Anleihemarkt: Zinsen im Rückwärtsgang


03.04.17 09:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Verkehrte Welten: Seit der Zinsanhebung der US-Notenbank Mitte diesen Monats sind die Zinsen dies- und jenseits des Atlantiks gefallen statt gestiegen, so die Deutsche Börse AG.

Ein Auslöser sei das Scheitern der US-Gesundheitsreform vor genau einer Woche gewesen: "Unmittelbar nach der Absage der Abstimmung durch die Republikaner gaben die Renditen für zehnjährige US-Treasuries um 7 Basispunkte nach", berichte Marius Schad von der HSH Nordbank. Der Vertrauensvorschuss vieler Marktteilnehmer in eine unternehmerfreundliche Wirtschaftspolitik der neuen US-Administration habe einen erheblichen Dämpfer bekommen.

Zehnjährige US-Treasuries würden aktuell mit 2,42 Prozent nach 2,63 vor dem FED-Zinsentscheid rentieren. Der richtungweisende Euro-Bund-Future liege am Freitagmittag bei 161,37 Prozent, vor einer Woche seien es 160,18 Punkte gewesen - und 159 im Tief Mitte März. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege aktuell bei 0,33 Prozent nach 0,40 Prozent vor einer Woche.

"Die USA geben derzeit den Takt vor", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Zudem hätten die rückläufigen Inflationszahlen den Druck auf die EZB verringert, ein Ende der expansiven Geldpolitik einzuläuten. Nach 2,2 Prozent im Februar habe die Inflationsrate in Deutschland im März wieder nur bei 1,6 Prozent gelegen, in der Eurozone bei 1,5 Prozent nach 2 Prozent im Februar.

Ab Anfang April, also dem morgigen Samstag, gelte das modifizierte Ankaufprogramm der EZB: Statt Papiere im Volumen von 80 Milliarden Euro werde die Zentralbank dann Anleihen im Wert von nur noch 60 Milliarden Euro im Monat aufkaufen. "Das sollte zumindest die Situation am Sekundärmarkt etwas entspannen", meine Klaus Stopp von der Baader Bank. Die Wahlen in Frankreich, der Brexit und die Unberechenbarkeit der US-Regierung seien aber nach wie vor die größten Unsicherheitsfaktoren. "Deshalb werden die Investoren sich nicht am Rentenmarkt verabschieden, sondern im Zweifelsfall in kleineren Mengen weiter investieren."

Im Bereich der Corporate Bonds werde eine Anleihe (ISIN XS1377745937 / WKN A169MH) der Bayer-Abspaltung Covestro mit Laufzeit bis September 2024 und Kupon von 1,75 Prozent derzeit gut nachgefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Bei einem Kurs von 105,64 Prozent ergebe sich aktuell eine Rendite von 0,96 Prozent.

Brunner zufolge seien Floater derzeit beliebt, etwa von der BNP Paribas (ISIN nicht bekannt/ WKN PBHKTF). "Damit laufen Anleger in kein Zinsänderungsrisiko." Im Fall der BNP Paribas-Anleihe werde der Zins zum Beispiel vierteljährlich angepasst. Darüber hinaus habe der Händler auch reges Interesse an soliden Mittelstandsanleihen beobachtet. "Alles, was über 100 Prozent notiert, wird gerne gekauft." Als Beispiel nenne er die Anleihe (ISIN DE000A2AAR27 / WKN A2AAR2) des finnischen Finanzdienstleisters Ferratum, die aktuell bei 103 Prozent gehandelt werde.

Nach Volkswagen sei nun auch BMW mit neuen Bonds auf den Markt gekommen - hier aber mit kleinanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro. Die erste Tranche (ISIN XS1589881272 / WKN A19FK5) laufe bis Juli 2020 und biete 0,125 Prozent, die zweite (ISIN XS1589881785 / WKN A19FK6) bis April 2025 und 0,875 Prozent. "Für Privatanleger ist das angesichts der niedrigen Kupons aber völlig uninteressant, wie die Umsätze hier auch zeigen", bemerke Brunner. "Solche Anleihen werden von großen Institutionellen bei Emission gekauft. Im Sekundärmarkt sind die Papiere zu teuer, das gleicht das Risiko nicht mehr aus."

Etwas besser sehe es bei einer neuen HeidelbergCement-Anleihe aus, ebenfalls mit 1.000 Euro-Stückelung. Endfällig sei der Bond im April 2026, der Kupon liege bei 1,625 Prozent. "Das wird gut angenommen", stelle Daniel fest. Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von einer neuen Anleihe (ISIN XS1591416679 / WKN A2E4U9) des Düngemittelspezialisten K+S, die bis 2023 laufe und einen Kupon von 2,625 Prozent aufweise. (Ausgabe vom 31.03.2017) (03.04.2017/alc/a/a)






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