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Anleihemarkt spiegelt US-Wahlkampf wider


23.08.24 11:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche kam erneut Bewegung in den US-Wahlkampf - Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, ordnet die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten und deren Bedeutung für die Kapitalmärkte ein, dazu teilt er seine Einschätzung zur nächsten US-Zinsentscheidung und mögliche Entwicklungen in Frankreich.

Vergangene Woche seien die Anleiherenditen erneut gesunken. Dafür hätten unter anderem Spekulationen darüber gesorgt, dass die Federal Reserve Bank (FED) ihren Leitzins im September um 50 Basispunkte senken könnte. Die Experten von RBC BlueBay Asset Management würden jedoch glauben, dass die US-Notenbank nur einen Zinsschritt von 25 Basispunkten verkünden werde, gefolgt von ähnlichen Schritten im Dezember und im ersten Quartal des Jahres 2025.

Einige Marktteilnehmer würden indes eine erhöhte Rezessionsgefahr für die Vereinigten Staaten äußern. In dem Zusammenhang habe man zuletzt häufiger von der "Sahm-Regel" lesen können. Die Regel besage, dass auf einen Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,5 Prozent über den 12-Monats-Durchschnitt eine Rezession folge. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht habe eben jene Entwicklung nun zum Vorschein gebracht. Allerdings würden die Daten darauf hindeuten, dass ein Teil der Abschwächung übertrieben dargestellt worden sei - aufgrund des Einflusses von Hurrikans.

Außerdem würden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe immer noch auf einen relativ gesunden Arbeitsmarkt hindeuten. Zudem scheinen die finanziellen Bedingungen derzeit auf dem lockersten Niveau des gesamten vergangenen Jahres zu notieren; aufgrund der genannten Faktoren sehen wir keinen Grund zur Panik bezüglich der US-Zinsentwicklung, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.

Auf einem Parteitag der US-Demokraten in Chicago habe sich die US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris in ausgelassener Stimmung gezeigt. Zu Beginn dieser Woche habe sie in den Umfragen leicht vor dem republikanischen Kandidaten Donald Trump geführt, auch wenn der Vorsprung bis zum Ende der Woche geschwunden sei. Der Aufstieg von Harris sei, gemessen an den vorherigen Erwartungen, überraschend gekommen. Doch es bleibe abzuwarten, ob dies nur ein vorübergehendes Phänomen sei oder ob sich ihre Gewinnchancen verfestigen würden. Noch seien es 73 Tage bis zum Wahltag in den Vereinigten Staaten.

Ein klarer Sieg Trumps könnte im Falle sinkender Steuern starke fiskalische Impulse nach sich ziehen. Als dieses Szenario vor einem Monat noch realistischer erschien, ließ sich ein Anstieg der US-Zinskurve beobachten, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management. Doch mit dem Aufstieg von Harris sei die Zinskurve wieder etwas abgeflacht.

Die Experten von RBC BlueBay Asset Management würden jedoch denken, dass Harris eine ähnliche Fiskalpolitik wie ihr Vorgänger, der aktuelle US-Präsident Joe Biden, verfolgen würde. Eine Politik, bei der das US-Haushaltsdefizit sieben Prozent der Wirtschaftsleistung ausmache, während die Wirtschaft robust sei und unter Vollbeschäftigung laufe.

Vom Desinteresse Washingtons am Haushaltsdefizit seien die Experten von RBC BlueBay Asset Management weiterhin beeindruckt und auch der Anleihemarkt scheine wenig Widerstand gegen die Pläne einer expansiven Fiskalpolitik zu leisten. Zum Beispiel würden die Renditen von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren weit unter dem Zinsniveau am kurzen Laufzeitende bleiben, was als grünes Licht für diejenigen gelten dürfte, die weiter Geld ausgeben und Steuern senken möchten. Unabhängig vom Wahlergebnis würden die Experten von RBC BlueBay Asset Management es daher für angemessen halten, auf einen Anstieg der Zinskurve zu achten.

Geopolitische Risiken in Nahost und der Ukraine würden bestehen bleiben. Der jüngste Vorstoß in die Region Kursk in Russland durch ukrainische Truppen sei überraschend gekommen. Mit westlichen Waffen, die für die Operation auf russischem Boden eingesetzt würden, wachse das Risiko für eine weitere Eskalation.

In Frankreich sei es in diesem Sommer ruhig geblieben. Die Experten von RBC BlueBay Asset Management würden jedoch erwarten, dass die politische Situation im Herbst wieder in den Fokus rücken werde. Linke Parteien, die Macron unterstützen würden, würden Zugeständnisse beim Haushaltsplan für das kommende Jahr fordern. Das könnte zu erhöhten Staatsausgaben führen, die das Haushaltsdefizit vergrößern und Frankreich auf einen Kollisionskurs mit Brüssel bringen würden. Nach Ansicht von RBC BlueBay könnte dies zu einer erneuten Underperformance französischer Anleihen führen.

Fast zwei Drittel des Jahres 2024 liegen nun schon hinter uns, doch es scheint, als lägen die entscheidenden Ereignisse dieses Jahres noch vor uns, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.

In ihrem Portfolio seien die Experten von RBC BlueBay Asset Management für den Moment zufrieden mit ihren Short-Positionen in Japan und den US-Zinsen, neben Long-Positionen im Kreditbereich. Dies spiegele ihre Einschätzung wider, dass das Risiko einer kurzfristigen Rezession gering sei und die Wirtschaft eher auf eine sanfte als auf eine harte Landung zusteuere. (23.08.2024/alc/a/a)