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Anleihen 2025: Europäische Staatsanleihen übergewichtet
26.05.25 10:30
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Nadège Dufossé, Global Head of Asset Allocation bei Candriam, kommentiert die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten.
Der globale Konjunkturzyklus sei noch nicht am Ende - er befinde sich in einer Umbruchphase. Nach einem volatilen ersten Quartal und einer Eskalation des Handelskonflikts Anfang April sei im Mai 2025 eine Deeskalation zu beobachten, obwohl zahlreiche Schlagzeilen über Handelszölle zu lesen seien. Der Inflationsrückgang in den USA sei zum Stillstand gekommen und bleibe auf einem bedenklich hohen Niveau, während er sich in der Eurozone dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) annähere und der Zentralbank damit Handlungsspielraum verschaffe. Das Wachstum verlangsame sich weltweit, doch die befürchtete harte Landung werde hinausgezögert und sei noch nicht eingetreten.
Vor diesem Hintergrund würden die Marktstimmungen weiterhin schwanken zwischen Optimismus, dass die US-Zölle am 4. April ihren Höchststand erreicht hätten, und der Befürchtung, dass das Endergebnis ein Vielfaches des durchschnittlichen US-Einfuhrzollsatzes von 2,5 Prozent Ende 2024 betragen werde. Angesichts der neuen Phase der Deeskalation durch die US-Regierung würden die Experten von Candriam mit ihrem Anlageansatz flexibel bleiben und hätten ihre Allokation in Risikoanlagen erhöht. Das Wachstum in Europa zeige sich zwar fragil, doch die Bereitschaft, mit der strengen Haushaltsdisziplin zu brechen, sei nun gegeben. Die US-Wirtschaft halte Kurs, allerdings unter zunehmendem Druck. Und die wirtschaftliche Erholung in China scheine noch nicht nachhaltig zu sein, was die Behörden an den Verhandlungstisch mit den USA zwinge. Insgesamt sei Geduld gefragt: Da die Abschwächung nicht synchron verlaufe, brauche es Zeit, bis sich aus der derzeit außergewöhnlich hohen Unsicherheit ein klareres Bild ergebe - und Raum für eine noch konstruktivere Einschätzung entstehe.
Teilweise Desinflation, aber entspanntere Finanzierungsbedingungen
Die Inflationsdynamik entwickele sich regional unterschiedlich. In den USA habe die Desinflation an Schwung verloren - besonders bei Rohstoffen, wo auf Produktionsebene erneut Preisdruck sichtbar werde. Umgekehrt nähere sich die Kerninflation in der Eurozone dank Energieeffekte und einer Verlangsamung des Preisanstiegs bei Konsumgütern dem Zielwert der EZB. Japan befinde sich nach wie vor in einem schwierigen Übergang von Deflation hin zu moderater Inflation. In China würden deflationäre Kräfte die Wirtschaft weiterhin fest im Griff behalten, solange es den Behörden nicht gelinge, das Vertrauen der Verbraucher wiederherzustellen. Diese divergierenden Trends würden koordinierte Maßnahmen der Zentralbanken erschweren, die Streuung an den Anleihemärkten unterstützen und könnten letztlich die Währungsentwicklung beeinflussen. Die EZB scheine mit am besten in der Lage zu sein, den durch den Inflationsrückgang eröffneten Spielraum zu nutzen, um die negativen Wachstumseffekte der Unsicherheiten im Handel mit den USA abzumildern.
Anders als im vergangenen Monat hätten sich die Finanzierungsbedingungen merklich entspannt und so die Markterholung in Gang gesetzt. Wie aktuelle Daten zeigen würden, würden sich die Credit Spreads verengen, die Aktienbewertungen seien gestiegen und die Liquidität kehre in risikobehaftete Anlagen zurück - angetrieben durch Zuflüsse von Privatanlegern und erhöhte Engagements seitens Hedgefonds. Diese Trendwende entfache neue reflationäre Kräfte, erschwere jedoch im Gegenzug eine entschlossene Lockerung durch die US-Notenbank (FED). Auffällig sei, dass sich die Finanzierungsbedingungen deutlich gelockert hätten, obwohl der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) in seiner Mai-Stellungnahme sowohl Inflations- als auch Arbeitsmarktrisiken auf der Oberseite betont habe. Das werfe die Frage auf, ob der Marktoptimismus voreilig sei - oder nur ein Vorgriff auf bevorstehende makroökonomische Wendepunkte.
Kurz gesagt: Die Vorsicht der FED könnte berechtigt sein, da sie mit verzögerten Wirkungen der Geldpolitik und politischer Unsicherheit konfrontiert sei. Gleichzeitig würden sich die Märkte unsicher zeigen in der Erwartungshaltung: Die Prognosen würden zwischen drei, vier und zuletzt nur noch zwei Zinssenkungen im Jahr 2025 schwanken.
Anlagechancen: Neupositionierung angesichts nachlassender Zollspannungen
Die Strategie der Experten von Candriam sei langfristig ausgerichtet, geografisch diversifiziert und auf Transparenz fokussiert. Der Zyklus sei noch nicht beendet, habe aber eine neue Gestalt angenommen - zahlreiche neue Impulse würden derzeit wirken. Das verlange einen flexiblen Ansatz und eine Positionierung, die nicht auf kurzfristige Marktdynamik, sondern auf langfristige strukturelle Veränderungen ausgerichtet sei.
• Aktien: Insgesamt neutral, ohne bestimmte regionale Präferenzen. Die Trump-Regierung habe in den Modus der Schadensbegrenzung und Deeskalation gewechselt. Die Aktienmärkte scheinen einen Großteil des makroökonomischen Stresses verarbeitet zu haben, und wir stufen unsere Positionierung auf "neutral" hoch, so die Experten von Candriam. Eine Übergewichtung sei ihres Erachtens noch nicht angebracht, da das Aufwärtspotenzial ohne Gewinnunterstützung begrenzt bleibe. Die Experten von Candriam würden daher einen breit diversifizierten Faktor- und Sektoransatz bevorzugen. Sie sähen zudem Chancen in Bereichen mit Bezug zu europäischer Infrastruktur und Verteidigung, die weiterhin von fiskalischem Rückenwind profitieren dürften.
• Fixed Income: Übergewichtete Duration in Europa. Neutral für US-Treasuries. Positiv für Core Sovereigns. Die EZB werde ihren Lockerungszyklus voraussichtlich fortsetzen. Die Inflation lasse nach, das Wachstum sei schwach und die handelspolitische Unsicherheit dürfte Spuren hinterlassen. Europäische Anleihen würden deshalb nach wie vor attraktive Einstiegspunkte bevorzugen. Die übergewichtete Durationsposition der Experten von Candriam in Europa, insbesondere bei Staatsanleihen der Kernländer, spiegele diese Überzeugung wider. Die Spreads der Peripherieländer würden stabil bleiben, da vor dem Sommer nur mit begrenzten politischen Turbulenzen zu rechnen sei. Die Experten von Candriam würden außerdem feststellen, dass die Absicherungskosten für Anleger, die nicht auf US-Dollar setzen würden, die Renditen europäischer Staatsanleihen über das Niveau ihrer US-Pendants gedrückt hätten.
• Leicht untergewichtet in High-Yield. Die Spreads hätten sich endlich ausgeweitet und anschließend wieder verengt. Die technischen und fundamentalen Faktoren im High-Yield-Segment würden stark bleiben, was die Experten von Candriam zu einer Heraufstufung der Anlageklasse um eine Stufe von "untergewichten" auf "leicht untergewichten" veranlasse. Die Experten von Candriam würden vorsichtig bleiben, da politische Unsicherheiten und eine fragile Marktstimmung weiterhin erhebliche Hürden für einen substanzielleren Wiedereinstieg in die Anlageklasse darstellen würden.
• Gold als strategischer Anker: Gold bleibe ein starker Hedge in einer Welt, die von geopolitischen Spannungen und volatilen Realzinsen geprägt sei. Trotz hoher nominaler Renditen werde die Goldnachfrage durch Käufe der Zentralbanken und eine veränderte Präferenz bei den Währungsreserven gestützt. Auch die Nachfrage von Privatanlegern und ETFs habe sich verstärkt - getrieben von dem Wunsch der Investoren, sich gegen makroökonomische Extremrisiken abzusichern. Die Experten von Candriam würden ihre übergewichtete Position beibehalten.
• USD auf dem Hoch, Währungschancen: Der Dollar bleibe historisch betrachtet stark. Doch mit der erwarteten Zinslockerung durch die FED und einer nachlassenden Wachstumsdynamik würden die Experten von Candriam mit einer Abwertung rechnen. Sie würden übergewichtet bleiben in defensiven Währungen wie dem Japanischen Yen und sähen Anlagechancen bei den Währungen ausgewählter Schwellenländer, wo die Realzinsen attraktiv seien und die Bilanzen sich verbessern würden. Deshalb würden die Experten von Candriam auch Schwellenländeranleihen um eine Stufe von "untergewichten" auf "leicht übergewichten" heraufstufen.
• Alternatives und Market-Neutral Strategien: Angesichts der anhaltenden Volatilität und der asymmetrischen Marktrisiken würden die Experten von Candriam an ihrer Allokation in marktneutralen und alternativen Strategien festhalten. Diese Ansätze würden das Portfolio stabilisieren und die traditionelleren und eher direktionalen Exposures ergänzen. (26.05.2025/alc/a/a)
Der globale Konjunkturzyklus sei noch nicht am Ende - er befinde sich in einer Umbruchphase. Nach einem volatilen ersten Quartal und einer Eskalation des Handelskonflikts Anfang April sei im Mai 2025 eine Deeskalation zu beobachten, obwohl zahlreiche Schlagzeilen über Handelszölle zu lesen seien. Der Inflationsrückgang in den USA sei zum Stillstand gekommen und bleibe auf einem bedenklich hohen Niveau, während er sich in der Eurozone dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) annähere und der Zentralbank damit Handlungsspielraum verschaffe. Das Wachstum verlangsame sich weltweit, doch die befürchtete harte Landung werde hinausgezögert und sei noch nicht eingetreten.
Vor diesem Hintergrund würden die Marktstimmungen weiterhin schwanken zwischen Optimismus, dass die US-Zölle am 4. April ihren Höchststand erreicht hätten, und der Befürchtung, dass das Endergebnis ein Vielfaches des durchschnittlichen US-Einfuhrzollsatzes von 2,5 Prozent Ende 2024 betragen werde. Angesichts der neuen Phase der Deeskalation durch die US-Regierung würden die Experten von Candriam mit ihrem Anlageansatz flexibel bleiben und hätten ihre Allokation in Risikoanlagen erhöht. Das Wachstum in Europa zeige sich zwar fragil, doch die Bereitschaft, mit der strengen Haushaltsdisziplin zu brechen, sei nun gegeben. Die US-Wirtschaft halte Kurs, allerdings unter zunehmendem Druck. Und die wirtschaftliche Erholung in China scheine noch nicht nachhaltig zu sein, was die Behörden an den Verhandlungstisch mit den USA zwinge. Insgesamt sei Geduld gefragt: Da die Abschwächung nicht synchron verlaufe, brauche es Zeit, bis sich aus der derzeit außergewöhnlich hohen Unsicherheit ein klareres Bild ergebe - und Raum für eine noch konstruktivere Einschätzung entstehe.
Teilweise Desinflation, aber entspanntere Finanzierungsbedingungen
Die Inflationsdynamik entwickele sich regional unterschiedlich. In den USA habe die Desinflation an Schwung verloren - besonders bei Rohstoffen, wo auf Produktionsebene erneut Preisdruck sichtbar werde. Umgekehrt nähere sich die Kerninflation in der Eurozone dank Energieeffekte und einer Verlangsamung des Preisanstiegs bei Konsumgütern dem Zielwert der EZB. Japan befinde sich nach wie vor in einem schwierigen Übergang von Deflation hin zu moderater Inflation. In China würden deflationäre Kräfte die Wirtschaft weiterhin fest im Griff behalten, solange es den Behörden nicht gelinge, das Vertrauen der Verbraucher wiederherzustellen. Diese divergierenden Trends würden koordinierte Maßnahmen der Zentralbanken erschweren, die Streuung an den Anleihemärkten unterstützen und könnten letztlich die Währungsentwicklung beeinflussen. Die EZB scheine mit am besten in der Lage zu sein, den durch den Inflationsrückgang eröffneten Spielraum zu nutzen, um die negativen Wachstumseffekte der Unsicherheiten im Handel mit den USA abzumildern.
Anders als im vergangenen Monat hätten sich die Finanzierungsbedingungen merklich entspannt und so die Markterholung in Gang gesetzt. Wie aktuelle Daten zeigen würden, würden sich die Credit Spreads verengen, die Aktienbewertungen seien gestiegen und die Liquidität kehre in risikobehaftete Anlagen zurück - angetrieben durch Zuflüsse von Privatanlegern und erhöhte Engagements seitens Hedgefonds. Diese Trendwende entfache neue reflationäre Kräfte, erschwere jedoch im Gegenzug eine entschlossene Lockerung durch die US-Notenbank (FED). Auffällig sei, dass sich die Finanzierungsbedingungen deutlich gelockert hätten, obwohl der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) in seiner Mai-Stellungnahme sowohl Inflations- als auch Arbeitsmarktrisiken auf der Oberseite betont habe. Das werfe die Frage auf, ob der Marktoptimismus voreilig sei - oder nur ein Vorgriff auf bevorstehende makroökonomische Wendepunkte.
Kurz gesagt: Die Vorsicht der FED könnte berechtigt sein, da sie mit verzögerten Wirkungen der Geldpolitik und politischer Unsicherheit konfrontiert sei. Gleichzeitig würden sich die Märkte unsicher zeigen in der Erwartungshaltung: Die Prognosen würden zwischen drei, vier und zuletzt nur noch zwei Zinssenkungen im Jahr 2025 schwanken.
Die Strategie der Experten von Candriam sei langfristig ausgerichtet, geografisch diversifiziert und auf Transparenz fokussiert. Der Zyklus sei noch nicht beendet, habe aber eine neue Gestalt angenommen - zahlreiche neue Impulse würden derzeit wirken. Das verlange einen flexiblen Ansatz und eine Positionierung, die nicht auf kurzfristige Marktdynamik, sondern auf langfristige strukturelle Veränderungen ausgerichtet sei.
• Aktien: Insgesamt neutral, ohne bestimmte regionale Präferenzen. Die Trump-Regierung habe in den Modus der Schadensbegrenzung und Deeskalation gewechselt. Die Aktienmärkte scheinen einen Großteil des makroökonomischen Stresses verarbeitet zu haben, und wir stufen unsere Positionierung auf "neutral" hoch, so die Experten von Candriam. Eine Übergewichtung sei ihres Erachtens noch nicht angebracht, da das Aufwärtspotenzial ohne Gewinnunterstützung begrenzt bleibe. Die Experten von Candriam würden daher einen breit diversifizierten Faktor- und Sektoransatz bevorzugen. Sie sähen zudem Chancen in Bereichen mit Bezug zu europäischer Infrastruktur und Verteidigung, die weiterhin von fiskalischem Rückenwind profitieren dürften.
• Fixed Income: Übergewichtete Duration in Europa. Neutral für US-Treasuries. Positiv für Core Sovereigns. Die EZB werde ihren Lockerungszyklus voraussichtlich fortsetzen. Die Inflation lasse nach, das Wachstum sei schwach und die handelspolitische Unsicherheit dürfte Spuren hinterlassen. Europäische Anleihen würden deshalb nach wie vor attraktive Einstiegspunkte bevorzugen. Die übergewichtete Durationsposition der Experten von Candriam in Europa, insbesondere bei Staatsanleihen der Kernländer, spiegele diese Überzeugung wider. Die Spreads der Peripherieländer würden stabil bleiben, da vor dem Sommer nur mit begrenzten politischen Turbulenzen zu rechnen sei. Die Experten von Candriam würden außerdem feststellen, dass die Absicherungskosten für Anleger, die nicht auf US-Dollar setzen würden, die Renditen europäischer Staatsanleihen über das Niveau ihrer US-Pendants gedrückt hätten.
• Leicht untergewichtet in High-Yield. Die Spreads hätten sich endlich ausgeweitet und anschließend wieder verengt. Die technischen und fundamentalen Faktoren im High-Yield-Segment würden stark bleiben, was die Experten von Candriam zu einer Heraufstufung der Anlageklasse um eine Stufe von "untergewichten" auf "leicht untergewichten" veranlasse. Die Experten von Candriam würden vorsichtig bleiben, da politische Unsicherheiten und eine fragile Marktstimmung weiterhin erhebliche Hürden für einen substanzielleren Wiedereinstieg in die Anlageklasse darstellen würden.
• Gold als strategischer Anker: Gold bleibe ein starker Hedge in einer Welt, die von geopolitischen Spannungen und volatilen Realzinsen geprägt sei. Trotz hoher nominaler Renditen werde die Goldnachfrage durch Käufe der Zentralbanken und eine veränderte Präferenz bei den Währungsreserven gestützt. Auch die Nachfrage von Privatanlegern und ETFs habe sich verstärkt - getrieben von dem Wunsch der Investoren, sich gegen makroökonomische Extremrisiken abzusichern. Die Experten von Candriam würden ihre übergewichtete Position beibehalten.
• USD auf dem Hoch, Währungschancen: Der Dollar bleibe historisch betrachtet stark. Doch mit der erwarteten Zinslockerung durch die FED und einer nachlassenden Wachstumsdynamik würden die Experten von Candriam mit einer Abwertung rechnen. Sie würden übergewichtet bleiben in defensiven Währungen wie dem Japanischen Yen und sähen Anlagechancen bei den Währungen ausgewählter Schwellenländer, wo die Realzinsen attraktiv seien und die Bilanzen sich verbessern würden. Deshalb würden die Experten von Candriam auch Schwellenländeranleihen um eine Stufe von "untergewichten" auf "leicht übergewichten" heraufstufen.
• Alternatives und Market-Neutral Strategien: Angesichts der anhaltenden Volatilität und der asymmetrischen Marktrisiken würden die Experten von Candriam an ihrer Allokation in marktneutralen und alternativen Strategien festhalten. Diese Ansätze würden das Portfolio stabilisieren und die traditionelleren und eher direktionalen Exposures ergänzen. (26.05.2025/alc/a/a)


