Anleihemarkt: Renditen schmelzen dahin


09.03.15 10:49
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am kommenden Montag (09.03) ist es soweit. Die EZB gibt den Startschuss für das neue, monatlich 60 Milliarden Euro schwere Ankaufprogramm von Anleihen, so die Deutsche Börse AG.

Die Käufe würden so lange fortgesetzt, bis man eine nachhaltige Inflationsentwicklung in Richtung der mittelfristigen Zielgröße von 2,0 Prozent erkenne. "EZB-Chef Draghi gab am Donnerstag in Nikosia auch bekannt, dass nur Werte einbezogen werden, die mindestens beim derzeitigen Einlagensatz von minus 0,2 Prozent rentieren", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Dies bedeute für Bundesanleihen, dass im Wesentlichen im mittleren und langen Laufzeitenbereich gekauft werden müsse.

Nach Verlusten bis Mitte der Woche habe der Euro-Bund-Future am Donnerstag auf 159,19 Prozent zugelegt, gleichzeitig sei die Rendite von 0,431 auf 0,331 Prozent gefallen. Aktuell notiere das hiesige Rentenbarometer bei 159,10 Prozent.

Staatsanleihen der Euro-Peripherie hätten profitiert. Die Rendite zehnjähriger Werte aus Italien sei auf 1,33 Prozent zurückgegangen, spanische Bonds würden derzeit 1,28 Prozent abwerfen, während portugiesische Bonds um 1,75 Prozent rentieren würden. "Portugal ist mit einem 8,5 Basispunkte niedrigerem Renditeabstand zu Bundesanleihen gleicher Laufzeit der größte Gewinner", berechne Arthur Brunner von der ICF Bank. Mit der EZB als zusätzlichem Käufer am Markt dürften Bonds aus dem Euroraum nach Meinung der Helaba tendenziell gestützt und das niedrige Renditeniveau vorerst verankert werden.

Griechische und zyprische Werte stünden aufgrund mangelnder Kreditfähigkeit derzeit außen vor. Zypern plane allerdings noch in diesem Jahr die Rückkehr an den Kapitalmarkt und hoffe nach Aussagen der Regierung auf die Teilnahme an dem QE-Programm ab April. Dazu werde in Kürze eigens ein neues, von der EZB verlangtes Gesetz zu Zwangsvollstreckungen verabschiedet.

Griechenland hingegen stürze mit einem Zahlungsverzug bei einigen Löhnen für Februar scheinbar immer tiefer in die Krise. Gepaart mit den jüngsten griechischen Worten von Gianis Varoufakis "Sie wissen, dass wir es nicht haben" bezüglich der nahenden Rückzahlung endfälliger Anleihen, frage sich Klaus Stopp: "Wann ist das Maß voll und unsere Geduld am Ende." Entgegen den Regeln gebe es im EU-Finanzpoker nach der Verlängerung der Verlängerung nun die Verlängerung der Verlängerung der Verlängerung, wie der Händler der Baader Bank beschreibe. "Ob das sinnvoll ist, werden die nächsten Wochen zeigen."

Derweil habe sich Athen nach Beobachtung von Brunner am Geldmarkt 1,138 Milliarden Euro zu einem Zins von 2,97 Prozent für sechs Monate besorgt. Beim letzten Mal seien 2,6 Prozent fällig gewesen. "Allerdings gibt es Gerüchte, dass die Griechische Zentralbank Anleihen erworben hat."

Europäische Banken würden laut Stopp übrigens so viele Euroländer-Bonds wie nie halten. Allein im vergangenen Jahr stünde insgesamt eine Erhöhung um rund 9,1 Prozent zu Buche. "Im Januar 2015 wurde nochmals investiert." Ob diese Aufstockungen aufgrund gesetzlicher Vorgaben oder mit Blick auf das neue EZB-Programm stattgefunden hätten, sei noch offen.

Zumindest in Deutschland sehe Stopp aufgrund eines knappen Angebots neuer Bonds Raum für steigende Preise. Die Bundesrepublik plane 2015 die Ausgabe von Anleihen im Volumen von 147 Milliarden Euro. Gleichzeitig stünden Rückzahlungen in Höhe von 135 Milliarden Euro an. "Damit beläuft sich aus deutscher Sicht das neu zur Verfügung stehende Volumen im Jahre 2015 auf nur 15 Milliarden Euro."

Seit Jahresbeginn würden sich US-Konzerne besonders gern im Euroraum verschulden. "Allein in der vergangenen Woche wurden so Kredite in Höhe von insgesamt 14,6 Milliarden Euro über den Kapitalmarkt aufgenommen", wisse Brunner. Das sei der höchste Stand seit 2007. "Zum einen ist die Gemeinschaftswährung im Abwärtstrend, andererseits sind die Zinsen niedriger als in den USA", erkläre der Händler.

Mit von der Partie sei seit dieser Woche Berkshire Hathaway. Über drei Tranchen (ISIN XS1200679667 / WKN A1ZYEZ; ISIN XS1200679071 / WKN A1ZYF7; ISIN XS1200670955 / WKN A1ZYF0) habe die Firma des US-Investors Warren Buffet rund drei Milliarden Euro frisches Kapital eingesammelt. Für eine Laufzeit von 20 Jahren liege der Kupon bei 1,625, zwölf Jahre würden laut Brunner jährlich 1,125 Prozent und acht Jahre 0,75 Prozent bringen. Mit einer Stückelung von 100.000 Euro hätten sich die Bonds eher für institutionelle Investoren geeignet.

Auch europäische Konzerne würden die Gunst der Stunde nutzen. "Für Unternehmen rechnet es sich, frisches Geld entweder für Investitionen oder die Ablösung auslaufender Bonds aufzunehmen", meine Tillmann, wobei teilweise auch der Rückkauf von Anleihen über neue Bonds mit besseren Konditionen finanziert würde. Als Beispiel nenne die Händlerin die französische Edenred oder die dänische Vestas Wind Systems.

Im Handel mit Mittelstands-Anleihen gehe eher beschaulich zu, wie Gregor Daniel melde. Kurz vor Ablauf am 16. März werde dem Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft zufolge eine Venezuela-Anleihe (ISIN XS0214851874 / WKN A0DZ45) verstärkt abgestoßen. Immerhin brächte der aktuell mit 98,30 Prozent bewertete Bond einen Kursgewinn von 1,7 Prozent in nur wenigen Tagen, vorausgesetzt die Rückzahlung erfolge planmäßig. Hochgerechnet hätten Verkäufer damit eine ansehnliche Rendite links liegen lassen. "Anleger scheinen lieber auf Nummer sicher zu gehen."

Ein am 4. November 2020 fälliger und mit 4,125 Prozent Zinsen ausgestatteter Bond von Energieversorger EWE sei nach Angaben von Tillmann derzeit gefragt. "Der Wert des Sponsors der Erstliga-Basketballmannschaft EWE Baskets Oldenburg kaufen Anleger auf einem aktuellen Niveau von 119,28 Prozent." (Ausgabe vom 06.03.2015) (09.03.2015/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
126,0361 € 125,1945 € 0,8416 € +0,67% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel
86,06 plus
+1,31%
126,04 plus
+0,67%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
97,95 minus
-0,85%