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Anleihen-Ausblick 2025: Hohes Zinsniveau wird noch anhalten
03.01.25 15:36
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Anhaltende Kriege in der Ukraine und Nahost, ein neuer US-Präsident Donald Trump, eine schwächelnde chinesische Wirtschaft - für die europäische und speziell auch deutsche Wirtschaft sind die Perspektiven für das neue Jahr eher mau, so die Deutsche Börse AG.
"Es dürfte ein herausforderndes Jahr 2025 werden", meine ICF-Anleihehändler Arthur Brunner, speziell mit Blick auf Trump und auch das hochverschuldete Frankreich.
Tim Oechsner, der für die Steubing AG Anleihen handele, sei für den Anleihemarkt dennoch zuversichtlich und gehe davon aus, dass das positive Umfeld anhalten werde. Die Renditen hingen zwar weiterhin von den Notenbankentscheidungen und wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten ab. Zudem könne der Jahresstart aufgrund des Amtsantritts von Trump noch durch Kursrücksetzer und Renditeanstiege im Anleihemarkt geprägt sein. "Insgesamt könnte der Anleihenmarkt 2025 aber von einer stabilisierten globalen Wirtschaft, einer Lockerung der Geldpolitik und einer anhaltend niedrigen Inflation profitieren", erkläre er.
Portfoliomanager Jens Herdack von der Weber Bank weise darauf hin, dass das absolute Zinsniveau in allen Marktsegmenten immer noch auf einem attraktiven Niveau liege. "Und die jüngsten Äußerungen des Chefs der US-Notenbank deuten darauf hin, dass uns das hohe Zinsniveau in den USA noch eine Weile erhalten bleiben wird", betone er.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die 2024 zwischen 1,93 und 2,71 Prozent geschwankt habe, liege am Freitagmorgen bei 2,37 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Treasuries, 2024 zwischen 4,05 auf 4,62 Prozent, bei 4,55 Prozent. Mit großen Veränderungen - nach unten oder oben - werde für 2025 nicht gerechnet. "Für das neue Jahr erwarten wir, dass sich die zehnjährigen Bund-Renditen in einer Spanne zwischen 2 und 2,5 Prozent bewegen werden - zuerst eher am unteren Ende der Spanne, danach höher", erkläre etwa Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen.
Im Basisszenario der Helaba liege die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Ende 2025 bei 2,5 Prozent, in der ersten Jahreshälfte eher darunter. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries werde gegen Jahresende "deutlich über 4 Prozent" notieren. "Eine hohe US-Staatsverschuldung, die Gefahr steigender Zölle und eine in Frage gestellte geldpolitische Unabhängigkeit der Fed haben das Potenzial, die Risikoaufschläge vor allem bei längeren Laufzeiten nach oben zu treiben", meine Analyst Ulf Kraus. "Vor allem in den USA muss phasenweise mit starken Renditeschwankungen gerechnet werden."
Neben Sorgen um Trump und dessen möglicherweise inflationstreibendem Kurs dürfte auch Frankreich Thema bleiben, wie Brunner vermute. Im gerade abgeschlossenen Jahr sei der Risikoaufschlag für zehnjährige Staatsanleihen Frankreichs gegenüber deutschen auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise gestiegen. Oechsner erwarte, dass der Aufschlag weiter um 80 Basispunkte liegen werde. "Das ist historisch hoch, und das Einengungspotential ist eher gering."
Im Geschäft mit Unternehmensanleihen dürfte den Händlern zufolge die 2024 zu beobachtende Nachfrage nach "guten" Namen anhalten. "Nicht nur Staatsanleihen oder staatsnahe Anleihen bleiben attraktiv - die Renditen sämtlicher Anleihesegmente liegen über den mehrjährigen Durchschnittszinssätzen und bieten nach wie vor attraktive Chancen", erkläre Oechsner. "Es lassen sich reale Renditen nach Inflation erzielen."
Jens Herdack von der Weber Bank zufolge seien die Aufschläge, die für Anleihen von Unternehmen mit geringer Bonität gezahlt würden, allerdings auf "Dekadentiefstände" gefallen. "Damit werden die eingegangenen Risiken in unseren Augen nicht mehr adäquat entlohnt. Viele attraktive Möglichkeiten bieten sich somit also nicht", meine Herdack. "Für den Mittelstand ist die Lage herausfordernd, da die Zinsen nicht so schnell fallen wie ursprünglich erwartet", betone auch Brunner. Das drücke auf die Margen. "Die letzten Quartalsberichte lagen in rund drei Viertel der Fälle unter den Erwartungen." (03.01.2025/alc/a/a)
"Es dürfte ein herausforderndes Jahr 2025 werden", meine ICF-Anleihehändler Arthur Brunner, speziell mit Blick auf Trump und auch das hochverschuldete Frankreich.
Tim Oechsner, der für die Steubing AG Anleihen handele, sei für den Anleihemarkt dennoch zuversichtlich und gehe davon aus, dass das positive Umfeld anhalten werde. Die Renditen hingen zwar weiterhin von den Notenbankentscheidungen und wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten ab. Zudem könne der Jahresstart aufgrund des Amtsantritts von Trump noch durch Kursrücksetzer und Renditeanstiege im Anleihemarkt geprägt sein. "Insgesamt könnte der Anleihenmarkt 2025 aber von einer stabilisierten globalen Wirtschaft, einer Lockerung der Geldpolitik und einer anhaltend niedrigen Inflation profitieren", erkläre er.
Portfoliomanager Jens Herdack von der Weber Bank weise darauf hin, dass das absolute Zinsniveau in allen Marktsegmenten immer noch auf einem attraktiven Niveau liege. "Und die jüngsten Äußerungen des Chefs der US-Notenbank deuten darauf hin, dass uns das hohe Zinsniveau in den USA noch eine Weile erhalten bleiben wird", betone er.
Im Basisszenario der Helaba liege die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Ende 2025 bei 2,5 Prozent, in der ersten Jahreshälfte eher darunter. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries werde gegen Jahresende "deutlich über 4 Prozent" notieren. "Eine hohe US-Staatsverschuldung, die Gefahr steigender Zölle und eine in Frage gestellte geldpolitische Unabhängigkeit der Fed haben das Potenzial, die Risikoaufschläge vor allem bei längeren Laufzeiten nach oben zu treiben", meine Analyst Ulf Kraus. "Vor allem in den USA muss phasenweise mit starken Renditeschwankungen gerechnet werden."
Neben Sorgen um Trump und dessen möglicherweise inflationstreibendem Kurs dürfte auch Frankreich Thema bleiben, wie Brunner vermute. Im gerade abgeschlossenen Jahr sei der Risikoaufschlag für zehnjährige Staatsanleihen Frankreichs gegenüber deutschen auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise gestiegen. Oechsner erwarte, dass der Aufschlag weiter um 80 Basispunkte liegen werde. "Das ist historisch hoch, und das Einengungspotential ist eher gering."
Im Geschäft mit Unternehmensanleihen dürfte den Händlern zufolge die 2024 zu beobachtende Nachfrage nach "guten" Namen anhalten. "Nicht nur Staatsanleihen oder staatsnahe Anleihen bleiben attraktiv - die Renditen sämtlicher Anleihesegmente liegen über den mehrjährigen Durchschnittszinssätzen und bieten nach wie vor attraktive Chancen", erkläre Oechsner. "Es lassen sich reale Renditen nach Inflation erzielen."
Jens Herdack von der Weber Bank zufolge seien die Aufschläge, die für Anleihen von Unternehmen mit geringer Bonität gezahlt würden, allerdings auf "Dekadentiefstände" gefallen. "Damit werden die eingegangenen Risiken in unseren Augen nicht mehr adäquat entlohnt. Viele attraktive Möglichkeiten bieten sich somit also nicht", meine Herdack. "Für den Mittelstand ist die Lage herausfordernd, da die Zinsen nicht so schnell fallen wie ursprünglich erwartet", betone auch Brunner. Das drücke auf die Margen. "Die letzten Quartalsberichte lagen in rund drei Viertel der Fälle unter den Erwartungen." (03.01.2025/alc/a/a)


