Anleihemarkt: Vorerst Aufatmen


20.07.15 08:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach dramatischen Tagen können sich Politiker und Börsianer wohl nun auf ein etwas ruhigeres Wochenende freuen, so die Deutsche Börse AG.

"Das war knapp. Um ein Haar wäre Griechenland am Montag aus der Eurozone herauskatapultiert worden", kommentiere die HSH Nordbank. Nun sei der Grexit - zumindest zunächst - abgewendet und andere Themen seien in den Vordergrund gerückt.

"Die Normalität ist zurück", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Europas Peripherie seien im Laufe der Woche gesunken, die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren seien wieder unter 2 Prozent gerutscht. Zur Beruhigung hätten die Zustimmung des Athener Parlaments zum Sparprogramm sowie die Erhöhung der ELA-Notkredite für Griechenland durch die EZB beigetragen, ebenso die Zustimmung zu einem Brückenkredit aus dem EFSF.

"Nach dem Kompromiss zeigten Bundesanleihen zunächst eine schwächere Tendenz, konnten aber im Handelsverlauf am Montag gut zulegen", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Am Freitagmittag notiere der Euro-Bund-Future im Vergleich zur Vorwoche fester bei 152,54 Prozent, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,82 Prozent abwerfen nach 0,89 Prozent vergangenen Freitag.

Doch es gebe auch viele Skeptiker unter Händlern und Analysten. "Noch längst ist nicht alles in trockenen Tüchern", betone Klaus Stopp von der Baader Bank. "Bei den Menschen und in den Parlamenten ist noch genügend Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die getroffenen Vereinbarungen nur die Grundlage für weitere Gespräche bilden." Man dürfe also gespannt sein, was zum Jahresende noch von den guten Vorsätzen, die man jetzt gefasst habe, übrig bleibe. Bei der heute anstehenden Abstimmung des Deutschen Bundestages gelte eine Mehrheit für die Aufnahme von Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm für Griechenland als sicher.

Anleger hätten sich in dieser Woche weiter zurückgehalten. "Es ist einfach kein Umfeld, in dem man Geld in die Hand nimmt", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Neuigkeiten seien auch aus den USA und China gekommen: US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen habe bei ihrer Rede vor dem Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses am Mittwoch geäußert, dass ein erster Zinsschritt noch in diesem Jahr angemessen sei. "Den Rentenmarkt hat das allerdings kalt gelassen", stelle Brunner fest. Auch die Entwicklungen in China hätten zuletzt einen neutralen Effekt auf die Rentenmärkte gehabt, wie die HSH Nordbank beobachtet habe. "Einem erneuten Einbruch an den Aktienmärkten, der einer kurzen und kräftigen Erholung zu Wochenbeginn folgte, stand eine über den Erwartungen liegende Wachstumsrate für das zweite Quartal von 7 Prozent gegenüber."

Neben Italien und Belgien habe es in dieser Woche vor allem Neuemissionen von Staatsanleihen aus Spanien, schwerpunktmäßig mit längeren Laufzeiten gegeben. "Die Nachfrage war gut", melde Brunner.

Zudem habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue zehnjährige Anleihe auf den Markt (ISIN DE0001102382 / WKN 110238) mit Kupon von 1 Prozent gebracht. "Das bedeutet gegenüber der vergleichbaren Emission im Februar dieses Jahres eine Verdoppelung des Nominalzinses", bemerke Stopp. Die Nachfrage habe sich dennoch in Grenzen gehalten: "Dem Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro standen lediglich Orders für insgesamt 4,499 Milliarden entgegen."

Bei den Neuemissionen von Corporate Bonds bleibe es vergleichsweise ruhig. Ein neues Papier, das ab der kommenden Woche in den Handel der Börse Frankfurt aufgenommen werde, gebe es von der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen: Der Bond (ISIN XS1250867642 / WKN nicht bekannt) laufe bis 2020 und biete einen Kupon von 1,375 Prozent, die Stückelung liege bei 1.000 Euro.

Daniel berichte von größerem Interesse an Fremdwährungsanleihen, etwa an einer auf Mexikanische Peso lautenden Weltbank-Anleihe (ISIN XS0961509543 / WKN A1HPVJ). "In US-Dollar-Papieren werden jetzt oft Gewinne mitgenommen", ergänze der Händler.

"Anleger engagieren sich derzeit verstärkt in Anleihen in US-Dollar", berichte unterdessen Tillmann. "Gefragt waren vor allem auch in Europa gut bekannte Emittenten wie General Electric und Kraft Heinz Foods Corporation." Auch unbekanntere Namen fänden Abnehmer hierzulande. "Anscheinend nutzen Investoren die US-Dollar-Anleihen, um auch auf einen möglichen kurzfristig bevorstehenden Anstieg des US-Dollar gegenüber dem Euro zu spekulieren."

Mittelstandsanleihen würden sich unterdessen weiter gut halten, wie Brunner feststelle. Der Entry Corporate Bond-Index, der die Anleihen im Entry Standard abbilde, sei seit Jahresanfang um 8 Prozent gestiegen. "Die Kinderkrankheiten scheinen ausgestanden." Einige Papiere hätten weit über Pari notiert, etwa die Ferratum-Anleihe, die derzeit zu 108,8 Prozent gehandelt werde. Noch höher würden Mittelstandanleihen von Adler Real Estate, Alfmeier, Porr, Deutsche Rohstoff, Paragon, Berentzen (ISIN DE000A1RE1V3 / WKN A1RE1V) und Vedes bewertet. (Ausgabe vom 17.07.2015) (20.07.2015/alc/a/a)

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