Anleihemarkt: Wieder neue Rekordstände


29.08.14 16:47
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Trend zu immer niedrigeren Zinsen hierzulande setzt sich fort, so die Deutsche Börse AG.

"In dieser Woche waren die Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi und die Ukraine die großen Themen, beides stützt Bundesanleihen", bemerke Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Draghi habe vergangenen Freitag auf dem Notenbanktreffen im US-amerikanischen Jackson Hole auf die im August merklich gefallenen Inflationserwartungen verwiesen. "Alles deutet auf eine weitere geldpolitische Lockerung hin", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Verstärkt worden sei die Nachfrage nach Bundesanleihen am gestrigen Donnerstag noch von Meldungen über einen Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen seien am Donnertag jedenfalls auf ein historisches Tief von 0,88 Prozent gefallen, am Freitag seien es sogar nur noch 0,874 Prozent.

Der Euro-Bund-Future habe am Donnerstag ein neues Hoch von 151,83 Punkten markiert, am Freitagmittag notiere der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 151,35 Punkten. "Das sind weiterhin Krisenniveaus", meine Arthur Brunner von ICF Kursmakler.

Am Markt beschäftige man sich mittlerweile mit der Frage, mit welchem Kupon die neue zehnjährige Bundesanleihe am 10. September emittiert werde, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Hatte die vorhergehende Anleihe (ISIN DE0001102358 / WKN 110235) noch einen Kupon von 1,50 Prozent, so könnte die Finanzagentur nun einen Einprozenter begeben oder der Zinssatz gar mit einer Null beginnen."

Begrüßt worden sei am Markt die Regierungsumbildung in Frankreich. "Wir werten den Mannschaftswechsel, insbesondere an der Spitze des Wirtschaftsministeriums, als ein gutes Zeichen für die Reformperspektiven des Landes", bemerke etwa die HSH Nordbank. Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen habe vergangenen Freitag noch bei 1,34 Prozent gelegen, heute seien es 1,23 Prozent.

"Der als führungsschwach geltende Präsident Hollande hat sich endlich einmal durchgesetzt", meine Brunner. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, der den Sparkurs in Frage gestellt habe, sei aus dem Kabinett geflogen, neuer Wirtschaftsminister sei Hollandes ehemaliger Berater Emmanuel Macron, ein wirtschaftsfreundlicher Ex-Banker.

Bis zum gestrigen Donnerstag, als es einen Rücksetzer gegeben habe, hätten sich auch Staatspapiere südeuropäischer Länder verteuert. Wie Klaus Stopp von der Baader Bank melde, hätten etwa spanische Bonds mit Laufzeit bis 2019 (ISIN ES00000121O6 / WKN A1AHHK) mit 117,23 Prozent auf einem Jahreshoch notiert, ebenso zehnjährige Titel (ISIN ES00000126B2 / WKN A1ZKWJ) mit 105,63 Prozent. Ähnliches sei bei portugiesischen Bonds (ISIN PTOTEMOE0027 / WKN A0T7AG; ISIN XS1085735899 / WKN A1ZLWS) zu beobachten gewesen.

Angesichts dieser Stimmung seien auch Neuemissionen bestens gelaufen: "Spanien refinanzierte sich am Geldmarkt fast für Nichts", erkläre Stopp: Das Land habe dreimonatige Schatzwechsel im Volumen von rund 1,1 Milliarden Euro zu 0,035 Prozent und neunmonatige Papiere für rund 2,4 Milliarden Euro zu 0,115 Prozent am Markt platziert.

Daneben seien Corporate Bonds Brunner zufolge diese Woche sehr gesucht gewesen. Anleger hätten etwa eine Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von VW gekauft. "Vor einer Woche lag der Kurs noch bei 106,75 Prozent, jetzt sind es 108,15 Prozent."

Daniel melde rege Nachfrage nach einer im Juni begebenen und bis 2075 laufenden Bayer-Anleihe mit Kupon von 3 Prozent. Da stecke wohl eine Empfehlung dahinter. "Keiner rechnet derzeit mit stark steigenden Zinsen in der Eurozone, daher wird so etwas gekauft." Beim aktuellen Kurs von 102,40 Prozent würden Anleger auf eine Rendite von 2,65 Prozent kommen.

Dass der August in diesem Jahr der wichtigste Ferienmonat in Europa sei, zeige sich auch im Primärmarkt, wie Hellwig feststelle: "Es dauerte bis zum 26., bis ein Emittent sich mit nennenswerten neuen Anleihen auf dem Markt zeigte."

Viel zu holen sei - zumindest bei soliden Adressen - aber nicht: BMW habe eine vierjährige Anleihe (ISIN XS1105264821 / WKN A1ZN0S) mit Fälligkeit im September 2018 und eine achtjährige (ISIN XS1105276759 / WKN A1ZN0T) mit Fälligkeit im September 2022 und Kupon von 0,5 beziehungsweise 1,25 Prozent sowie Stückelung von 1.000 Euro begeben. "Hier lässt sich gut verdeutlichen, was sich seit 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, zinstechnisch getan hat", bemerke Stopp. So habe BMW 2008 für eine fünfjährige Mittelaufnahme 8,875 Prozent gezahlt, 2011 immerhin noch 3,25 Prozent.

Zunehmend Beachtung würden unterdessen Fremdwährungsanleihen finden. "Es geht wieder mehr um, auch wenn keine klare Tendenz zu erkennen ist", erkläre Daniel. Gekauft würden etwa auf Norwegische Kronen lautende Bonds (ISIN XS0812998036 / WKN A1G739). Der Euro habe in den vergangenen Wochen gegenüber dem US-Dollar, aber auch zahlreichen anderen Währungen, geschwächelt. Ein Euro koste aktuell nur noch 1,3190 US-Dollar, Anfang Mai seien es noch fast 1,40 US-Dollar gewesen. (29.08.2014/alc/a/a)





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