, d.h. Constant Maturity Swaps, deren Kupon ein Mehrfaches der Zinsdifferenz zwischen den Swapsätzen mit einer 10-jährigen und einer 2-jährigen Laufzeit ist. Die Kuponerwartungen für die beiden Papiere liegen derzeit deutlich über 6 Prozent", erläutere der Spezialist.
Lebhaft gehandelt werde laut Hellwig aktuell zudem eine Anleihe (ISIN FR0011321447 / WKN A1G9HU) des französischen Autobauers Renault. "Hier halten sich derzeit Angebot und Nachfrage die Waage auf einem Niveau um 108 Prozent."
Überraschend gelassen hätten, wie Daniel anmerke, die Anleihen (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) von Air Berlin auf die jüngsten Geschäftszahlen des Billigfliegers reagiert. "Das war praktisch das erste Mal, dass die Zahlen nicht zu einem Kursverfall der Anleihen geführt haben. Die Schuldscheine von Air Berlin sind diesmal ausgesprochen stabil", zeige sich der Spezialist überrascht. (15.11.2013/alc/a/a)
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, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




